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Eilenburg Herd vergessen? Frau wegen fahrlässiger Brandstiftung vor Amtsgericht Eilenburg
Region Eilenburg Herd vergessen? Frau wegen fahrlässiger Brandstiftung vor Amtsgericht Eilenburg
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21:00 17.08.2017
Das Eilenburger Amtsgericht. Quelle: Wolfgang Sens LVZ
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Eilenburg

An diesen Tag im Oktober 2016 hat Claudia Edith P. (Name geändert) schlimme Erinnerungen. Sie musste die Feuerwehr rufen, weil es in ihrer Küche in einer Mietwohnung lichterloh brannte. Es entstand ein Sachschaden von etwa 23 000 Euro. Die Staatsanwaltschaft klagte sie wegen fahrlässiger Brandstiftung an, das Eilenburger Amtsgericht reagierte mit einem Strafbefehl. Gegen den ging die Beschuldigte allerdings mit ihrem Rechtsanwalt vor. Eine Hauptverhandlung wurde notwendig.

Für die 45-Jährige schien der Auftritt vor dem Eilenburger Gericht eine Tortur darzustellen. Sie war sehr nervös. Schließlich wurde ihr von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, an jenem Abend den eingeschalteten Herd unbeaufsichtigt gelassen und damit den Brand ausgelöst zu haben.

Das gesprochene Wort zählt

Das bestreitet die Beschuldigte jedoch. Was tatsächlich passierte, versuchte die Eilenburger Amtsrichterin herauszubekommen.

Die Angeklagte hatte zuvor schriftlich dem Gericht ihre Position dargelegt, doch in der Hauptversammlung zählt nur das gesprochene Wort. Darauf verwies die Richterin. So verlas Verteidiger Rechtsanwalt Stefan Laurenz das Schreiben und die Angeklagte stimmte zu. Demnach war sie gerade, so gegen 20.30 Uhr, von der Arbeit zurückgekehrt, hatte sich mit ihrem Mann kurz besprochen, bevor der zur Nachtschicht fuhr. Im Obergeschoss hielten sich die drei Kinder auf, mit dem jüngsten Jungen musste sie erstmal Tacheles reden, weil der eine schlechte Schulnote mitgebracht hatte.

Geruch verbrannter Plaste

Als sie gegen 20.40 Uhr aus dem Zimmer wieder in den Flur trat, roch sie Brandgeruch, insbesondere den von verkohlter Plaste. Im Flur war der Strom ausgefallen. Nicht das erste Mal. Die Sicherung war durchgebrannt. Die Zeit, eine neue einzudrehen, nahm sie sich nicht, stattdessen ging sie dem Geruch nach und fand die Ursache in der Küche. Sie brannte. Die Angeklagte und gleichzeitig auch Geschädigte rief die Feuerwehr, die 20.55 Uhr eintraf und löschte. Die hatte übrigens festgestellt, dass alle Schalter des Herdes auf „Aus“ standen. Der auf einer Kochplatte stehende Topf wäre nur äußerlich warm gewesen. Die Suppe innen sei nicht verbrannt.

Kabelbrand in Verteilerdose

Dann führte der Rechtsanwalt weitere Details an, die seiner Auffassung nach die Annahme stärkten, dass es sich um einen technischen Defekt gehandelt haben muss, der den Brand auslöste. Seit 2004 wohnte Claudia Edith P. in dem Mehrfamilienhaus in der Nähe von Eilenburg. Der damalige Vermieter hatte schriftlich zugesagt, die damals schon maroden elektrischen Leitungen bis zum Einzug der Familie zu sanieren. Passiert sei dergleichen jedoch nicht. Ende 2014 habe es bereits einen Kabelbrand in einer Verteilerdose in der Wand gegeben. Zum Glück mit geringen Folgen. Immer wieder habe die Familie den Vermieter auf das Problem hingewiesen, bekräftigte der Rechtsanwalt und bezog sich auf den geführten Schriftverkehr.

Hat der Mann gekocht?

Staatsanwältin Birgit Kraft hatte natürlich noch Fragen zum Geschehen an jenem Abend. Zum Beispiel, wer den Herd angeschlossen hat. Ein Nachbar wäre es gewesen, der aber Elektriker sei. Auch wollte sie wissen, ob der Ehemann nicht vor ihr in der Küche gewesen sei, um den Kindern etwas zu kochen. „Mein Mann kontrolliert lieber zehnmal alles, bevor er das Haus verlässt“, sagte die Angeklagte. Für Richterin Grell war die Beweisaufnahme wenig ergiebig, so dass sie die Verhandlung unterbrach und einen neuen Termin ansetzte. Dann will sie den Brandursachenermittler der Polizei hören, aber auch den Nachbarn, der den Herd angeschlossen hat. Der Vollständigkeit halber sollen auch der Ehemann und einer der Söhne der Angeklagten befragt werden.

Von Ditmar Wohlgemuth

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