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Hans-Eckart Wenzel: „Nichts bleibt geheim!“

Soloprogramm in Eilenburg Hans-Eckart Wenzel: „Nichts bleibt geheim!“

Wer rettet mal eben Kuba, gibt Angela Merkel Nachhilfe in Physik und lästert gnadenlos über den „Machdeburjer“? Klare Antwort: Hans-Eckart Wenzel!

Hans-Eckart Wenzel in Eilenburg.
 

Quelle: Olaf Majer

Eilenburg. Der Liedermacher ist am Freitagabend zum sage und schreibe 17. Mal in Eilenburg! Wie gewohnt am Jahresanfang im Januar und wie immer in der stets ausverkauften Baderscheune: Jenem zauberhaften Ambiente, das dem Musiker aus Wittenberg vor einem sehr aufmerksamen Publikum auch leise Töne und Nachdenklichkeiten erlaubt.

Am Anfang seines Solo-Programms steht freilich klare Kante. „Ich habe mich verbrannt mit Haut und Haaren“ singt Wenzel und geht anschließend wacker durchs Feuer der aktuellen Flüchtlingspolitik. Dass man Kriegsländer einfach mal so zu sicheren Flüchtlingsorten erklärt, sei ein typisch deutscher Trick, von oben zu erklären, was sicher sei. Und auch im Inneren sei der deutsche Staat nicht gerade zimperlich bei seinen Überwachungsmethoden. „Nichts bleibt geheim“ singt der Wittenberger - ein Lied, das er 1978 komponiert hat und das mit seinen Parallelen zwischen SED-Vergangenheit und NSA-/BND-Gegenwart ein beklemmendes Gefühl zurücklässt.

Doch Geschichtsklitterung ist nicht Wenzels Ding. Im Gegenteil: Dass viele Sätze mit „früher“ anfangen, hält er für verdächtig. Und deshalb ist seine vertonte Ansage „Halt dich von den Siegern fern“ auch zeitlos gültig. Genauso wie der nachdenkliche Song „Die Erde ist da für mich und dich“ - eine berührende Hommage an die amerikanische Folkmusik-Legende Woody Guthries, dessen Texte Wenzel Anfang des Jahrtausends so wundervoll vertonte.

Dabei ist Wenzel nun wirklich kein English Man. „Wenn ich fünf mal am Tag ,tee ätsch`sage, dann klebt mir die Zunge fest“, lästert der Liedermacher über die Ausbreitung der Anglizismen. Wie zum Beweis denglisht er anschließend minutenlang kabarettreif durch seine nächste Ansage für ein Lied, dessen simple Botschaft lautet: „Gebt mir Geld“. Die Eilenburger verstehen diese Parodie auf den schnöden Mammon und singen dankbar mit. Wen wunderts: „In Eilenburg, dieser Karnevalshochburg, darf man das“, meint Wenzel mit einem vielsagenden Lächeln. Und verwöhnt sein treues Publikum zum Dank dann doch noch mit Klassikern seines Schaffens wie „Kamille und Mohn“.

Am Ende der 17. Wenzel-Audienz in der Eilenburger Baderscheune steht die wunderbar-süffige Feststellung: „Ohne Wein wäre dieses Leben tragisch“. Und die Magdeburger müssen ertragen, dass nur sie deutschlandweit den Satz sagen können: „Das ist der, die das Kind gemacht hat...“ Wer will Wenzel für diesen Spott böse sein, wenn er in der Zugabe anstimmt: „Wünsche ich eine, wünsche ich eine gute Nacht.“ In Eilenburg jedenfalls wünschen sich seine Fans ein schnelles Erwachen im Januar 2017.

Von Olaf Majer

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