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Flüchtlingsprobleme: Missio-Truck legt Zwischenstopp in Eilenburg ein

Aktionstag Flüchtlingsprobleme: Missio-Truck legt Zwischenstopp in Eilenburg ein

Rund 250 Asylbewerber aus den Krisenregionen der Welt leben in Eilenburg. Am Beispiel von Fluchtgeschichten aus Kongo in Afrika können Bürger der Muldestadt in dieser Woche im Missio-Truck einen Eindruck bekommen, was es bedeutet, seine Heimat verlassen zu müssen.

Tété Agbodan,, Michael Marschall, Danilo Wollny und Laura Zöllner (von links) erklären in dieser Woche in Eilenburg mithilfe des Missio-Trucks die Flüchtlingsproblematik auf dem afrikanischen Kontinent.

Quelle: Wolfgang Sens LVZ

Eilenburg. Rund 300 anerkannte Asylbewerber suchen zurzeit in Eilenburg eine sichere Zuflucht. Sie kommen aus Krisenregionen dieser Welt, vor allem im nahen Osten. Was Flüchtlinge aus Afrika dazu veranlasst, ihre Heimat zu verlassen, davon bekommen in dieser Woche vor allem Schüler der örtlichen Förder- und Oberschule, des Gymnasiums und des Berufsschulzentrums einen Eindruck. Das Diakonische Werk Delitzsch-Eilenburg und der Jugendmigrationsdienst haben den Missio-Truck, ein Projekt der katholischen Kirche mit lebensnaher, interaktiver Präsentation, zum dritten Mal in die Region, diesmal nach Eilenburg geholt. „Die Menschen fliehen vor den Konflikten um die Rohstoffe in Kongo für die Handyproduktion“, erklärt Tété Agbodan. Der Sozialpädagoge aus Togo musste selbst nicht fliehen, wählte Münster als Studienort, arbeitet seit zwei Jahren für das Missio-Truck-Projekt und will mit dem Masterabschluss nach Hause zurückkehren.

Alles beginnt auf einem Markt

Die Besucher, die spontan am Montag und Dienstag für zwei Stunden in den Truck, der auf dem Parkplatz am Nordring Halt gemacht hatte, einsteigen konnten, durften im Eingangsbereich auf einem kleinen, improvisierten afrikanischen Markt eine von acht möglichen Identitäten eines Bürgerkriegsflüchtlings aus Kongo annehmen. Zum Beispiel der 28-jährigen Medizinstudentin Christelle, die kurz vor dem Examen steht, schon als Krankenschwester arbeitete und nun mit Krankenhaus-Nachtwachen Geld verdient. An sechs Stationen kann der Besucher nacherleben, wie Christelle sich bis nach Deutschland durchschlägt – und hier auf eine bessere Zukunft hofft. Die Afrikanerin muss von jetzt auf gleich, als ihr Dorf überfallen wird, unter anderem entscheiden, was sie in eines der letzten Fluchtfahrzeuge nach Norden mitnehmen kann: Nur fürs Handy, Zeugnisse und einen Pass bleibt Zeit, um wenigstens die Herkunft nachweisen zu können.

Wie diese Geschichte ausgeht, dafür interessierte sich am Montagnachmittag auch eine Eilenburgerin, Jahrgang 1939, die ihren Namen nicht nennen wollte, aber bei dieser Gelegenheit an ihre Aussiedlerzeit 1947, als die Familie ihren Geburtsort in der Ukraine verließ, erinnert wurde. „Die Ausstellung ist sehr aufschlussreich“, so die Seniorin. „Ich bin froh, dass es uns jetzt gut geht.“ Andreas Trommer warf zunächst einen kurzen Blick ins Fahrzeug, wollte sich tags darauf mehr Zeit dafür nehmen. „Ich kenne Afrika nur vom Fernsehen, will mich hier ebenfalls über die Probleme informieren.

Gespräche mit Interessenten

„Die Resonanz ist gut“, schätzt Michael Marschall vom Jugendmigrationsdienst, dem die Praktikanten Danilo Wollny aus Eilenburg und Laura Zöllner aus Pressel zur Seite stehen, ein. Er kennt die Probleme der Flüchtlinge gut und kommt darüber mit Interessenten ins Gespräch.

Von Karin Rieck

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