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Fünf Stein, fünf Schicksale - Stolpersteine in Eilenburg und Kospa verlegt

Fünf Stein, fünf Schicksale - Stolpersteine in Eilenburg und Kospa verlegt

Violinenmusik am Samstagnachmittag in der Kellerstraße in Eilenburg. Dann rattert ein Schlagbohrer, Erde wird beiseite gekratzt, Schläge eines Gummi-Hammers ertönen.

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Die Projektteilnehmer haben ein Plakat gestaltet, Schülerinnen begleiten den Moment der Stein-Verlegung musikalisch.

Quelle: Kathrin Kabelitz

Eilenburg. Eine Menschengruppe steht beisammen, Rinckart-Schüler lesen Texte. Die seltsam anmutende Szenerie hat einen einfachen, wenn auch tragischen Hintergrund. Der Kölner Künstler Gunter Demnig verlegt in der Muldestadt die ersten fünf Stolpersteine. Jene Betonquader, die, mit einer kleinen Messingtafel versehen, an Menschen erinnern, die vor dem Nazi-Terror flüchteten, Selbstmord begingen oder ermordet wurden.

In die Platte auf der Oberseite sind Namen und Lebensdaten der Opfer eingraviert. Vor den Häusern, in denen sie zuletzt wohnten oder arbeiteten, werden die 96 mal 96 Millimeter kleinen und 100 Millimeter hohen Steine bündig in den Gehweg eingelassen. Für fünf Namen haben 10 bis 15 Neuntklässler des Martin-Rinckart-Gymnasiums in den vergangenen Wochen mit ihren Geschichtslehrerinnen Steffi Schober, Sylvia Kristalla und Steffi Schmidt die Lebensgeschichten recherchiert, Material zusammengetragen, Interviews mit Zeitzeugen geführt. Sie konnten auch auf Material zurückgreifen, das ihnen Museums-Chef Andreas Flegel und Petra Zimmermann von der Stadtverwaltung zur Verfügung stellten. Zudem sammelten sie Geld, damit das Ganze finanziert werden kann. Über 800 Euro kamen bisher zusammen. Fachlich unterstützt wurden sie dabei von Petra Dehmel und Frank Kimmerle vom Erich-Zeigner-Haus Leipzig.

Fünf Biografien erzählen von tragischen Schicksalen. An drei Standorten, in der Kellerstraße, in der Puschkinstraße und im Ortsteil Kospa, können die Stolpersteine verlegt werden. Lena Jaßmann, Bin Le Minh Hang und Thi Nguyen Dinh tragen die Lebensdaten jener fünf Männer vor, Clarissa Witschorkäwitsch, Juliane Tänzer und Lisa Nehrkorn verleihen dem Ganzen mit Violinen-Stücken einen festlichen Rahmen. Heidi Becherer vom Deutschen Gewerkschaftsbund Sachsen, der das Projekt maßgeblich unterstützt, betonte, "dass es wichtig ist, ein Zeichen für Demokratie zu setzen". Oberbürgermeister Hubertus Wacker (parteilos) ermutigte die Bürger, sich für Demokratie und gegen Rassismus einzusetzen.

Im Herbst hatten Vertreter des Vereins Erich-Zeigner-Haus in Leipzig und des DGB gemeinsam mit interessierten und engagierten Schülern und Lehrern des Gymnasiums das Projekt gestartet. Dieses sei bisher sehr erfolgreich verlaufen, schätzte Frank Kimmerle ein. Mittlerweile liege bereits weiteres Material vor, weitere mindestens fünf Steine könnten in der Muldestadt noch verlegt werden. Gerade deshalb sei es auch wichtig, dass das Projekt fortgeführt würde, dass Stadt und Landkreis dahinter stehen und es auch weiter unterstützen, betonte auch Lehrerin Sylvia Kristalla. Die Schüler hätten von Beginn an sehr engagiert gearbeitet, es wäre ausreichend Material vorhanden, damit weitere Gedenksteine verlegt werden können. Und auch die, die jetzt bereits in den Boden gebracht sind, müssten gepflegt werden.

Für den Künstler Gunter Demnig, der im Januar 1995 die ersten Mahnmale dieser Art in Köln verlegte, ist das Projekt Stolpersteine längst zum Lebenswerk geworden. Im vergangenen Jahr war er an 235 Tagen in dieser Mission unterwegs. Zusammen mit fünf Mitstreitern brachte er bisher "knapp 47 000 Steine in 17 Ländern Europas in die Erde". In diesem Monat, so erzählte der 66-Jährige in der Kinder- und Jugendarche, werden die ersten Steine in Rumänien verlegt. Besonders berührend sei ein Termin in Holland gewesen, wo er die Steine für einen Vater, dessen Frau und fünf gemeinsamen Kindern verlegte. "Von Routine bleibt da nicht viel übrig." Jeder Stein sei ein Individuum, die Inschrift einer jeden Platte von Hand gefertigt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 05.05.2014
Von Kathrin Kabelitz

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