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Eilenburg In Eilenburg dröhnen die Motorsägen
Region Eilenburg In Eilenburg dröhnen die Motorsägen
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00:32 25.02.2018
Die Rotdornbäume im Wohngebiet an der Lutherstraße müssen verschnitten werden. Christopher Müller von der Eilenburger Stadtwirtschaft führt das Sägewerkzeug. Quelle: Heike Liesaus
Eilenburg

Hubsteiger, die bis in die Baumkronen reichen, orange gekleidete Menschen mit Helm und Motorsäge, die morsche Äste einkürzen, große Haufen abgetrennter Äste, die sich an Wegesrändern türmen: Die Aktivitäten rund um Gehölze und Bäume laufen kurz vor Frühlingsbeginn auf Hochtouren, auch im Gebiet Eilenburgs und seiner Ortsteile.

Gute Auftragslage für Forstbetriebe

„Baumpflege und -fällungen haben zurzeit Priorität“, betont Volker Wagner, Geschäftsführer beim lokalen Abfall-Entsorger Remondis Eilenburg, zu dem auch das Tochterunternehmen Stadtwirtschaft Eilenburg gehört. Denn die alljährliche Frist, in der gefällt, gesägt und beschnitten werden darf, läuft bald ab. Am 28. Februar muss Schluss sein. Es naht die Brutzeit – und Vögel dürfen durch die Arbeiten an den Holzgewächsen möglichst nicht behindert oder gar gefährdet werden.

Betroffen sind aktuell der Stadtpark, die Lutherstraße und das PCW-Betriebsgelände. Abgeschlossen sind die Baumpflege-Einsätze in der Schreckerstraße, Kastanienallee, am Grünen Fink, der Torgauer Landstraße und auf dem Ostfriedhof. Der Begräbnisplatz in der Sprottaer Landstraße ist einer der Orte, wo Orkantief „Friederike“ Mitte Januar besonders heftig in der Muldestadt wütete. Schon deshalb haben die zwölf Mitarbeiter der Stadtwirtschaft in diesem Jahr mehr zu tun als Anfang 2017. Dass sie gleichwohl rasch vorankommen, zeigen die Hauptaufträge zur Beseitigung der Sturmschäden nach dem Unwetter. Die seien nämlich laut Wagner allesamt abgearbeitet.

Viel zu tun haben auch die Fachleute des Forstbetriebes Helmut Hättich aus Paschwitz. „Ich bin gerade ständig unterwegs“, teilt der gleichnamige Inhaber auf Nachfrage mit. Das Auftragsbuch des Unternehmens sei prall gefüllt. Seine Mitarbeiter waren zum Beispiel in den vergangene Wochen auch beim Freimachen des Baufeld für die Gestaltung des Außengeländes am Eilenburger Gymnasium zu sehen.

Das kleine Wäldchen hatte er vor 40 Jahren selbst gepflanzt: Baumfällungen in seiner Heimatstadt Eilenburg erschüttern Konrad Großmann. Quelle: Heike Liesaus

Doch das Gedröhn der Motorsägen löst immer wieder negative Gefühle aus. Immer wieder sorgen Baumfällungen bei Anliegern für Unmut. Und für Kronrad Großmann war es dieser Tage besonders heftig, die Resultate der spätwinterlichen Aktionen zu sehen: Ein ganzes Wäldchen liegt am Mansberg flach. „Das waren 60 Bäume, ein Biotop mit Eichhörnchen, Fledermäusen, Schlangen, Igeln, Kröten“, erzählt der 64-Jährige. Er wohnt auf Rügen, besucht seinen Vater und seine ehemalige Ehefrau hier. Nun soll nebenan auf dem Grundstück gebaut werden. Er hatte es einst in Nutzung. Schmerzlich: Die Bäume hatte er gepflanzt, als der älteste Sohn 1977 geboren wurde. Selbst am Boden ist den Weimutskiefern und Blaufichten anzusehen, wie mächtig sie herangewachsen waren. Konrad Großmann kann kaum fassen, wie rigoros Baufreiheit geschaffen wurde: „Muss das sein? Warum muss und darf das ohne Rücksicht auf Ökologie und Biologie platt gemacht werden?“ Viele Grundstückseigentümer haben nach Sturm „Friederike“ gerade vor hohen Nadelbäumen Angst. Diese sind nicht geschützt. Baumschutzsatzungen lassen den Grundstückseigentümern viele Freiheiten, solange keine Vögel brüten. Die Holzfäller hatten hier eine Woche lang gearbeitet. Statt Wald- herrscht nun Durchblick auf das Siedlungsgebiet dahinter.

Auch Gewässer werden gepflegt

Während Großmann seine Eindrücke verarbeitet, sind einige Hundert Meter entfernt Mitarbeiter der Stadtwirtschaft mit etwas filigraneren Arbeiten beschäftigt. Rotdornbäume müssen verschnitten werden. Ähnlich wie bei Kopfweiden brechen sie auseinander, wenn die Äste zu groß, zu lang und zu schwer werden. Und diese Exemplare haben schon sehr große Kronen gebildet. Einer der Bäume ist auch schon morsch während des Friedericke-Sturms umgebrochen, zeigt Maik Frey, Leiter der Gruppe.

Vogelbrutzeit beim Gehölzschnitt beachten

Wenn der Frühling naht, verfällt so mancher Hobbygärtner in hektische Betriebsamkeit. Zu beachten ist: Das Grünschnitt- und Fällverbot, das laut Paragraf 39 Bundesnaturschutzgesetz zwischen 1. März und 30. September bundesweit greift, gilt für Gehölze außerhalb des Waldes und gärtnerisch genutzter Flächen, sprich vor allem für Straßenbäume, Alleen und Bäume in der freien Landschaft. Gehölze in Haus- oder Kleingärten sind davon ausgenommen, dürfen demnach das gesamte Jahr über gefällt und beschnitten werden – es sei denn, es könnten Vögel darin nisten. Vor Arbeitsbeginn sollte deshalb eine sorgfältige Erkundigung des Gehölzes stehen und untersucht werden, ob im Geäst oder im Bodenbereich Nester vorhanden sind. Spuren von Vogelkot oder Eierschalen von brüteten Vögeln weisen ebenso darauf hin wie die ständige An- und Abflugtätigkeit der Vogeleltern. Die Eilenburger Baumschutzsatzung schützt ähnlich wie die in den anderen sächsischen Städten und Gemeinden Laubbäume sowie Eiben ab einer bestimmten Größe und alle Bäume in öffentlichen Anlagen. Ausgenommen sind zum Beispiel Nadelbäume.

Und nicht allein die Baumpflege ist derzeit bei der Stadtwirtschaft im Blick. Ein Bereich, in dem ebenfalls der letzte Februartag als Stichtermin für intensive Eingriffe in die Flora gilt, ist die Gewässerunterhaltung. „Es geht darum, bei Gewässern zweiter Ordnung an stark zugewachsenen Abschnitten die Sohle von Gräben zu entkrauten und die Böschung wechselseitig zu mähen“, erläutert Volker Wagner die zu leistenden Aufgaben. Schilf werde alle 25 Meter auf einer Seite stehen gelassen, teilweise werde wieder aufgeforstet, um so eine Beschattung des Gewässers zu erreichen. Bereits erfolgt ist das zum Beispiel am Zschettgauer und Kospaer Graben sowie dem Graben nordwestlich der Papierfabrik. An der Rietschke sind die Unterhaltungsarbeiten hingegen in Richtung Hainichen noch in vollem Gange.

Von Matthias Klöppel und Heike Liesaus

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