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Eilenburg Harmloswild startet Aktionswoche
Region Eilenburg Harmloswild startet Aktionswoche
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20:55 21.06.2010
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. Mit ihrem Stück „Zwei Jahre Ferien" gaben die 14- bis 16-Jährigen der Gruppe harmloswild von der Delitzscher Theaterwerkstatt Baff einen unterhaltsamen Auftakt. Die Situation der Jugendarbeit im Landkreis aber gibt wenig Anlass zur Freude.

Diese Aktionen laufen im Rahmen der Fokuswoche des Europäischen Protestjahres gegen Armut und Soziale Ausgrenzung. Ausgerechnet jetzt steht die Umsetzung der Sparmaßnahmen der Landesregierung, die Kürzung der Jugendpauschale, bevor. „Proteste von 10 000 Menschen wurden einfach ignoriert, einen Tag später weitere Sparmaßnahmen für 2011 und 2012 angekündigt", hält Kathrin Enders, Geschäftsführerin des Kreisverbandes der Arbeiterwohlfahrt, in der Eröffnungsrede nicht mit aktuellen Problemen hinter dem Berg. „Unsere Mitarbeiter sind also nur noch 30 statt 38 Stunden angestellt. Für Eilenburg heißt das zum Beispiel, dass die Fachkraft in der Jugendberatungsstelle einen Tag weniger arbeitet", erklärte sie der Kreiszeitung. Ohne Unterstützung des Landkreises, der eine Übergangsfrist bis Ende des Monats ermöglichte, wäre der Verband noch dazu arbeitsrechtlich in die Bredouille geraten, weil die Kürzungen rückwirkend gelten. „Das Vertrauen ist weg. Welchen Versprechungen soll man da noch glauben?", fragte Enders.

Armut drücke sich hierzulande eher nicht in einem Mangel an Essen oder Kleidung aus, erinnerte Jutta Pfennig als Vertreterin des Landkreises, der die Proteste gegen die Kürzungen unterstützt hatte. Sie werde von Jugendlichen eher als der Mangel an Teilhabe wahrgenommen. Eine Studie zeige, dass sich Kinder aus sozial schwachen Familien bereits im Alter zwischen acht und elf Jahren als lebenslange Verlierer wahrnehmen. Doch die Aktionswoche sei vielseitig. Im Programm stehen gemeinsames Fußball-WM-Gucken ebenso wie die Erkundung der Werte des Lebens, der Umgang mit Konfliktsituationen oder eine Stadtrallye.

Eine Facette zeigte die Gruppe harmloswild vom Delitzscher Theater Baff mit dem Stück „Zwei Jahre Ferien nach Jules Verne", das kräftig in die Neuzeit übersetzt wurde. Da rumpelten Mülltonnen als Reisegepäck für eine erlebnispädagogische Schiffsreise. Die Gründe, aus denen die Passagiere zum Mitfahren verdonnert wurden, tönten aus dem Off: „Du bist zu durchschnittlich, zu arrogant oder zu schlau – was sicher nur daran liegen kann, dass die anderen zu dumm sind."

Kurz nach der Vorstellung in der Gruppe, war dieselbe schon auf einer Insel gestrandet. „Toll hier", so der erste Eindruck. Mal weg von allem. Doch der Magen knurrte bald. Ein Anführer, der alles in die Hand nimmt, musste gewählt werden. Vorstellungsgespräch, Präsentation, jeder wollte es sein, doch die selektierte Kandidatin hörte schließlich die Klage: „Versorge uns! Mach was!". Zum Glück fand sich im Stück schnell die Lösung des Konflikts: Die Mülltonnen schwammen. Auf ihnen ließ es sich gen Festland paddeln.

Michael Masermann, der zurzeit am Berufschulzentrum die Ausbildung zum Sozialassistenten absolviert, beleuchtete das Konfliktfeld, in dem sich Jugend heutzutage bewegt: Werbebotschaften auf der einen Seite, die vermitteln, dass ein positives Lebensgefühl leicht mit Konsum zu erreichen ist, auf der anderen Seite die Leistungsorientierung der Gesellschaft. Warum Kraft in eine unsichere Zukunft investieren, wenn sich auch so Spaß haben lässt? Immerhin werde jeder irgendwann mal erwachsen. Er selbst habe früher auch lieber mit Freunden rumgehangen. Nun will er Erzieher werden. Mit reduzierten Bildungsangeboten, schwindender Kulturlandschaft aber bringe sich die Gesellschaft um ihre Perspektiven.

Heike Liesaus

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