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Goldene Meister aus der Eilenburger Region kritisieren Lage im Handwerk

Meisterehrung Goldene Meister aus der Eilenburger Region kritisieren Lage im Handwerk

Zehn Goldmeister aus Nordsachsen sind dieser Tage von der Handwerkskammer in Leipzig geehrt worden. Unter ihnen die meisten aus der Region Eilenburg. Als erfahrene Fachleute sehen einige die momentane Situation im Handwerk nicht so goldig.

Vater, Malermeister Karl-Heinz Vogt, und Sohn Matthias vor einem der erst jüngst fertiggestellten Reverenzobjekte des Betriebes in Eilenburg, Dorotheenstraße 1.

Quelle: Wolfgang Sens LVZ

Eilenburg/Doberschütz. Schon Richard Wagner setzte mit seinen Meistersingern und der Arie das Hans Sachs „Verachtet mir die Meister nicht und ehrt mir ihre Kunst“ der Elite des Handwerks ein Denkmal. Doch nicht alles ist dabei Friede und Freude. Das ergibt eine kleine Umfrage unter Altmeistern in der Region Eilenburg, die dem Jahrgang 2016 angehören, denen dieser Tage, wie berichtet, von der Handwerkskammer in Leipzig der Goldene Meisterbrief überreicht wurde.

Für eine Ehrung anmelden?

„Wenn ich nicht bereits vor einem Jahr mal angedeutet hätte, dass ich 2016 dran bin, dann hätte ich vielleicht keine Einladung bekommen“, so Eberhardt Kurth. Der Doberschützer vermutet, „dass die Unterlagen der Handwerkskammer wohl nicht ganz komplett sind, weil man sich für die Übergabe dieses Dokumentes anmelden muss“, hält das eher für ein „Trauerspiel“. Die Branche, in der der heute 77-Jährige 1966 als Schuhmacher und 1977 ein zweites Mal als Fachmann für orthopädisches Schuhwerk seine Meisterprüfung ablegte, habe heute kaum noch goldenen Boden. „Selbst zu DDR-Zeiten hat es geklappt, dass ich 25 Jahre selbstständig tätig war, weil das im Interesse des Gesundheitswesens lag.“ Heute würden der medizinische Dienst und die Krankenkassen auf die Kosten schauen. „Jeder, der ein Fußleiden hat, erlebt selbst, wie lange es dauert und wie teuer es werden kann, an gute orthopädische Schuhe zu kommen.“ Orthopädie-Technik Neubert und Schuh-Kutzner, weiß Kurth, seien die letzten zwischen Delitzsch, Bad Düben, Eilenburg und Torgau, die das Branchenzepter noch hoch halten. Seit immerhin 38 Jahren – und das freut den Doberschützer – treffen sich die damals Republikweit acht Absolventen der Dresdner Meisterschule für Orthopädieschuhmacher seines Jahrgangs mit ihren Ehefrauen jährlich einmal zum Wiedersehen, zuletzt in Berlin.

Über 80 Jahre Möbelfertigung fürs Museum

Auch Martin Friedrich aus Sprotta-Siedlung erfuhr aus dieser Zeitung, dass man sich für die Gold-Urkunde anmelden könne und folgte dem Aufruf. „Bei Kaffee und Kuchen im Westin Leipzig war das ein schöner Nachmittag“, so der 80-jährige Tischlermeister, der 1991 mit 55 Jahren in den Vorruhestand geschickt wurde. Bis dahin war er im Eilenburger Möbelwerk tätig. „Ich erhielt dort in der großen Lehrwerkstatt in den 1960er-Jahren eine gute Ausbildung.“ Der Traditionsbetrieb war in den 1970-er Jahren modernisiert worden und ging Ende 1991, als über das Vermögen des Ex-Partners, der Zeulenrodaer Möbel GmbH, das Gesamtvollstreckungsverfahren eröffnet wurde, in die Insolvenz. 1993 erwarb die Rösch GmbH aus Baden-Württemberg den Betrieb, der heute als Büromöbelwerk EB GmbH mit rund 50 Mitarbeitern an der Hartmannstraße weiter besteht. Die über 80-jährige Chronik der industriellen Möbelfertigung in der Muldestadt, so Friedrich, gehört heute zu den Beständen des Eilenburger Museums.

Malerbetrieb hat derzeit viel zu tun

Er sei schon eine Weile aus dem Geschäft raus und überlasse lieber seinem Sohn Matthias, in der vierten Generation Inhaber des Eilenburger Malerbetriebes Vogt, ein Urteil über die Branche, sagt Goldmeister Karl-Heinz Vogt, außerdem „Ehrenmeister der sächsischen Maler und Lackiererinnung“ und Träger der Goldenen Ehrennadel der Handwerkskammer zu Leipzig. Auf den Sohn und die Qualitätsarbeit, die der Vogt-Betrieb nach wie vor abliefert, sei er „sehr stolz“ . Als Kreishandwerksmeister und Obermeister der Malerinnung in Nordsachsen habe der Nachfolger zur Lage im Handwerk aber mehr Durchblick, so der 75-Jährige. „Jeder Handwerker, der gut arbeitet, hat zurzeit volle Auftragsbücher“, sind sich Vater und Sohn Vogt einig. Ein Hoch, dass sich aber auch ganz schnell drehen könne, „wenn die Leute in die Gebäudesanierung nicht mehr so viel Geld anlegen können wie zurzeit“, so Innungsmeister Matthias Vogt. Negativ sei für ihn die geringe Resonanz auf die Lehrausbildung und die hohen Abgabenlasten. Mehr als sechs Angestellte würden sich deshalb für das kleine Unternehmen nicht rechnen. „Der bürokratische Aufwand nimmt schon jetzt den halben Tag ein. Das fällt uns mal auf die Füße“, so der Junior, der fast zu hundert Prozent mit seinen Leuten in privaten Objekten tätig ist und bis zur goldenen Meisterehrung als 44-Jähriger noch etwas Zeit hat.

Anmeldungen schon für die nächste Ehrung möglich

Übrigens waren unter der einen Meisterin und den 41 Meistern, die in diesem Jahr im Kammerbezirk Leipzig mit dem Goldenen Meisterbrief geehrt wurden, zehn aus Nordsachsen und davon wiederum die meisten, die vor 50 Jahren und mehr den „Großen Befähigungsnachweis“ erwarben, aus der Region Eilenburg. Auch Friseurmeister Peter Dröbeljahr aus Laußig, Fleischermeister Horst Stichel aus Eilenburg, Müllermeister Harty Krause aus Doberschütz und Zimmerermeister Günther Weihmann aus Eilenburg gehören dazu. Leider sei es zu aufwendig, die Daten der Meister aus den 1950er- und 60er-Jahren zu digitalisieren, bedauert die Pressestelle der Handwerkskammer. Deshalb noch mal zur Erinnerung: Den Goldenen Meisterbrief für nächstes Jahr können die Handwerker schon jetzt beantragen, die ihre Meisterprüfung vor 50 und mehr Jahren vor der Handwerkskammer Leipzig abgelegt haben.

Service: Kontakt über Katrin Bartnik, Telefon 0341/2188101, E-Mail: bartnik.k@hwk-leipzig.de.

Von Karin Rieck

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