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Eilenburg Ist das Trinkwasser für Eilenburgs Verbraucher gefährlich?
Region Eilenburg Ist das Trinkwasser für Eilenburgs Verbraucher gefährlich?
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Nitrate ins Grundwasser? Wie gefährlich ist das? Und wer ist Verursacher? Das war am Dienstagabend Thema in der Eilenburger Tierpark-Gaststätte. Quelle: dpa
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Eilenburg

Auch Analysen, die Brunnenbesitzer im Raum Eilenburg privat beauftragten, wiesen einen deutlich überhöhten Gehalt an Nitrat nach. "Wir haben die Vermutung: Landwirtschaft zielt auf hohe Erträge ab, und speziell in Nordsachsen gibt es Betriebe mit industrieller Tierhaltung", so Wolfram Günther, der umweltpolitische Sprecher der Grünen im Landtag, zu den Ursachen. Da liege nahe, dass mehr nitratreiche Gülle aus den Ställen auf den Feldern ausgebracht wird, als fachlich angebracht. Sie wird nicht von den Pflanzen aufgenommen und sickert ins Grundwasser. Die Stoffe sind krebserregend und schädigen die Ökosysteme letztlich bis in die Ozeane.

Gesprächspartner waren Bernhard Wagner vom Wassergut Canitz, Andreas Jäger von den Kommunalen Wasserwerken Leipzig, Jan Fleckenstein vom Helmholtzzentrum für Umweltforschung und Daniel Jahn, Technischer Leiter beim Wasserversorgungsverband Eilenburg-Wurzen. Besucher waren vor allem Grünen-Mitglieder und an Umweltthemen interessierte Eilenburger.

Doch wer dachte, dass hier die "Nitrat-Schuld" flugs der konventionellen Landwirtschaft zugewiesen würde, sah sich getäuscht. Da wies zum Beispiel Andreas Jäger auf die spezielle Situation in Nordsachsen hin: In Regionen, in denen relativ wenig Regen fällt, wird aufgebrachte Gülle nicht so sehr verdünnt. "Trotz geringer Fracht gibt es hohe Konzentrationen im Sickerwasser." Klargestellt wurde: Für den Versorgungsverband Eilenburg-Wurzen sind Nitrate kein Problem. "Bei den Wasserversorgern, die ich kenne, gibt es kein Wasserwerk, das die Grenzwerte überschreitet", sagte Daniel Jahn, Technischer Leiter des Verbandes. Zudem werde nicht der gesamte Grundwasserkörper zur Trinkwassergewinnung genutzt. Die Böden um Rohwasserbrunnen sind mit mehreren Schutzzonen versehen. In der ersten herrscht Betretungsverbot, in der zweiten gibt es allein Grünlandnutzung, in der dritten darf nicht mit Gülle gedüngt werden. Nitrate seien letztendlich nur ein Thema von vielen, so Jan Fleckenstein vom Helmholtzzentrum: "Was die Gesundheitsgefährdung anbelangt, gibt es deutlich kritischere Stoffe, sie sind trotzdem ein Problem für die Umwelt."

Leuchtendes Beispiel ist das Wassergut in Canitz: Die Leipziger Stadtväter hatten die Ländereien im Einzugsgebiet ihres Wasserwerkes bereits im Jahr 1907 gekauft, um hygienische Verunreinigungen zu vermeiden. Anfang der 1990er Jahre wurde es auf Öko-Landwirtschaft umgestellt. Obwohl das Ziel in erster Linie war, das Grundwasser zu schützen, funktioniere der 750-Hektar-Betrieb auch wirtschaftlich. "Das hat eher Zukunft, nicht der kleinbäuerliche Öko-Hof, wo die Verwandtschaft hilft", stellte Leiter Bernhard Wagner fest. So wurden Kreisläufe, Konsumverhalten und wirtschaftliche Zwänge diskutiert: Probleme gebe es zum Beispiel überall dort, wo Tiere leben, die sich nicht aus der umgebenden Fläche ernähren können. Da war die Frage nach den Rindern, die mit aus Übersee importierem Soja gemästet werden. Sie bedeuten nicht allein mehr Fleisch, sondern auch Gülle, die Böden hier nicht mehr aufnehmen können. Und warum wird nach wie vor Überproduktion von Nahrungsmitteln gefördert, wenn eher von Überernährung zu sprechen ist?

Letztendlich sei das Thema zu komplex, um es in knappen Slogans darzustellen zu können, zog Wolfram Günther am Ende Bilanz. Da könnten wohl nur mehr Veranstaltungen mit Bildungs-Charakter helfen. Wie dieser Abend der Grünen in Eilenburg.

Heike Liesaus

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