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Giftgaswolke auf dem Muna-Gelände in Strelln – ein Eilenburger erinnert sich

80 Jahre Militärgeschichte Giftgaswolke auf dem Muna-Gelände in Strelln – ein Eilenburger erinnert sich

80 Jahre Militärgeschichte neigen sich im nächsten Jahr auf dem Muna-Gelände bei Strelln in der Gemeinde Mockrehna dem Ende entgegen. An das viele Jahre geheimnisumwitterte Munitionsdepot zwischen hat auch der Eilenburger Kurt Krause seine ganz eigenen Erinnerungen.

Der Eilenburger Kurt Krause interessiert sich für Heimathistorie und vieles, was in der LVZ gedruckt wird, so auch jüngst für die Geschichte des Munitionsdepots bei Strelln, aus dem sich die Bundeswehr im nächsten Jahr zurück zieht.

Quelle: Kathrin Kabelitz

Eilenburg/Strelln. Vor dem Jahr 1960, als viele Bürger aus umliegenden Dörfern noch mit der Eisenbahn zur Arbeit nach Eilenburg fuhren, sind Fahrgäste manchmal zwischen Mockrehna und Doberschütz vom Zugbegleitpersonal angewiesen worden, die Fenster zu schließen. Der Grund: In dem Waldstück sei von einer Giftgaswolke auf dem Muna-Gelände bei Strelln, nunmehr Ortsteil der Gemeinde Mockrehna, Gefahr ausgegangen. Bis heute gibt es vielfältige, oft auch bislang nicht beweisbare Erinnerungen ans über die Jahre „geheimnisumwitterte“ Munitionsdepot, im Volksmund kurz „Muna“ genannt und viele Jahre auch von Soldaten der Sowjetunion genutzt . 80 Jahre Militärgeschichte neigen sich im nächsten Jahr dem Ende zu. Der Eilenburger Kurt Krause, einst Eisenbahner und Hobbymusiker, fühlte sich von den Erinnerungen, die für die Mockrehnaer Chronik zu diesem Kapitel aufgearbeitet wurden, angeregt, eigene Muna-Erlebnisse beizusteuern.

„Als Mitglied des ECW-Blasorchesters war ich mal zu einem Konzert in der Muna, das im Freien stattfand“, berichtet der 78-Jährige. „Natürlich hatten wir auch russische Melodien im Repertoire. Die Soldaten waren begeistert. Anschließend wurden wir zu einem Umtrunk ins Offizierscasino eingeladen. Teller, gefüllt mit Gebäck und riesengroßen, eingewickelten Pralinen, gefüllte Wodkaflaschen und die dafür typischen Gläser standen bereit.“ Bei angeregter Unterhaltung auf Russisch, Deutsch und Zeichensprache sei die Zeit schnell verstrichen. Die Taschen voller Pralinen hätten die Ehefrau zu Hause später wieder versöhnt.

Als Lokführer war Kurt Krause mit der Dampflok für einen Arbeitszug auch selbst einmal im Muna-Objekt. Während Gleisbauarbeiter ihre Arbeit verrichteten, wurden Krause und der Heizer der Lok zum Essen gebeten. „Ich erklärte dem Wachhabenden, dass wir nicht beide zugleich die Lok verlassen dürfen.“ Nix Problem!, so die Reaktion. Ein bewaffneter Soldat wurde als Wache aufgestellt. Es habe reichlich Essen gegeben und auch der obligatorische Wodka fehlte nicht. Als der Heizer nach dem Feuer sehen wollte, kam er sofort wieder zurück. „Der Russe lässt mich nicht auf die Lok.“ Erst habe der Wachhabende dem Wachsoldaten die Genehmigung erteilen müssen. Dann konnte der Heizer die Lok wieder betreten. Als er dem Posten den Führerstand zeigen wollte, sei dem das aber nicht geheuer gewesen. Immer wieder habe der Soldat ängstlich nach draußen geschaut, weil er seinen Posten wohl nicht verlassen durfte. „Als die Gleisbauarbeiter fertig waren, wurden auch sie bewirtet. Wir Zwei entzogen uns der weiteren ,Prasserei’. Wir durften doch bei der Heimfahrt und beim Abrüsten der Lok in Eilenburg nicht auffallen.“ Gern, so der Eilenburger Rentner, denkt er an diese zwei Episoden zurück. Sie sollten der Nachwelt erhalten bleiben. Und werden ins Kapitel, das im über 1000-jährigen Mockrehna die Historie der Muna beschreibt, zu gegebener Zeit einfließen.

Von Karin Rieck

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