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Glauchaer Kinder schreiben an Bundestags-Präsidenten: Wir wünschen uns einen Damm

Glauchaer Kinder schreiben an Bundestags-Präsidenten: Wir wünschen uns einen Damm

Glaucha. Wem es beim Lesen dieses Kinder-Briefes nicht abwechselnd heiß und kalt wird, der hat kein Herz. Annelene Hartmann aus Glaucha packte jüngst beim Besuch ihrer 4. Klasse der Evangelischen Grundschule Bad Düben im Berliner Bundestag die Gelegenheit beim Schopf und überreichte mit Unterstützung des hiesigen Bundestagsabgeordneten Marian Wendt dem Bundestagspräsidenten Norbert Lammert (beide CDU) ihren Wunschzettel.

Auf dem "Wunschzettel an den Deutschen Bundestag" hat das Mädchen, die übrigens am Montag ihren zehnten Geburtstag feiert, in sauberer Schreibschrift notiert: "Wir Kinder aus Glaucha haben große Sorgen. Am 3. Juni 2013 wurde unser Dorf von der Mulde schon das zweite Mal überflutet. Seit einem halben Jahr ist nichts mehr wie es war. Wir Kinder vermissen unser altes Zuhause. Weihnachten wird ganz traurig werden. Die meisten von uns wohnen mit ihren Familien in ein oder zwei Zimmern in unseren Häusern oben oder bei der Oma, weil die Häuser noch kaputt sind. Für unseren Weihnachtsbaum ist kein Platz mehr. Es ist nicht mal Zeit zum Weihnachtsbasteln und Plätzchenbacken. Ich, Annelene, habe am 23. Dezember Geburtstag. Meine Mama hat gesagt, in diesem Jahr können wir nicht feiern wie sonst. Wir machen uns große Sorgen um unsere Eltern. Sie sind nicht mehr fröhlich und haben kaum Zeit für uns. Sie müssen sich kümmern, dass alles wieder schön wird. Ständig sind sie auch bei irgendeiner Versammlung. Sie sagen, sie müssen für einen Hochwasserschutz kämpfen, der HQ 100 heißt. Das ist die einzige Möglichkeit, dass wir so etwas nie wieder erleben müssen. Warum wird denn der Damm nicht einfach gebaut? Könnt ihr uns helfen? Wir wünschen uns in diesem Jahr einen richtigen Damm, damit wir keine Angst mehr haben müssen."

Unter diese Zeilen hat Annelene einen Weihnachtsbaum, unter dem Geschenke platziert sind, gemalt. Über 40 Kinder aus Nieder- und Oberglaucha haben ihre Namen unter Annelenes Wunschzettel gesetzt. Und das Mädchen ist nun gespannt auf die Antwort des Bundestagspräsidenten, die sie bald bekommen soll, wie ihr beim Berlin-Besuch gesagt wurde.

"Nein, wir haben unsere Tochter zu dieser Aktion nicht extra ermutigt. Sie hat damit ganz spontan von selbst begonnen", erzählt ihr Vater Thomas Hartmann, Vorsitzender der Glauchaer Bürgerinitiative HQ-100-Schutz, wie es zu diesem Wunschbrief an den Bundestag kam. "An einem Tag im November saß sie an ihrem Computer und hat angefangen, den Wunschzettel zu entwerfen." Denn sie hätte zu dieser Zeit den Bundestagsabgeordneten Marian Wendt, der in ihrer Schule in Bad Düben zu Gast war, kennengelernt, hatte sich gemeldet, als Wendt gefragt hätte, wer von den Schülern von der Flut betroffen war. Der Hintergrund des Besuchs war aber vor allem: 26 Jungen und Mädchen aus der 4. Klasse der evangelischen Grundschule sollten mit nach Berlin fahren, um im Bundestag gemeinsam mit Vertretern des Vereins Dübener Heide einen Weihnachtsbaum an Norbert Lammert (CDU) zu übergeben und ein kleines Programm aufzuführen. Wie berichtet, stammt die fünf Meter große Fichte aus dem Wald Nähe Friedrichshütte für den Deutschen Bundestag in diesem Jahr aus dem Naturpark Dübener Heide.

Die Wunschzettel-Aktion nahm weiter Gestalt an. Mit Unterstützung der Eltern postierten sich schließlich über 40 Kinder und Jugendliche für ein ergänzendes Foto vor der Wolkenschäfchen-Kita der Diakonie. Die Mädels und Jungs schrieben also nicht nur ihre Namen unter den Brief, sondern zeigten auch ihr Gesicht. "Womit wir auch dokumentieren wollen, dass Glaucha mit all diesen Kindern eine Zukunft hat", betont Thomas Hartmann. Und dafür braucht das Jahrhunderte alte Dorf den entsprechenden Schutz "und darf nicht aufgegeben werden", so die Bürgerinitiative auf ihrer Web-Seite.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 21.12.2013

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