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Eilenburg Forstlehrlinge rekultivieren alte Mülldeponie im Wald bei Battaune
Region Eilenburg Forstlehrlinge rekultivieren alte Mülldeponie im Wald bei Battaune
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00:19 19.05.2017
Tom Friedow, Justin Jakob, Paul Muth und Felix Ende (von links) am selbst hergestellten Aufsteller zum Projekt Rekultivierung der ehemaligen Mülldeponie Battaune. Quelle: Wolfgang Sens
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Battaune

Philipp Henzschel hatte Skepsis, als er Anfang 2015 als neuer Lehrausbilder des Forstbezirkes Taura in Doberschütz vom Vorhaben der Lehrlinge hörte. Eine ehemalige Mülldeponie rekultivieren, auf der nicht mal Roteichen groß werden, die sonst überall wachsen? Das geht nicht. Doch, es geht. Justin Jakob, Paul Muth, Tom Friedow und Felix Ende haben den 30-Jährigen überzeugt. Sie haben im Rahmen eines Naturschutz- und Landschaftspflege-Projektes während ihrer dreijährigen Ausbildung zum Forstwirt die 0,5 Hektar große Fläche im Revier Schöneiche bei Battaune zum Blühen gebracht und wertvollen Lebensraum für verschiedene Pflanzen, Tiere und Insekten geschaffen. An diesem Mittwoch müssen sie ihr Projekt vor Ort verteidigen – ein Teil ihrer Abschlussprüfungen, die jetzt anstehen.

Fläche mit Müll übersät

Die Ausgangsbedingungen waren alles andere als einfach: Die Deponie wurde bis 1989 von den Battaunern als Müllhalde genutzt. Ab 1990 wurde das Areal mit Erde aufgefüllt und der Versuch gestartet, es mit Bäumen und Sträuchern zu bepflanzen. Dann wurde immer mehr Müll wieder sichtbar, heranwachsende Bäume starben ab, das Ganze galt als gescheitert. Als das Vorhaben vor drei Jahren auf der Liste der möglichen Prüfungs-Projekte auftauchte, entschieden sich die vier Neuen des ersten Lehrjahres bewusst dafür. „Wir haben gemerkt, was von Menschen einst zerstört wurde, braucht auch den Menschen, damit wieder was wächst“, so Paul Muth.

Ein Zaun soll vor Wildfraß schützen

Vorgegangen wurde zunächst ganz pragmatisch – nicht-einheimische Roteichen fällen, Zaun bauen, vor allem aber: Müll beräumen. Was da nicht alles gefunden wurde – Puppenköpfe, Schrott, ein zerlegter Trabant, ein Grabstein. Der Müll ist es auch immer wieder, der Probleme macht. Die aufgeschüttete Erde ist nicht gleichmäßig aufgebracht, mit dem Pflanzspaten stößt man auf Stellen, an denen es nicht weiter geht. „Wir haben uns angesehen, was von dem, was bereits angepflanzt wurde, gut gewachsen ist“, sagt Paul Muth. Vogelkirschen bilden nun das Herzstück auf den rund 5000 Quadratmetern. Zudem wurden Wildäpfel und Pflaumen gesetzt, der Waldinnenrand mit einheimischen Sträuchern gestaltet. „Wolliger und Gemeiner Schneeball, Weißdorn, Pfaffenhütchen und Linguster“, zählt Justin Jakob einige auf. Holunder, so der Böhlitzer, sei nicht gut angewachsen, der Besenginster trotz der ungünstigen Bodenverhältnisse dagegen schon. Die Pflanzung von Obstgehölzen war sehr wichtig, da sie Nahrungsquelle für viele Insekten, Tiere und Vögel darstellt und im Frühling eine Blütenpracht bietet. Ein gut aufgebauter Waldinnenrand bietet außerdem Schutz und Nahrung für allerlei Vögel und Lurche, er sorgt für ein ausgeglichenes Waldinnenklima in den Nachbarbeständen, dient der Ableitung von Wind und mindert somit Sturmschäden in den größeren Bäumen dahinter.

Tafel informiert Waldbesucher über das Projekt

Gleich gegenüber gibt es eine neue, überdachte Sitzgruppe. Auch diese wurden von den Lehrlingen gebaut. Ganz wichtig war, Besuchern des Waldes zu vermitteln, was auf dem Areal passiert. „Die Leute sollen dort verweilen und sich damit beschäftigen. Wir wollen darüber informieren, dass Müllentsorgung noch immer ein großes Problem ist und dass eben nicht alles einfach so verschwindet, was in den Wald geworfen wurde.“ Und so haben die Lehrlinge Beispiele aufgeführt, wie lange Materialien brauchen, bis sie verrotten – ein Papiertaschentuch 1 Monat, der Joghurtbecher 5 Jahre, die Batterie 500 Jahre, Glas 50 000 Jahre.

Natürlich ist dies erst der Anfang und die erhofften Effekte werden sich in den nächsten Jahren zeigen. Für Philipp Henzschel aber ist klar: Künftige Lehrlings-Generationen kümmern sich weiter um die Fläche, „weil wir in der Forstwirtschaft auch den Naturschutz als Teil unserer Arbeit betrachten.“ Er ist sehr zufrieden damit, was seine Schützlinge geschaffen haben. Praktisch wie theoretisch.

Von Kathrin Kabelitz

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