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Gastliche Oasen in der zweiten Reihe

Gastliche Oasen in der zweiten Reihe

Sommer, Sonne, Freisitz. Wenn der Appetit auf die schönsten Plätze lockt, hat der Gast gern was zum Gucken. In der Eilenburger City fällt der Blick vor allem auf Passanten und den Autostrom, der tagsüber durch die Muldestadt lärmt.

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Sowohl Mauern als auch Platz

Urlaubsmäßig: Ruth Mai und Ottomar Zahn genießen ihr Schnitzel auf dem neuen Freisitz an der Bergstraße, umgeben von Palmenzweigen.

Quelle: Alexander Bley

Eilenburg. Die wirklichen gastronomischen Freiluft-Oasen finden sich hier eher in der zweiten Reihe. Sind größtenteils eine Empfehlung wert. Lassen aber auch Wünsche offen, wie ein Streifzug durch die gastronomische Landschaft mit Tischen und Sitzplätzen an der frischen Luft offenbart.

An der Einfahrt zur Bergstraße, die hinab ins Zentrum führt, sind Werbetafeln an einer dunkelroten Wand wahrlich nicht zu übersehen. Ins Big Schnitzel wird vor allem mit Getränke-Empfehlungen und natürlich der Vorfreude auf ein knuspriges Stück Fleisch gelockt. Mit wie viel Urlaubsflair sich all das hinter der Mauer, die das Eckgrundstück von der Straße abschirmt, genießen lässt, erfährt nur, wer eintritt. "Sie haben recht", räumt Hausherr Matthias Radke ein. "Auch dafür sollte ich mehr werben." Dabei hat der auch handwerklich geschickte Gastwirt die über 40 Plätze im Freien - so viele wie unterm Dach - erst neu arrangiert, mit viel Holz, warmen Farben, angenehmer Beleuchtung, wenn die Dämmerung heraufzieht, sowie mit einem kleinen Spielplatz für die jüngsten Gäste ergänzt. Das Thema "Urlaub" ist nicht nur wegen der exotischen Pflanzen gut umgesetzt. Weshalb hier vor allem am Wochenende nur Platz bekommt, wer rechtzeitig reserviert. Und sollte der Blick auf die Straße trotz des Trubels gewollt sein: Ein Teil der Terrasse wurde erhöht. Man hat da eine Art Logenplatz.

Eines der wohl lauschigsten Fleckchen in Eilenburg findet der, der im Kreisverkehr am Mühlgraben abbiegt und dem Wegweiser ins griechische Spezialitätenrestaurant "Symposio" an den Anger folgt. Das mit der Werbung am Kreisverkehr sei nicht so einfach, ist dort zu erfahren. Aber die Familie aus Doberschütz, die sich mit dem Blick aufs Wasser des Mühlgrabens und in viel Grün gerade ihr Mittagessen schmecken lässt, kennt sich aus und lobt in den höchsten Tönen: "Die Kulisse ist toll, das Essen schmeckt und das Personal ist sehr nett. Man wird, auch wenn wir nicht jeden Tag kommen, wie ein Stammgast behandelt." Dem ist wohl nichts hinzuzufügen. Nur, dass sich die Mitarbeiter froh darüber äußern, dass die Begrenzung des Freisitzes mit zirka 60 Plätzen samt Sandsäcken bei der Juni-Flut hoch genug war, "wir diesmal Glück hatten und stolz auf die Mauer sind".

Schon bei der LVZ-Lokalrunden-Serie im vergangenen Jahr hatte Gastwirt Sven Thiergen, der die urgemütliche rustikale Kneipe Am Leipziger Tor betreibt, bedauert, "dass es keinen Weg gibt, den Verkehr im Stadtzentrum zu beruhigen". So dringt an dieser Stelle nur auf wenigen Plätzen, die sich auf einem schmalen Fußweg an die Hauswand drängen, ein Stück von dem historischen Flair im Innern nach draußen. Um diese mit Pergola oder Grün vom Verkehrslärm abzuschirmen, bleibt kein Platz. Da haben auf den unterschiedlich breiten, sonnigen oder schattigen Trottoirs in der Leipziger und Torgauer Straße die Petzolds an ihrem Cortina-Eiscafé oder das Rialto einige bescheidene Möglichkeiten mehr. Zudem bewirtschaftet letzteres noch einen Freisitz auf der anderen Hausseite, wo es schön ruhig ist. Und am Limerick's Irish Pub kann es sich der Gast ab dem späten Nachmittag in einem rustikalen Anbau mit britischem Insel-Charme gemütlich machen. Die Besonderheit hier: Zum Guiness oder zum Milchshake darf das gute Essen aus dem benachbarten China-Restaurant Chang Chen geordert werden, wo nur drin gespeist wird.

"Vier Kilometer bis zum Stand" verspricht ein Wegweiser am Standhotel. Damit reagierte Hausherrin Sandra Gäbler auf Anfragen, wo denn nun der Stand sei. Sollte sich daraufhin jemand ins Freizeit- und Erholungszentrum an der Kiesgrube am Stadtrand gezogen fühlen - wo es übrigens auch zwei schöne Freisitze gibt - könnte er dennoch Zwischenstation im Traditionslokal in der Rinckartstraße, die gleich vom Markt abzweigt, machen. "Wir haben Glück mit diesem Fleckchen", bedauert Gäbler die Berufskollegen, die in der City nicht an geschützter Stelle solche Möglichkeiten haben. Übrigens: Auch in anderen Stadtteilen der Muldestadt gibt es erquickliche Pausen-Oasen. Man muss sie nur finden.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 17.08.2013

Rieck, Karin

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