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Heinzelberge – hier würden auch die Eilenburger gern einziehen

Schlüsselübergabe Heinzelberge – hier würden auch die Eilenburger gern einziehen

Jede Menge Gäste hatte die Heinzelberge auf dem Burgberg zur Eröffnung und Schlüsselübergabe an Wirtin Sabine Heilmann. Sie wollten sehen, was aus dem einstigen Gefängnis geworden ist. Nun zieht Leben hinter die Fassade des Hauses, das jeder im Blick hat, der von der Stadt aus gen Westen schaut.

Pächterin Sabine Heilmann erhält den symbolischen Schlüssel für die Heinzelberge, der Burgverein einen kleineren fürs Vereinsdomizil.

Quelle: Wolfgang Sens

Eilenburg. Feuerprobe für die Heinzelberge: Für die vielen Besucher, die zur Schlüsselübergabe und zum Tag der offenen Tür kamen, reichten die Parkplätze auf dem Burgareal nicht. Doch an die Hundert Gäste wird die Pension mit der Adresse Schloßberg 7 nicht so schnell wieder haben. Schließlich sind elf Betten in sechs Zimmern etwas, was die gestandene Gastronomin Sabine Heilmann gemeinsam mit ihrem Lebenspartner Helmut Fahrner nebenberuflich mit Lust an der Freude betreibt. „Das ist mein Hobby“, betonte sie.

Die Heinzelberge ist etwas Besonderes: Sie bestimmt die Silhouette des Burgbergs, ist jedem, der von der Stadtmitte gen Westen blickt, vor Augen. Doch wie sieht’s im Inneren aus? Das wollten die vielen Besucher wissen. Sie nahmen Gästezimmer und Frühstücksraum in Augenschein. An das ehemalige Gefängnis jedenfalls erinnert schon lange nichts mehr. Es wurde auch nicht versucht, Historie einzubauen, die es an dieser Stelle so nicht gab. Wertige Schlichtheit ist angesagt, weiße Wände, dunkle Balken, moderne Naturholzmöbel, schilfgrüne Fliesen in den Bädern und die umwerfende Aussicht aus den Fenstern über die Stadt bestimmen das Ambiente.

„Wunderschön und geschmackvoll“, so urteilten Elfriede Kreißig und Ursula Lutzmann, zwei der Interessenten, das Ganze. „Für eine Nacht will ich hier auch mal einziehen. Das will ich erleben. So als Gag.“ Das hat sich Elfriede Kreißig vorgenommen. Dabei wohnt die 76-Jährige gleich in der Nähe, im Sorbenweg, im selben Haus wie ihre neun Jahre ältere Freundin. Die Seniorinnen klärten mit dem Co-Pensionswirt Helmut Fahner gleich die Preisfrage: „60 Euro fürs Doppelzimmer, 45 fürs Einzelzimmer. 6 Euro Frühstück“, so die Auskunft.

„Ich habe als Kind hier meinen Vater wirklich noch im Gefängnis gesehen“, erzählte Ursula Lutzmann. „Ein Jahr war er hier, weil er Kommunist war. Später wurde er verlegt. 80 Jahre ist das her.“ Sie wohnte immer in der Nähe, hatte so auch erlebt, wie das Haus später zu Wohnzwecken genutzt wurde. Es stand einige Jahre leer, als die Stadt 2008/09 erst einmal Gebäude-Sicherung und die Erneuerung von Dach und Fassade finanzieren konnte.

Oberbürgermeister Ralf Scheler (parteilos) erinnerte daran, dass insgesamt 2,9 Millionen Euro, darunter Landes- und Bundesmittel, investiert wurden. Mit der Heinzelberge seien Burgareal mit Torbogen, Mauer- uns Sorbenturm perfekt. „Nahezu“, betonte er. Denn auf dem Vorplatz harrten noch Pflasterstein-Berge auf den Einbau. Die Gestaltung des Umfeldes soll Mitte des Monats vollendet sein.

Der Designer Michael Stapf konnte auf dem Smartphone Bilder des „Lauschberges“ zeigen. Die Kunstinstallation, die er in seiner Chemnitzer Werkstatt aus Gussteilen zusammensetzt, ist jetzt ebenfalls fast vollendet, sie könnte in zwei Wochen geliefert werden. Während die bereits stehende Stahl-Pergola die Umrisse des einstigen Schlosses nachvollzieht, soll die Metallhalbkugel mit Hör-Trichtern dort Platz finden, wo einst der Brunnen stand. Auch die Umrisse der Grundmauern des Bergfried-Turms, der in den 1970er Jahren zum Teil einstürzte und gesprengt wurde, sollen an der Oberflächengestaltung sichtbar werden.

Die Heinzelberge indessen hat sogar schon den Übernachtungstest bestanden, erzählte Sabine Heilmann: Fünf Nürnberger, einer davon aus Eilenburg stammend, hatten sich eingemietet. „Sie waren begeistert“, freute sich die Wirtin. Nicht allein sie hatte den symbolischen Schlüssel überreicht bekommen. Ein kleineres Exemplar ging an den Burgverein, der in einen Raum im Erdgeschoss sein Domizil bezieht.

Von Heike Liesaus

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