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Im Eilenburger Tierpark grunzt Hofschwein Willi

Tierparkgeschichte Im Eilenburger Tierpark grunzt Hofschwein Willi

Den Wirtschaftshof des Eilenburger Tierparks unbefugt betreten, das kann sehr ungemütlich werden. Denn hier hat Hängebauchschwein Willi sein Revier. Der Eber, der regelmäßig auf Inspektionsrundgang durch den Tierpark geht, sorgt im Minizoo der Muldestadt auch für Ordnung, allerdings auf seine Weise.

Freund oder Feind? Willi ist auf jeden Fall der Platzhirsch im Eilenburger Tierpark.

Quelle: Wolfgang Sens

Eilenburg. Im Eilenburger Tierpark grunzt der Hofhund. Kein Wunder, denn in dem Minizoo ist der Hofhund ein Hängebauchschwein. Der Eber, der 2011 im Kindesalter als Notfall eigentlich nur vorübergehend Unterkunft im Tierpark finden sollte, fühlt sich fünf Jahre später auf dem Wirtschaftshof noch immer sauwohl. Und führt als Willi III. zugleich eine ganz spezielle Tierparktradition fort.

Bei Kindergeburtstags-Führungen gibt es mit dem Suchen des Hofhundes immer eine knifflige Aufgabe. Denn die Mädchen und Jungen ahnen nicht, dass der Hofhund im Eilenburger Tierpark nicht bellt, sondern grunzt. „Willi III. mag Kinder. Frauen mag er auch“, erklärt Tierpflegerin Silva Förster. „Aber Männer zwickt der rund 65 Kilogramm schwere Eber schon mal gern in die Hosenbeine.“ Also lieber nicht den Wirtschaftshof unbefugt betreten ...

Eine Anfrage mit Folgen

Seit 2011 verteidigt hier Willi III. sein Revier. Er war zuvor im zarten Alter von einem Jahr auf dem Gnadenhof in Püchau bei Wurzen gestrandet. „Von dort kam 2011 die Anfrage, ob wir ihn nicht vorübergehend unterbringen können“, erinnert sich Tierparkleiter Stefan Teuber. Doch im Gehege der Hängebauchschweine gab es neben vier Sauen schon einen Eber.

Seit 2011 verteidigt Willi III

Seit 2011 verteidigt Willi III. sein Revier im Eilenburger Tierpark.

Quelle: Wolfgang Sens

So blieb für das Waisenkind nur das Einzelbett im Hof. Hier haben sich vor ihm übrigens auch schon Willi I. und Willi II. ins Stroh gekuschelt und sich mit mancher Extraportion Futter und Streicheleinheiten verwöhnen lassen. Und so war 2011 schnell klar: Der Neuzugang erbt nicht nur das Domizil, sondern auch den Namen.

Dem III. zwickt die Neugier

Doch während sich die ersten beiden Willis mit Freigang im Hof begnügten, reicht das dem Dritten in der Schweinebande nicht. Das Gelände hinter dem Schiebetor zwischen Hof und Tierpark verspricht einfach zu viel Abwechslung. Er muss offensichtlich unbedingt wissen, was hinter dieser Tür passiert, durch die die Wesen auf zwei Beinen regelmäßig aus seinem Blick verschwinden. „Eines Tages hat er das Schiebetor jedenfalls tatsächlich aufbekommen und ist in den Tierpark spaziert“, erzählt Tierparkleiter Stefan Teuber. Erst hätten sie das ja verhindern wollen. „Doch dann haben wir festgestellt, Willi III. dreht seine Runden, verschafft sich Respekt bei den Pfauen, jagt die Kaninchen in ihre Bauten, grunzt auch mal Pony und Ziege an oder begleitet die Zweibeiner bei ihrem Rundgang.“ Doch nur, wenn er will.

Dreijährige schauen nach, ob die Knöpfe die Augen sind

Willi III. so zu erleben, dazu gehört auch Glück. Dieses hatten vor Kurzem die dreijährigen Grashüpfer aus der gleichnamigen Kindertagesstätte in Klitschmar, selbst wenn Willi III. bei großer Sommerhitze da nur eine kleine Runde drehte. Und obwohl die Kinder über den ausgewachsenen Eber mit einer Schulterhöhe von einem halben Meter kaum drüber blicken können, zeigen die Knirpse vom Lande wenig Berührungsängste.

Tierpflegerin Silvia Förster weiß, was Willi schmeckt

Tierpflegerin Silvia Förster weiß, was Willi schmeckt: Nüsse.

Quelle: Wolfgang Sens

Sie wundern sich über den Bauch, der fast auf der Erde schleift, schauen genau nach, ob da unten die kleinen Knöpfe wirklich die zwei Augen sind und fragen sich, ob wohl die kleinen Spitzen die Ohren sein sollen. Hannah, die zu Hause auf einem großen Bauernhof lebt, stellt zudem beim Streicheln fest: „Der stachelt ja.“ Und während sich Willi an diesem Tag doch recht schnell wieder auf den Weg zu seiner Kuschelecke macht, erzählt Erzieherin Silvana Fehrmann noch, dass alle Grashüpfer-Kinder einmal pro Jahr aus Klitschmar in den Tierpark kommen. Willi sei natürlich ein besonderes Erlebnis, doch lohne sich die Fahrt auch sonst und sei mit dem Zug kein Problem für die Kindereinrichtung.

Willi sorgt für Ordnung

Willi III. interessiert das nicht, er passiert derweil das Hoftor. Das Sandbett draußen lässt er dieses Mal links liegen. Er zieht sein Strohbett drinnen vor. Das sieht ziemlich aufgeräumt aus, obwohl es Willi durchaus liebt, sein Heim hübsch auszustatten.

Erschöpft

Erschöpft: In seinem Stall ratzt Willi zufrieden von Zeit zu Zeit.

Quelle: Wolfgang Sens

Was wiederum durchaus auf dem Wirtschaftshof für Ordnung sorgt. Tierparkmitarbeiter lassen jedenfalls schon lange keine Decken, Kartons oder auch Schuhe einfach liegen. Willi kann alles gebrauchen, was nicht niet- und nagelfest ist, verachtet auch alte Papiertüten und volle Zementsäcke nicht, denn so ein Schwein ist eben nicht nur ein Allesfresser, sondern eben auch ein Allesverwerter.

Der Kindergeburtstagstrick

Wird doch mal was „abtransportiert“, nimmt ihm das aber keiner übel. Denn er ist bei Personal wie bei den Kinder-Geburtstagsrunden der Hit. Der grunzende Hofhund wird bei Letzteren übrigens immer gefunden. Tierpflegerin Silva Förster verrät den Trick: „Wenn er unterwegs ist, mache ich einfach den Futterhäcksler an. Für ihn ist das Musik, dann kommt er sofort angerannt.“ Schließlich weiß Willi längst, dass auf ihn Walnüsse, Kirschen oder auch Tomaten als Belohnung für seinen Spurt nach Hause warten. Obwohl sein Zuhause ja inzwischen der ganze Tierpark ist. Den Gnadenhof hat Willi inzwischen jedenfalls längst vergessen. Vorübergehende Unterbringung kann schließlich auch ein ganzes Schweineleben sein.

Von Ilka Fischer

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