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In Eilenburg und Düben gibt es noch ausreichend sozialen Wohnraum

Günstige Mieten In Eilenburg und Düben gibt es noch ausreichend sozialen Wohnraum

In Eilenburg und Bad Düben scheinen steigende Mieten noch kein Thema zu sein. Hier trägt der Leerstand dazu bei, mit Mietern und Genossenschaftsmitgliedern Kompromisse auszuhandeln.

Balkonanbauten im Heidering 14 bis 21 in Bad Düben, mit denen die Wohnungsgenossenschaft ihren Bestand aufwertet (Symbolfoto).

Quelle: Wolfgang Sens

Eilenburg/Bad Düben. In sächsischen Großstädten, vor allem Leipzig und Dresden, steigen die Mieten spürbar. Sozialwohnungen für Haushalte mit niedrigem Einkommen und für Bezieher sozialer Leistungen würden dagegen knapp. Eine Entwicklung, die die sächsischen Grünen jetzt anmahnten und ein Landesprogramm forderten, um gegenzusteuern. In Kleinstädten wie Eilenburg und Bad Düben scheint das momentan aber noch kein Thema zu sein, wie bei Großvermietern zu hören war. Hier trägt der nach wie vor vorhandene Leerstand dazu bei, mit Mietern und Genossenschaftsmitgliedern, die mit dem Einkommen rechnen müssen, auch Kompromisse auszuhandeln.

Erst jüngst betonte Birgit Bendix-Bade, Geschäftsführerin der kommunalen Eilenburger Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft (EWV), dass im EWV-Bestand von knapp 2000 Domizilen „ausreichend Wohnraum für jeden Geldbeutel“ zur Verfügung stünde. „Und das in jedem unserer Stadtteile.“ Dennoch würde auch die EWV Förderprogramme für mehr bezahlbares Wohnen und weniger Bauauflagen, die Investitionen erschweren, begrüßen. Der größte Vermieter der Muldestadt könne zwar auch 2016 am durchschnittlichen Investitionsvolumen in Höhe von rund einer Million Euro festhalten, um Wohnungen modernen Standards anzupassen. „Aber wir halten auch einen ausreichenden Bestand an preiswertem Wohnraum vor, bei dem nur in begrenztem Umfang Sanierungen stattfinden und die nicht deutlich schlechter sind.“

Aus Eilenburg-Ost, speziell dem Quartier Windmühlenstraße, würde bislang nicht verstärkt wegen eines Wohnungswechsels nachgefragt, ergänzte Prokuristin Kerstin Hartfiel. Der Landkreis mietet vor allem in diesem Bereich momentan bekanntlich verstärkt Wohnungen für Asylbewerber bislang nicht nur bei der EWV, sondern auch bei privaten Anbietern an. Weshalb Mieter, die dort soziale Spannungen befürchten, aber selbst aufs Geld schauen müssen, in diesen Tagen zunehmend die Absicht äußerten, wegziehen zu wollen.

Wenn finanzielle Engpässe nachgewiesen werden, hätte die EWV bisher immer eine Lösung gefunden, wenn vielleicht auch nicht immer die Wunschlösung, wurde eingeräumt. Zwischen 4 und 6,50 Euro je Quadratmeter liegen hier zurzeit die Kaltmieten. Die aktuellen Asylbewerberzahlen für Eilenburg, die jetzt mit 250 beziffert werden, bedeuteten bei der EWV zurzeit keine Verknappung des preiswerten Wohnraumes. „Was die Zukunft bringt, müssen wir sehen“, so Hartfiel.

Die Wohnungsbaugesellschaft mbH (WBG) Bad Düben kann in der Kurstadt die Nachfrage nach preisgünstigen Wohnungen, „die nach den Vorgaben des Jobcenters gestaltet sind, in noch ausreichendem Maße erfüllen, vor allem in den großen Blöcken im Windmühlenweg, Am Schalm und in der Hüfnermark“, so Geschäftsführerin Bettina Czerwonatis. Das Vorhaben, Am Schalm 4, einen weiteren Block so herzurichten, dass er das Segment des sozialen Wohnungsbaus bedienen kann, wurde aber wegen der fehlenden hundertprozentigen Fördermöglichkeiten und des hohen Leerstandes (17 Wohnungen) wieder zu den Akten gelegt. Wie berichtet, wird der Block mit 40 Wohnungen bis Jahresende abgerissen. Insgesamt verfügt die WBG über 700 Wohnungen, der Leerstand liegt bei 18 Prozent. Die Mieten bewegen sich derzeit im Sektor zwischen etwas über 4 Euro und für komplett sanierten Wohnraum mit gehobenerem Standard bis zu 6,50 Euro pro Quadratmeter. Vorrangig im Geschosswohnungsbau sind auch die 160 Flüchtlinge untergekommen, die derzeit in der Kurstadt leben. Die meisten Mieten davon werden derzeit noch vom Landkreis finanziert. „Mit zwei Einzel-Mietern, deren Asylantrag bewillig wurde, haben wir bisher einen Mietvertrag abgeschlossen“, so Czerwonatis.

Der hohe Altersdurchschnitt der über 1350 Mitglieder, die zu großen Teilen aus der Gründergeneration stammen, macht der Wohnungsgenossenschaft Eilenburg eG (WGE) mehr Sorgen. Geschäftsführer Thomas Meinhardt will zwar verstärkt die junge Generation von den Vorteilen genossenschaftlichen Wohnens überzeugen und stellt sich hinter die Wohnstandortkampagne der Stadtverwaltung, mit der Nachwuchs aus der nahen Großstadt Leipzig sowie dem Umland für grünes und vergleichsweise günstiges Wohnen in der Muldestadt interessiert werden soll. Aber die Effekte sind noch unbekannt. Deshalb bietet die WGE Neumitgliedern, für die eine Durchschnittsmiete in Höhe von 4,60 Euro und dazu die Kosten der Mitgliedschaft eine Herausforderung sind, auch Ratenzahlungen an. Das würden inzwischen auch die ersten Migranten mit einem bewilligten Asylantrag, die damit Anspruch auf Hartz IV haben, nutzen.

Die Hartz-IV-Sätze für Kaltmiete, so Birgit Knötzsch vom Vorstand der Heideland-Wohnungsgenossenschaft in Bad Düben, seien dennoch ein Problem. Diese liegen knapp über vier Euro. Weshalb ein kleiner Betrieb mit 330 Wohnungen schon darüber nachdenken müsse, wie weit er sich in diesen Bereich einbringt. „Denn Genossenschaftsmitglieder erwarten einen gewissen Standard. Auch wenn wir nicht auf Luxusmodernisierungen aus sind.“

Von Karin Rieck und Kathrin Kabelitz

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