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Ingenieure von morgen tüfteln am Eilenburger Gymnasium

Schüler-Projekt Ingenieure von morgen tüfteln am Eilenburger Gymnasium

Das Eilenburger Gymnasium will seine Schüler für Ingenieurwesen und angewandte Naturwissenschaften begeistern. Das gelingt auch mit Hilfe der regionalen Wirtschaft, die ein neues Projekt tatkräftig unterstützt.

Ob Simulation eines technischen Vorgangs oder Konstruktion von Bauteilen: In der Mechatronik AG wird es ausprobiert, zeigt Richard Meyer den Besuchern.

Quelle: Heike Liesaus

Eilenburg. John Janetzki aus der sechsten Klasse des Eilenburger Gymnasiums hockt vor einer weißen Papierbahn, auf der eine Fahrspur aufgezeichnet ist. Ein schuhkartongroßes Mobil aus Lego-Elementen sucht seinen Weg auf dem schwarzen Streifen. Und drumherum stehen Landrat, Oberbürgermeister, Geschäftsführer regionaler Unternehmen, ein Professor der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK), der Direktor, Lehrer und Mitschüler.

Hier wird das Projekt „Young Engineers“ vorgestellt. Mit dem an der Schule die Begeisterung für Ingenieurwesen und angewandte Naturwissenschaften geweckt werden soll. „Der NXT ist ein Steuerungscomputer. Er hat verschiedene Anschlüsse für Sensoren: Tast- und Farbsensoren zum Beispiel. Außerdem Motoren, Schnittstellen für USB und Bluetooth. Programmiert werden kann er am Computer.“ Das hat der zwölfjährige John einige Minuten zuvor vor der großen Runde in der Aula des Martin-Rinckart-Gymnasiums erklärt. Auch die Vertreter der anderen Gruppen präsentieren ihre Kreationen: So der Kurs Elektronik, der für Fünf- bis Siebtklässler gedacht ist, wo Schaltkreise gelötet, die Funktionen von Elektromotoren erkundet und das selbst konstruierte Automodell demnächst mit Bluetooth gesteuert werden soll.

Um Mechatronik geht es für die Jahrgangsstufen sieben bis zwölf. Richard Meyer erzählt auch von Schwierigkeiten, sich mit den Mikro-Controllern auseinanderzusetzen. Er wollte schon mal fast aufgeben. „Aber es hat sich gelohnt durchzuhalten“, sagt er heute. Denn nun eröffnen sich ihm die vielen Anwendungsmöglichkeiten: Das zeigen im Labor diverse Roboterarme und Förderbandmodelle. Selbst Varianten von Programmen, die sonst in der Industrie zum Einsatz kommen, können die Schüler ausprobieren. So geht es um die Simulation technischer Prozesse. Wenn auch klein angefangen und statt Stahl erstmal nur ein Ei gekocht wird.

Dass die beiden Räume, in denen die Arbeitsgemeinschaften zusammenkommen, mit der Technik ausgestattet werden konnten, ist dem Engagement von Werner Ende, Geschäftsführer der Bad Dübener Profiroll, und Henry Görlitz von der Automatisierungsfirma AIS, ebenfalls aus der Kurstadt, zu verdanken. „Wie bekommt man Ingenieure in die Region?“, so umreißt Ende die Ausgangsfrage. Er wollte nicht meckern, sondern etwas tun. Und das heißt: Junge Leute für Technik begeistern, die schon in der Region sind.

Bei Dieter Mannel, Leiter des Gymnasiums, und seinen Mitstreiter traf er auf offene Ohren: „Gesellschaftliches Bedürfnis ist alles Mögliche, aber irgendwo wird vergessen, wo Wertschöpfung herkommt, letztlich aus mechanischen Tätigkeiten.“ Und die werden von Ingenieuren und Naturwissenschaftlern entwickelt. Bei der Unterstützung der Bad Dübener Firmen fürs Gymnasium geht es nicht allein um Bereitstellung von Hardware. Ende nahm auch Kontakt zu Professor Thomas Schmertosch von der HTWK auf. Der vermittelte zwei interessierte Studenten: Christiane Kownatzki und Sebastian Stein. Sie sind nun Profiroll-Werksstudenten und bringen ihr Wissen auch fürs Eilenburger Gymnasium ein. Schließlich haben die Lehrer nicht Automatisierungstechnik studiert.

Warum aber heißt das Ganze „Young Engineers“ und nicht „Junge Ingenieure“? „Eine Ingenieur spricht Englisch, auch deshalb fördern wir die bilinguale Ausbildung an unserer Schule“, wird auf der Web-Site des Gymnasiums erklärt. „Sehr wichtig“, so der Profiroll-Chef. Immerhin liefern auch die Bad Dübener Maschinen, Walzwerkzeuge samt passend entwickelter Produktionsverfahren in die ganze Welt.

Von Heike Liesaus

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