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Immer mehr nordsächsische Familien haben Anspruch auf Wohngeld

Reform Immer mehr nordsächsische Familien haben Anspruch auf Wohngeld

Immer mehr Nordsachsen erhalten Wohngeld. Möglich macht das eine Reform, die zum 1. Januar in Kraft trat. Besonders werden einkommensschwache Haushalte oberhalb der Grundsicherung entlastet.

Ein Wohngeldantrag auf dem Bildschirm eines Laptops und ein Taschenrechner.

Quelle: dpa

Nordsachsen. Im Landkreis Nordsachsen ist die Zahl der Haushalte mit Wohngeldbezug seit dem 1. Januar um etwa 22 Prozent angestiegen. Das teilte das Landratsamt mit. Hintergrund ist das Inkrafttreten der Wohngeldreform. „Diese Zahl soll nach den Prognosen des Bundes mit etwa 65 Prozent noch wesentlich höher ausfallen“, sagt Christine Gesch, Sachgebietsleiterin beim Landratsamt. Das neue Wohngeldgesetz habe „deutliche Verbesserungen“ mit sich gebracht. So gibt es eine Anhebung des Leistungsniveaus im Wohngeld sowie eine Anpassung an die Entwicklung der Mieten und Einkommen. Zudem werden einkommensschwache Haushalte oberhalb der Grundsicherung entlastet.

„Die Tabellenwerte wurden aufgrund der Entwicklung der Wohnkosten und der Verbraucherpreise angepasst“, umreißt Christine Gesch die Verbesserungen. „Es gibt keine Heizkostenkomponente, aber nun werden die Bruttowarmmieten berücksichtigt und die Miethöchstbeträge gestaffelt angehoben.“

Konkret heißt das, dass die Miethöchstbeträge in der Mietenstufe I um sieben Prozent in den Gemeinden des Landkreises, in der Mietenstufe II um 13 Prozent in Delitzsch, Torgau, Oschatz, Eilenburg und Schkeuditz sowie in der Mietenstufe III um 18 Prozent in Taucha angehoben wurden. Weiter wurden die Freibetragsregelungen wie für Alleinerziehende oder Schwerbehinderung vereinfacht und die Pauschale für Instandhaltungs- und Betriebskosten angehoben.

„Eine Wohngeldgeldbewilligung bringt insbesondere für Familien mit Kindern zusätzliche Vorteile mit sich“, so Christine Gesch weiter. Denn der Wohngeldbezug berechtigt gleichzeitig zur Beantragung der sogenannten Bildungs- und Teilhabeleistungen. Damit können beispielsweise die Mittagsverpflegung in Kita und Hort, Schulausflüge, Klassenfahrten, Schulmaterialen und nötige Nachhilfen, aber auch Mitgliedsbeiträge in Vereinen bezuschusst werden.

Mit der Reform haben sich auch die Antragsbedingungen verbessert. Wer im letzten Jahr Wohngeld beantragte, es aber nicht bewilligt bekam, hat mit einer erneuten Beantragung in diesem Jahr deutlich bessere Chancen. Das wird stellvertretend mit einigen Beispielen aus der Region Oschatz belegt: Eine alleinerziehende, berufstätige Mutti mit einem Kind (6 Jahre) in Naundorf hat monatlich 1200 Euro brutto Lohn und 145 Euro Unterhalt zur Verfügung. Die Miete ohne Heizkosten/Warmwasser beträgt 335 Euro. „Ihr Wohngeldanspruch lag 2015 bei 107 Euro, in diesem Jahr sind es 59 Prozent mehr, also 171 Euro“, rechnet die Sachgebietsleiterin vor. Oder ein Vier-Personen-Haushalt in Oschatz, in der der Vater 1800 Euro Bruttolohn bekommt, die Mutter 165 Euro Lohn aus einem Minijob bezieht und die beiden Kinder als Schüler ohne Einkommen sind. Die Mietbelastung beträgt 570 Euro. Im letzten Jahr gab es dafür 146 Euro und in diesem Jahr 66 Prozent mehr, also 243 Euro. Ein Ein-Personen-Rentnerhaushalt mit 750 Euro Bruttorente und 350 Euro Miete bekommt 100 Prozent mehr Wohngeld (2015: 66 Euro; 2016: 132 Euro).

Weitere Informationen dazu gibt es in den Landratsämtern. Dort stehen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für Anfragen zur Verfügung. Sprechtage der Wohngeldstellen in Torgau (Schlossstraße 27), Delitzsch (Richard-Wagner-Straße 7 b) sowie Oschatz (Friedrich-Naumann-Promenade 9) sind dienstags von 8.30 bis 12 Uhr sowie 13 bis 19 Uhr, donnerstags von 8.30 bis 12 Uhr sowie 13 bis 16 Uhr und freitags von 8.30 bis 12 Uhr.

Von LVZ

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