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Ganz schön mutig, dieser neue Slogan: „Eilenburg – das Beste an Leipzig“

Wohnstandort-Kampagne Ganz schön mutig, dieser neue Slogan: „Eilenburg – das Beste an Leipzig“

Nun ist es raus. Eilenburg wird frech: „Lieblingsstadt Eilenburg – das Beste an Leipzig“ heißt der Slogan der Wohnstandort-Kampagne. Er soll Aufmerksamkeit er- und Zuzüge anregen. Und dabei hat es Eilenburg auf junge Familien abgesehen, die statt in Leipzig lieber in Eilenburg wohnen wollen.

Eilenburg hat’s auf junge Familien abgesehen – und wirbt mit entsprechenden Bildern in der neuen Wohnstandort-Kampagne.

Quelle: Stadtverwaltung

Eilenburg. Das Geheimnis ist gelüftet: „Lieblingsstadt Eilenburg – das Beste an Leipzig“ heißt der Slogan der Wohnstandort-Kampagne, mit der Aufmerksamkeit er- und Zuzug anregt werden soll. In der Stadtratssitzung am Montag im Bürgerhaus stellte Michael Rücker von der Leipziger Agentur W&R die Ausgangslage und Ziele vor: Leipzig peilt bis 2030 die 700 000-Einwohner-Marke an.

Das heißt: höhere Mieten, Verdichtung. „Der Druck wächst. Viele wollen aus Leipzig raus.“ Allerdings befindet sich Eilenburg im harten Wettbewerb: „Wurzen investiert in Wohnungspotenziale, Delitzsch erarbeitet ein Leitbild, in dem der Bevölkerungszuwachs ganz exklusiv behandelt wird.“ Selbst Altenburg am S-Bahn-Ende wolle am Leipzig-Kuchen knabbern, Muldentalkreis und Markkleeberg sowieso.

Eilenburg – das Beste an Leipzig

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Nun will Eilenburg Interessen verknüpfen, Multiplikatoren ansprechen, vor allem aber eins: „Wir brauchen junge Familien. Darauf liegt der Fokus“, so Rücker. So ziele der Slogan auch auf dieses Spannungsfeld. Eine Facebook-Seite ist bereits geschaltet, sammelte am ersten Tag die ersten Hundert Likes. Eine Website wird aufgebaut. „Als nächstes sind Gespräche mit Wirtschaftsvertretern geplant, um Pakete für Co-Finanzierungen zu schnüren.“

Eine Schiene läuft dabei unter dem Kürzel WAU. Steht für Wohnen und Ausbildung. So ist Frankenbrunnen dabei. 50 000 Etiketten der Getränkeflaschen sollen mit dem Slogan bedruckt werden. Die Kampagne soll im Herbst starten.

Kritik von der CDU am Slogan

Es gab aber auch kritische Anmerkungen: „Wir wollen nicht die Besten sein, sondern liebens- und lebenswert“, sagte Stadtrat Paul Tilo Geißler (CDU). Rücker erklärte, dass Werbung anders funktioniert: „Der erste Schritt ist, Aufmerksamkeit zu erregen. Liebens- und lebenswert kann später kommen.“ Christiane Prochnow (Die Linke), selbst als Immobilienmaklerin tätig, hatte zwei der Vorbereitungsveranstaltungen erlebt: „Bereitschaft, zu unterstützen, war zwar da – aber die, zu zahlen, war gering.“

Zwischendurch wurde es Oberbürgermeister Ralf Scheler (parteilos) zu viel und er laut: „Wir haben die einmalige Chance, vom Leipzig-Wachstum zu profitieren. Wir müssen jetzt Geld in die Hand nehmen. Alles andere wäre das Ende. Das möchte ich nicht verantworten.“ Über Slogan und Logo solch einer Kampagne im Stadtrat zu entscheiden, sei nicht zielführend, reagierte er auf eine Anmerkung von Steffi Schober (CDU).

„Ich bin als Student jeden Tag in Leipzig. Mir hat noch niemand gesagt, dass er mit ’Eilenburg – Muldestadt mit grünem Herzen’ etwas anfangen kann. Ich denke, das ’an Leipzig’ ist eine gute Sache“, lobte Max Seehaus (Freies Bündnis). Noch im Stadtrat war der Drang, sich an der Aktion zu beteiligen, zu spüren: Da trat Thomas Meinhardt, Vorstandsvorsitzender der Wohnungsgenossenschaft, ans Mikro, beschwerte sich quasi, dass sein Unternehmen noch nicht beteiligt ist, während die Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft in der Präsentation genannt wurde.

Wieviel die Kampagne kostet, ist unklar

Das Problem: Für jeden Unterstützer wird ein spezielles Paket aus Leistung und Gegenleistung geschnürt. Der Wert kann zwischen 500 und 5000 Euro liegen. Auch wie viel die Kampagne insgesamt kostet, ist nicht zu sagen. „Wir können 50 000 Euro, aber auch 200 000 Euro ausgeben, wenn sie zusammenkommen“, erklärte Rücker.

Peter Burck, Stadtrat im Freien Bündnis, zeigte sich auch als Vorsitzender des Tierpark-Trägervereins überzeugt: „Wir überlegen immer, wie wir an die Zielgruppe der Leipziger herankommen können. Wir würden uns um ein Paket bemühen.“ Torsten Pötzsch (SPD) zog wiederum die Konsequenz für die Stadt, ebenfalls Geld locker zu machen. „Ich höre heraus, dass wir uns hinter die Kampagne stellen wollen. Das können wir als Stadtrat sinnvollerweise nur finanziell tun.“

Von Heike Liesaus

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