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Großmutter will Enkelin vor Menschenhändlern in Venezuela retten

Großmutter will Enkelin vor Menschenhändlern in Venezuela retten

Martina Hamann (61) will ihre Enkelin und Franziska Sagmeister (18) ihre Schwester retten. Doch dazu brauchen sie Hilfe. Denn Katharina wurde zwar in Eilenburg geboren, heute lebt sie in Venezuela, ohne ihre Eltern.

Sie ist 13 Jahre alt. Und wenn sie am 8. Oktober das 14. Lebensjahr vollendet, erlischt dort der ohnehin dürftige Jugendschutz. Ihre Angehörigen in Deutschland fürchten, dass ihr dann ein Leben auf der Straße, gar auf dem Straßenstrich droht.

Katharina zog als Vierjährige mit ihrer Mutter Kati und mit ihrem Stiefvater Karsten Rau nach Venezuela. Dort kam der mittlerweile siebenjährige Bruder Cornelius auf die Welt. Doch die Familie zerbrach. Karsten Rau musste aus gesundheitlichen Gründen nach Deutschland zurück. Mutter Kati kam offenbar allein nicht zurecht. Die Behörden des südamerikanischen Landes entzogen ihr das Sorgerecht für die Kinder, als sie in die Drogenszene abglitt. Katharina wurde bei einer "Senora" in der Nachbarschaft untergebracht. Ihr kleiner Bruder kam in ein Kinderheim. Karsten Rau, der mittlerweile bei Grimma lebt, ist es inzwischen gelungen, seinen leiblichen Sohn nach Deutschland zu holen. Doch das Verfahren ist kompliziert. Er musste mehr als 10 000 Euro dafür aufbringen, Schulden aufnehmen. Bei Katharina ist die Lage noch schwieriger.

Martina Hamann, die gemeinsam mit der älteren Schwester Franziska in Laußig wohnt, hat ihre Enkelin seit der Ausreise vor zehn Jahren nicht mehr gesehen. "Meine Tochter will ich gar nicht sehen. Es geht mir nur um Katharina", sagt sie. "Ich habe lange nicht gewusst, was da drüben abgeht." Nun ruft Katharina sie manchmal an oder schreibt. Sie spricht nach all den Jahren nur gebrochenes Deutsch: "Hallo Oma. Wann kann ich zu Euch kommen?"

"Wir fürchten den 14. Geburtstag", erklärt Martina Hamann. Denn dann gelte der Jugendschutz nicht mehr. Dann werde die Frau, bei der Katharina jetzt lebt, bei der sie sich aber auch mit Putzen über Wasser halte, nicht mehr vom Staat für die Unterbringung bezahlt. Das Mädchen wäre ohne Obdach und völlig verlassen. Und die Verhältnisse in dem südamerikanischen Land sind prekär. Dort leben Tausende Straßenkinder, die sexueller Ausbeutung ausgesetzt sind. Es soll sogar schon eine Liste von Käufern geben, die das blonde Mädchen kaufen wollen, so die 61-Jährige. "Das deutsche Jugendamt ist eingeschaltet. Aber die Zeit läuft davon. Ich kämpfe schon, seit ich wusste, was dort passiert, darum, dass sie nach Deutschland kommt. Bisher gibt es keine sichtbaren Fortschritte. Aber ohne Geld geht in Venezuela gar nichts. Schließlich kostet allein die Stunde eines Anwalts 150 Euro."

Das Auswärtige Amt warnt Reisende derzeit zu erhöhter Aufmerksamkeit in Venezuela. Jederzeit müsse mit Demonstrationen und gewalttätigen Auseinandersetzungen gerechnet werden, bei denen auch schon Schusswaffen eingesetzt wurden. Hintergrund ist die sich verschlechternde Wirtschafts- und Versorgungslage. Auch die erhöhte Gewaltkriminalität, der immer wieder Ausländer zum Opfer fallen, mache besondere Vorsicht erforderlich. Deutsche, die sich im Land aufhalten, sollten sich elektronisch auf der "Deutschen-Liste" der Botschaft registrieren.

Martina Hamann weiß, dass sie allein nicht in der Lage sein wird, nach Venezuela zu reisen, um ihre Enkeltochter zu holen. Wie sie es genau anstellen könnte, weiß sie auch noch nicht. Sie hat ein Spendenkonto für Katharina angelegt: "Das Geld soll nur ihrer Rettung zu Gute kommen."

Wer helfen will, wird gebeten, mit Martina Hannemann per E-Mail (martina541@web.de) Kontakt aufzunehmen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 30.09.2015

Heike Liesaus

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