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Gottesdienst, Choral und Gemälde

Gottesdienst, Choral und Gemälde

Tausende saßen bereits in Konzerten oder Schulveranstaltungen dem riesigen Bild in der Aula des ehemaligen Gymnasiums am Eilenburger Dr. Külz-Ring gegenüber. Am Montag war es nicht nur Hintergrund, sondern Mittelpunkt des Abends: Das Ereignis, das es darstellt, hatte sich an diesem Tag genau vor 375 Jahren abgespielt.

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Das Schlabitz-Gemälde in der Rinckart-Aula gibt künstlerisch wieder, was sich am 24. Februar des Jahres 1639 in der Eilenburger Nikolaikirche abspielte.

Quelle: Heike Liesaus

Eilenburg. Mit einem Bittgottesdienst hielt Martin Rinckart die Schwedischen Truppen davon ab, die Stadt zu plündern. Beim Vortrag von Ernst Gottlebe hatten erneut viele Besucher auf den Stühlen vor dem Gemälde Platz genommen.

Der 24. Februar 1639. Die Eilenburger konnten die 30 000 Taler Kriegssteuern nicht auftreiben. Es hatte schon zu viele Forderungen vorher gegeben: Gerade erst waren 100 Pferde beschlagnahmt worden. Die schwedischen Truppen, die vor den Toren lagerten, drohten mit Plünderung und Brandschatzung. Der Pfarrer Martin Rinckart war noch einmal im Lager der Soldaten gewesen, wollte den Kommandanten umstimmen. Er wurde abgewiesen. Nun half nur noch beten, die Glocken läuteten zum Bittgottesdienst, die Eilenburger drängten sich in der Kirche. Auf dem Bild, das in der Aula des 1906 erbauten Realgymnasiums hängt, hebt der Geistliche die Hände gen Himmel. - Sicher sei das nicht die Pose eines Pfarrers gewesen, zeigte Ernst Gottlebe, wo der Maler Adolf Schlabitz in seinem Bild wohl Dichtung und Wahrheit dem künstlerischen Ausdruck untergeordnet hatte. Auf alle Fälle müssen die schwedischen Offiziere vom Geschehen in der Nikolaikirche stark beeindruckt gewesen sein. Den Eilenburgern wurde ein großer Teil der Forderungen erlassen, die Truppen zogen ab.

Nicht allein wegen dieses Bittgottesdienstes wird an vielen Stellen an Rinckart erinnert: Das Gymnasium, das in den Stadtteil Ost gezogen ist, heißt so. Das ehemalige Gymnasium am Külz-Ring wird immer noch Rinckart-Haus genannt. Eine Straße, die Kirchgemeinde, die Singschule tragen den Namen. Seine sterblichen Überreste sind in einer Gruft unter der Nikolaikirche begraben. - Eines der von ihm geschaffenen Lieder verbindet Eilenburg mit der ganzen Welt: "Der Choral 'Nun danket alle Gott' gehört zu den bekanntesten kirchlichen Liedern der deutschen Sprache", erklärte Ernst Gottlebe. In Gesangbüchern finde er sich rund um den Globus, selbst in einem japanischen habe er ihn entdeckt, erklärte Gottlebe. Insgesamt habe Rinckart im Laufe seines Lebens Hunderte Lieder geschrieben, die jedoch nicht überdauerten. Er habe aber auch fundamentale Lehrschriften erstellt, wie das Regentencircul, das Herrscher aus der Zeit Mose bis zu Rinckarts Gegenwart aufführte und 400 Seiten umfasste. Andererseits sei von ihm ein "Braut- und Weiber-Lobe-Lied" überliefert, das er - so vermutete Gottlebe - vielleicht für die Hochzeit von Freunden verfasst haben mochte.

Das Geschehen im Dreißigjährigen Krieg, das Leben des Theologen und Komponisten, die Entstehung von Bild und Gebäude. - Gottlebe hatte eine ganze Faktenflut recherchiert, ließ auch an der Geschichte der Rinckart-Familie teilhaben, die nachweislich bereits mehrere Generationen vor Martins Geburt im Jahr 1586 siedelte. Er konnte auch von Nachfahren berichten, die sich in den 1990ern sogar in Eilenburg getroffen hatten. Seine Zuhörer erfuhren ebenso, dass Rinckart, der in Leipzig studiert hatte, bei seiner ersten Bewerbung in Eilenburg, nicht angenommen wurde: Sein Engagement als Chorprefekt bei den Thomanern wurde ihm angekreidet - er hätte sich somit zu intensiv der Musik und weniger der Theologie gewidmet. Nachdem er in Eisleben und Erdeleben gewirkt, geheiratet und auch die Magisterwürden erworben hatte, wurde er dann 1617 als Archidiakon, zweiter Pfarrer, nach Eilenburg berufen.

"Das wird sicher nicht der einzige Vortrag dieser Art sein", sah Norbert Morch. Leiter der Volkshochschule des Landkreises Nordsachsen, die ihren Sitz im Rinckart-Haus hat und die auch den Vortrag organisierte, hinterher weitere Themenfelder. Schließlich stehe der 500. Jahrestag der Reformation bevor.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 26.02.2014
Liesaus, Heike

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