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Eilenburg Glücksfall für Pehritzsch: Drei Familien ziehen ins alte Pfarrhaus
Region Eilenburg Glücksfall für Pehritzsch: Drei Familien ziehen ins alte Pfarrhaus
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13:00 22.04.2017
Blick auf das Pfarrhaus in Pehritzsch. Quelle: Heike Liesaus
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Pehritzsch

Der Beirat der Pehritzscher Kirche hatte sich bereits mit Abrissplänen für das alte Pfarrhaus schwergetan. Nun hat die Gemeinde unverhofft über eine Anzeige neue Pächter gefunden. Für das Dorf seien die drei Familien mit insgesamt sechs Kindern ein „Glückfall“, sagt Friedemann Krumbiegel, der als Pfarrer Pehritzsch im Kirchspiel Krostitz betreut. Für die Kirchgemeinde „eine Stärkung“.

Glauben und Alltag miteinander teilen – das war der Traum, den alle drei Familien bereits lange hegten. Gefunden haben sie sich in Leipzig, aber sie wollten raus aus der Stadt und dauerhaft auch ihre Arbeit hierher verlegen. „Die Idee ist, dass wir irgendwann eine generationsübergreifende Gemeinschaft leben und Menschen für kürzere Zeit aufnehmen können, die eine Auszeit aus ihrem Alltag brauchen“, erklärt Ulrike Hippe, eine der neuen Bewohner.

Diese Familien wohnen jetzt im Pehritzscher Pfarrhaus. Quelle: Ruth Weinhold-Heße

Die Suche nach einem passenden Objekt führte die Gruppe zu rund 20 Grundstücken, zahllose Stunden auf Immobilienportalen nicht mitgezählt. In Pehritzsch gab es neben dem sanierungsbedürftigen Pfarrhaus einen Bau von 1988, in dem zuletzt ein katholischer Verein Schulungen für osteuropäische Religionspädagogen anbot. Die trugen sich 2013 nicht länger finanziell und plötzlich stand die Kirchgemeinde vor leeren Gebäuden, die sie nicht verfallen lassen wollte, inklusive ungeklärten Pachtverhältnissen. Es gab keine Rücklagen, um die Gebäude zu erhalten.

Ramona Steinberg erzählt von der Anzeige, die der Kirchenbeirat schaltete. Niemand glaubte ernsthaft, dass das funktioniert. „Als mir dann aber die Gruppe „Die Konspirative“ ihr Konzept schickte, habe ich sofort gedacht, die passen nach Pehritzsch: Sie wagen etwas Neues und wollen sich auch sozial engagieren“, sagt die Kirchenbeirätin.

In den ersten Gesprächen sei es darum gegangen, wie man zueinander stehe, erzählt der Pfarrer. Die Kapelle werde weiterhin von der Gemeinde im Winter genutzt. Zu hohen Erwartungen tritt „Die Konspirative“ aber entgegen: „Wie wir am Gemeindeleben teilnehmen, müssen wir erst noch herausfinden“, betont Jens Hempel. Am Dorfleben wollen die jungen Familien aber teilhaben. Hempel ist Lehrer und hat bereits einen Versetzungsantrag in eine der umliegenden Schulen gestellt.

Vieles ist noch im Werden. Der Name „Konspirative“ leitet sich vom Lateinischen „con spirare“ ab, übersetzt: gemeinsam atmen oder leben. Juran Benetti, gebürtiger Südtiroler, Katholik und Tattoostudio-Besitzer, erzählt bei Kaffee und Kuchen: „Wir haben noch keinen fixen Tagesplan. Meistens sitzen wir abends zusammen, halten Rückschau und beten.“ Seine Frau Ulrike Hippe ergänzt: „Weil man sich so oft sieht, fällt der Austausch leichter. Da reden wir dann auch mal über Themen, die man sonst nur schwer Anderen gegenüber anspricht.“

Die Gruppe übernahm den Verein CVJM Terebinthia in Weihnböhla, der seine offene Schülersozialarbeit schließen mussten. Der Erbbaupachtvertrag für die Gebäude beläuft sich auf 75 Jahre und hatte einen symbolischen Preis. Zusätzlich fällt eine jährliche Pachtrate für das Gelände an.

Die Kirchenbeirätin Ramona Steinberg ist erleichtert, dass die Gebäude weiter genutzt werden. Enttäuscht ist sie über eine kirchenrechtliche Regelung: „Das Risiko und die Arbeit, Pfarrhäuser nicht verfallen zu lassen, trägt die Gemeinde vor Ort, aber das Geld landet in einem Fond zur Pfarrbesoldung“, führt sie aus. „Da ist noch Veränderung nötig, denn wenigstens teilweise sollten die Erlöse direkt der Ortsgemeinde zugute kommen.“

„Die Konspirative“ stellt sich nunmehr ihren Nachbarn vor: An diesem Sonntag zwischen 14 und 18 Uhr kann man sie bei Kaffee und Kuchen, Spiel und Spaß kennenlernen. Ort: Alter Pfarrhof Pehritzsch.

Von Ruth Weinhold-Heße

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