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Eilenburg Frust, Wut und diffuse Ängste: Pegida-Anhänger treffen auf Gegner
Region Eilenburg Frust, Wut und diffuse Ängste: Pegida-Anhänger treffen auf Gegner
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14:03 19.05.2015
Oberbürgermeister Hubertus Wacker (links) und Pfarrer Ulrich Schade bringen Pegida-Sympathisanten und -Gegner zusammen. Quelle: Wolfgang Sens

ximal drei Minuten. Und einer Bitte an die Presse: nicht jeden der Diskutanten mit Namen zu benennen. Das Thema: Eilenburg und die Entwicklung in Sachen Asyl und Ausländer.

Oberbürgermeister Hubertus Wacker (parteilos) hatte am Montag zum Dialog in die Aula des Rinckart-Hauses eingeladen. Als Reaktion auf die Demo von zirka 60 jungen Eilenburger Pegida-Anhängern, die als Ebiga auftraten, und der Anti-Demo von rund 15 Gegnern - so offizielle Zahlen der Polizei - vor dem Rathaus in der vorigen Woche. 344 ausländische Mitbürger gibt es in Eilenburg. "Das sind 2,2 Prozent. Davon 190 aus EU-Staaten", informierte Wacker, der sich den katholischen Pfarrer Ulrich Schade mit aufs Podium eingeladen hatte. "Und wir werden künftig zehn Prozent haben, wenn wir unseren Wohlstand halten wollen."

Knapp 50 Besucher waren in die Aula gekommen. Möglicherweise waren darunter nur wenige derjenigen, die am vorangegangenen Montag demonstrierten. Trotzdem ging es kontrovers zu: Pegida (Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes) sei der "dämlichste Ausdruck", den es geben kann, so einer der Teilnehmer. Aber er schließe sich jeder Protestbewegung an, "damit meine angestaute Wut verstanden wird". Den Begriff "Wut" nannte auch ein anderer. Er sei "ein fleißiger Arbeiter". Und alles im Staat müsse erwirtschaftet werden. Auch Asylbewerber sollten arbeiten und nicht alles geschenkt bekommen. Und Politiker so etwas wie einen "Führerschein" machen, um fachliche Kompetenz zu haben und dann auch für Missschläge wie den Berliner Flughafen persönlich zur Verantwortung gezogen werden.

Einer der Gäste war froh darüber, dass man jetzt über das Thema Asyl spricht. Für ihn stehe in der Zeitung zu wenig darüber, wie das alles abläuft. Deshalb habe er sich als Flüchtlingspate beworben. "Und es gibt zu viele Pauschalisierungen." Sicher könne es sein, dass eine Familie im Wohngebiet mal bis Mitternacht lautstark feiert. Aber das sei nun mal Mentalität.

Ein 18-jähriger Eilenburger wandte sich an "die Pegida-Anhänger": Ob ihnen nicht klar sei, dass eine Gemeinschaft nur dank äußerer Einflüsse neue Ideen entwickeln könne. "Aber der Islam gehört nicht zu Deutschland", beharrte eine Frau. Doch es gebe Religionsfreiheit in Deutschland. Und sollten Buddhisten oder Moslems ihren Glauben nur in Hinterzimmern ausleben?, fragte Wacker. Pfarrer Schade: "Die Schwierigkeiten, die in Deutschland da sind, sollten nicht auf dem Rücken der Ausländer ausgetragen werden. Denn die können nichts dafür." Es solle sich jeder fragen: Hast du gewählt? Und zweitens: Wo kandidierst du? Politiker würden immerhin schon Verantwortung übernehmen, in dem sie von Ämtern zurücktreten. Bei persönlicher Haftung wäre für diese Arbeit wohl keiner mehr zu begeistern.

Ein Mann sagte: Pegida sei für ihn der Begriff für Unwohlsein. Er bezeichnete sich als konservativer Wähler. Aber mittlerweile sei die CDU für ihn "eine undefinierbare Suppe". Die drei bis vier Prozent Muslime seien "wegzustecken", aber die Flüchtlingskinder gingen auch in die Kitas. "Sie können Krankheiten reinbringen, die in Deutschland lange ausgerottet sind." Zumindest in dieser Sache konnte Sven Keyselt, Leiter des Ordnungsamtes des Landkreises und somit auch zuständig für den Bereich Migration, für pragmatische Beseitigung diffuser Ängste sorgen: Für alle Asylsuchenden gebe es in den Aufnahmelagern ärztliche Untersuchungen.

Insgesamt sah Wacker nach mehr als zwei Stunden weiteren Gesprächsbedarf: "Ich bin allen dankbar, die hier ihre Ängste vorgetragen haben. Mir tut es Leid, dass viele von den jungen Leuten, die am letzten Montag protestierten, nicht dabei waren. Ich würde das hier gern im März wiederholen wollen." Dann wolle er aber versuchen, "Kompetenz aus der Bundespolitik" nach Eilenburg zu holen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 28.01.2015
Von Heike Liesaus

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