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Handwerk und Nachwuchs-Gewinnung: Leipzig macht Eilenburg vor, wie es geht

Handwerk und Nachwuchs-Gewinnung: Leipzig macht Eilenburg vor, wie es geht

Der Termin für dieses Forum zur Situation von regionalem Handwerk und Wirtschaft, spezifisch auf Eilenburg bezogen, war am Vorabend eines für viele - wegen des Feiertages - langen Wochenendes nicht gerade glücklich gewählt.

Eilenburg. "Claus Gröhn, Präsident der Handwerkskammer zu Leipzig, hatte leider keinen anderen frei", begründete Gastgeber Hans Poltersdorf, Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes. Und doch hat in der Bader-Galerie etwas verpasst, wer nicht mit am Tisch saß. Denn alle vier Kandidaten, die in Eilenburg zurzeit für den Urnengang am 7. Juni um Stimmen für die Nachfolge von Oberbürgermeister Hubertus Wacker (parteilos) ringen, haben dieses Thema auf der Agenda, stellten sich bei der Gelegenheit auch der Diskussion dazu. Genauso wie Kay Emanuel, der vom Kämmerer-Posten in der Kreisverwaltung auf den Stuhl von Landrat Michael Czupalla (CDU) wechseln möchte.

Das Hauptthema des Abends - nicht nur spezifisch für Eilenburg: der Nachwuchsmangel, vor allem an Fachkräften. Und Hoffnungen, die sich aus der Zuwanderung von Menschen aus Krisengebieten der Welt auch für örtliche Klein- und Mittelbetriebe ergeben. "Integration ist besser als Parallelgesellschaften zuzulassen", so Gröhn. Der Präsident stand noch ganz unter dem Eindruck des 1. Nordsächsischen Integrationstages jüngst in Delitzsch (wir berichteten). Hier hätten sich auch Arbeitsagentur und Handwerkskammer vorgestellt. Trotz aller Unklarheiten, die es auf diesem Weg noch gibt. Aber: "Wir brauchen junge Menschen, denn die Menschen brauchen Dienstleistungen", informierte der Inhaber eines Leipziger Dachdeckerbetriebes unter anderem über Angebote der Kammer, mit denen auch Einheimische stärker fürs "Anpacken mit den Händen" interessiert werden sollen. Beispielsweise würden Schüler aus Mockrehna die Schnupperkurse des Bildungs- und Technologiezentrums in Borsdorf nutzen, wusste OBM-Kandidat Jürgen Clauß (Die Linke). Mit über 30 Schulen um Leipzig gäbe es Kooperationsverträge der Handwerkskammer, so Ralf Scheler (parteilos). Der Ex-Präsident des Verbandes will bekanntlich ebenfalls die Wacker-Nachfolge antreten. "Nur Eilenburg ist ein weißer Fleck." In Borsdorf könnten über 30 Handwerksberufe getestet werden, um Fehlentscheidungen vorzubeugen. "Ein gut gefördertes Instrument." Derlei "Kommunikationsprobleme" verwunderten Poltersdorf. Auch Aussagen zu fehlenden Gewerbeflächen. "Diese sind genug vorhanden." Firmeninhaber müssten sich ebenso bewegen. Er forderte mehr Kontakte dorthin, wo der Nachwuchs ist.

Das Handwerk stehe auf der Berufswunschliste bei jungen Leuten leider nicht weit oben, bedauerte OBM-Kandidat Torsten Pötzsch (SPD). "In den Betrieben gibt es bei den Ansprüchen an Bewerber inzwischen aber mehr Kompromisse." Kritik übte er an Arbeitsmarkt-Instrumenten. Mit diesen würde nicht flexibel genug reagiert. Beim Thema Flüchtlinge plädierte der Sozialarbeiter für paralleles Arbeiten und Erlernen der Deutschen Sprache. "Die Motivation ist groß. Die jungen Menschen und Familien, die zu uns kommen, wollen ihr Leben gestalten. Doch Formalien erschweren das." Der Landtagsabgeordnete Jörg Kiesewetter (CDU) sagte unter anderem, entsprechende Gesetzesinitiativen seien in Arbeit.

Steffi Schober, die für die CDU als OBM-Kandidatin im Rennen ist, bemängelte die Aussagen der jüngsten Standortanalyse der Handwerkskammer, die nicht repräsentativ seien. Daran könne man sich nicht orientieren. Besucher des Forums hätten gern mehr über "hausgemachte" Probleme debattiert. Beispielsweise über das Ladensterben oder die Breitbandversorgung. Dies und mehr bleiben Zukunftsthemen, hieß es.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 16.05.2015
Karin Rieck

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