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Jesewitzer vorm Landgericht Leipzig: Versicherung abgezockt?

Verhandlung Jesewitzer vorm Landgericht Leipzig: Versicherung abgezockt?

Ein Jesewitzer Ehepaar steht im Verdacht, die Versicherung abgezockt zu haben. Bei zwei Wasserschäden in ihrem Eigenheim gab es Ungereimtheiten. In erster Instanz wurden sie freigesprochen, doch die Staatsanwaltschaft ist von der Schuld überzeugt, führte den Fall vors Landgericht Leipzig.

Vor dem Landgericht Leipzig müssen sich die Jesewitzer verantworten.

Quelle: André Kempner

Leipzig/Jesewitz. War es nur großes Pech oder doch ein großer Betrug? Ein doppelter Wasserschaden in einem Jesewitzer Eigenheim beschäftigt derzeit das Landgericht Leipzig. Angeklagt sind die Hauseigentümer, ein Ehepaar. Sie werden beschuldigt, aktiv mitgeholfen zu haben, einen großen Versicherungskonzern um mehr als 120 000 Euro erleichtert zu haben. Das Urteil steht allerdings noch aus – zu nebulös ist die ganze Geschichte.

Wie schwer die Wahrheitsfindung ist, zeigt schon der Zeitaufwand für die Ermittlungen: Die fraglichen Schäden ereigneten sich bereits 2009. Damals war es zunächst ein Wasserschlauch, der Ärger gemacht hatte. Anfang Januar 2009 meldete das Ehepaar B. eine massive Überschwemmung im Obergeschoss, weil jener Flexschlauch am Waschbecken abgerissen sei. Das Nass drang bis ins Erdgeschoss, beschädigte Fußboden, Zwischendecke, Elektroinstallationen. Die Gebäudeversicherung der Allianz zahlte – mehr als 60 000 Euro. Hinzu kamen gut 10 000 Euro von der Hausratversicherung der Allianz für beschädigte Möbel. Gut ein halbes Jahr später, im August 2009, die nächste Überflutung, wieder im Badezimmer. Diesmal, so hieß es, sei eine in der Wand verlegte Leitung unterhalb der Badewanne geplatzt. Die Schäden betrafen erneut das Ober- und Erdgeschoss, der Versicherungskonzern beglich diese mit insgesamt rund 50 000 Euro.

Möglicherweise wäre die Sache damit erledigt gewesen. Wäre nicht ein Mitarbeiter der Allianz in den Fokus konzerninterner Ermittlungen gerückt. Alexander N., lange Jahre im Außendienst der Versicherung beschäftigt, war unter Manipulationsverdacht geraten. Bei dem als Schadensregulierer eingesetzten Kollegen häuften sich Auffälligkeiten. Die Allianz erstattete schließlich Strafanzeige, Landeskriminalamt und Staatsanwaltschaft machten Nägel mit Köpfen. „Im Herbst 2011 fanden in mehr als 30 Objekten Durchsuchungen statt – überall dort, wo Verdachtsmomente bestanden“, schilderte ein Polizeibeamter vor Gericht. Auch im Häuschen des Ehepaars B. in einem Jesewitzer Ortsteil marschierte die Kripo ein.

Freispruch in erster Instanz

Haben die beiden mit Alexander N. gemeinsame Sache gemacht? Die Staatsanwaltschaft Leipzig jedenfalls wirft ihnen Beihilfe zur Untreue in zwei Fällen vor. Der 51-jährige gelernte Maler und seine Ehefrau, eine 54-jährige Altenpflegerin, schweigen dazu. Mit Erfolg in erster Instanz: Das Amtsgericht Eilenburg hatte deutliche Zweifel an ihrer Schuld, sprach die Eheleute frei. Die Staatsanwaltschaft legte jedoch Berufung ein, deshalb begann die Verhandlung vorm Landgericht von Neuem. Die Anklagebehörde ist überzeugt, dass sich die Jesewitzer bereichert haben. Immerhin hat es in anderen Fällen, in die Alexander N. verwickelt war, bereits Geständnisse gegeben. Demnach haben sich N. und die Versicherungsnehmer das unrechtmäßig kassierte Geld geteilt.

Auch auf dem Konto der Eheleute B. wurden jeweils kurz nach den Versicherungszahlungen erhebliche Barabhebungen getätigt, während zeitnah auf N.s Konto hohe Summen in bar eingingen. N. hat laut Kripo immer wieder bestimmte Schadenfälle an sich gezogen, für die er eigentlich nicht zuständig war. Dabei habe er ein Netzwerk aus Helfern unterhalten. Zu den wegen Betrugs oder Untreue Beschuldigten gehören auch Versicherungsvertreter und Handwerker. Alexander N. selbst ist allerdings nicht rechtskräftig verurteilt. Ein Verfahren gegen ihn ist noch am Landgericht anhängig.

Im Fall des Jesewitzer Ehepaars ist nach zwei Verhandlungstagen noch kein Urteil absehbar. Entlastend wirken könnte, dass sie bei dem Schadenregulierer offenbar wenig zu melden hatten: Er führte die Regie, suchte Handwerker aus, schrieb Schecks, nahm relevante Unterlagen an sich. Schwerwiegend allerdings ist die Aussage eines Sachverständigen. So existieren von der geplatzten Leitung keine Fotos und die Fliesen, die zu deren Reparatur hätten entfernt werden müssen, sind unberührt. Auch in der Zwischendecke fehlen Wasserspuren. Außerdem sei der Schaden vom Januar 2009 zunächst teilweise nicht beseitigt worden – erst nach Schaden Nummer zwei kam der Fußbodenleger. Die Verhandlung wird fortgesetzt.

Von Kay Würker

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