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Eilenburg Hühnerklappen als Doberschützer Exportschlager
Region Eilenburg Hühnerklappen als Doberschützer Exportschlager
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08:00 13.03.2016
Junior-Chef Tino Werner zeigt an einem Messestand, wie die Hühnerklappe samt Selbstverriegelung funktioniert. Das Produkt wurde in Doberschütz selbst entwickelt und wird weltweit exportiert. Quelle: Wolfgang Sens LVZ
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Doberschütz

Angefangen hat die Erfolgsstory aber nicht mit Hühnern, sondern mit privaten Graupapageien. Firmenchefin Ilka Jost erzählt: „Wir hatten für diese 2012 eine Voliere gebaut, wollten aber nicht immer früh aufstehen. Deshalb suchten wir nach einer Klappe, die früh und abends automatisch funktioniert.“ Doch auf dem Markt fand sich einfach nichts Passendes. Daher setzte sich ihr Mann, welcher Elektromeister ist, selbst daran und entwickelte die erste Klappe. „Die funktioniert immer noch“, berichtet Ilka Jost. Aus dem Hobby wurde eine Firma. „Anfangs“, so ergänzt Sohn und Junior-Chef Tino Werner, „sollte das Ganze nach erfolgreichen Tests in der Verwandtschaft und bei anderen Geflügelzüchtern im Online-Shop nur mal ausprobiert werden.“ Offensichtlich stießen die Doberschützer aber mit der Hühnerklappe nicht nur immer mehr Ställe auf, sondern vor allem in eine Marktlücke. Und um den entsprechenden Bedarf zu erfüllen, wurden nach und nach „und auch dank guter Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur“, entsprechende Fachkräfte gefunden und eingestellt. Eine im inzwischen siebenköpfigen Team ist Marion Rödel. Die gelernte Rundfunk- und Fernsehtechnikerin bestückt seit neun Monaten die Leiterplatten im Doberschützer Layout. „Pro Platine brauche ich etwa eine knappe halbe Stunde. Am Schluss“, so Marion Rödel „nehme ich dann am Computer noch für jede Hühnerklappe die Grundeinstellung vor.“ Denn jeder Kunde entscheidet selbst, ob sie immer zu einer bestimmten Zeit, immer wenn es hell beziehungsweise dunkel wird oder nur dann öffnet und schließt, wenn Zeitpunkt und Lichtverhältnisse gleichermaßen stimmen.

Lieferadressen in der ganzen Welt

Hühnerklappe ist auch sonst nicht gleich Hühnerklappe. Der Kunde hat die Qual der Wahl, ob er sie mit oder ohne Funkfernbedienung, mit oder ohne Schaltuhr möchte. Wird die Klappe, die selbst aus zwei Millimeter starkem Aluminium besteht, im Inneren des Gebäudes eingebaut, muss ein externer Außenlichtsensor montiert werden.

In der Hochsaison, die bereits begonnen hat und bis Juni/ Juli dauert, werden von der ausgebauten ehemaligen Dachbodenscheune 300 bis 400 Stück pro Monat per Postversand in alle Welt geschickt. Die meisten der etwa zwei Kilogramm schweren Pakete gehen nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz. Doch regelmäßig wird auch nach England, Schweden, Polen, Belgien, Luxemburg und nach Spanien geliefert. Selbst Adressen in Australien und die USA standen schon auf dem Lieferschein. Gut, dass es die Bedienungsanleitung für die Doberschützer Hühnerklappe, die je nach Ausstattung ab 110 Euro kostet, daher in sieben Sprachen gibt.

„Unser absolutes Alleinstellungsmerkmal ist die Selbstverriegelung“, erklärt Tino Werner. „Wenn die Klappe runter fährt, legt sich automatisch ein Hebel rum, der die Klappe verriegelt. Waschbär und Fuchs gucken in die Röhre. Denn der Doberschützer Klappe zeigen sich damit auch die geschickten Räuber, die diese sonst auch einfach mal nach oben schieben, nicht gewachsen.

Es wird weiter getüftelt

Und es wird weiter getüftelt. Selbst wenn in einem solchen Kleinbetrieb jeder irgendwie alles macht, verbringen zwei Männer einen Großteil ihrer Arbeitszeit mit dem Entwickeln neuer Produkte. Eins davon ist die Sprühnebelkühlung. Sie soll in Ställen, aber auch auf Terrassen, Biergärten, Werkstätten usw. zur Anwendung kommen, wo es im Sommer schon mal zu warm werden kann. „Hier wollen wir mit Hilfe von Verdunstungskühle hohe Temperaturen erträglich machen“, so Tino Werner. Die Suche nach dafür benötigten Pumpen und Nebeldüsen mit hauchdünnen Bohrungen laufe gerade, die Elektroniksteuerung wird in Doberschütz entwickelt. Das Produkt, welches dann vor Ort komplettiert wird, könnte dann vor allem in den Monaten gefragt sein, wenn die Nachfrage nach Hühnerklappen abklingt.

Doch noch ist das Zukunftsmusik. Andere Produkte sind in der ehemaligen Scheune des Dreiseitenhofes bereits greifbarer. Entwickler Patrick Dreger, seit 2015 dabei, zeigt auf einen Testboard und erklärt: „Das wird ein elektronischer Futterautomat, der im Sommer auf dem Markt kommen soll.“ Der Eilenburger Harald Stahr, der bereits 2013 zum Team stieß, arbeitet dagegen gerade an einer speziellen Lichtsteuerung für Geflügelställe. „Die Elektronik funktioniert, die Software ist fertig, jetzt muss nur noch das Zusammenspiel klappen.“ Den Osterhasen würde es freuen, denn was so technisch klingt, bringt vor allem mehr Eier in den Korb. Denn nachgewiesen ist, dass Hühner bei 14 Stunden Tageslicht am meisten legen. „Im Sommer kein Problem, doch von Herbst bis Frühjahr lässt sich mit dem neuen Produkt ein längerer Tag durch dimmbare LED-Lampen simulieren, inklusive Sonnenauf- und -untergang.“

Doch auch Kunden haben offensichtlich viele Ideen. „Ich weiß beispielsweise“, so Harald Stahr, „dass eine unserer Klappen jetzt eine kleine Katze vor dem Kater schützt.“ Bei einer anderen Anfrage mussten die Doberschützer aber passen. Denn auch wenn sie größere Klappen für Gänse durchaus bauen, eine Pferdekoppel öffnen, wie es ein Kunde anfragte, das geht mit den Doberschützer Hühnerklappen dann doch nicht. Auch wenn sie sonst so ziemlich alles können …

Von Ilka Fischer

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