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Eilenburg Jonas aus Eilenburg ist mit 14 einer der jüngsten Andrea-Berg-Fans
Region Eilenburg Jonas aus Eilenburg ist mit 14 einer der jüngsten Andrea-Berg-Fans
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09:58 24.02.2017
Jonas in seiner Heimatstadt Eilenburg. Von den Treffen mit seinem Star Andrea Berg gibt es viele Fotos.
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Eilenburg.

 Angefangen hat alles eher zufällig. Eines Tages spazierte Jonas, damals knappe acht Jahre alt, durch Bad Düben. Ein paar Euro in der Tasche, entdeckte er in einem Drogeriemarkt eine Best-of-Schlager-CD. Ohne genau zu wissen, wer und was sich hinter Namen und Titeln verbirgt, kaufte er diese. Ein Lied faszinierte ihn besonders – „Du hast mich tausendmal belogen“. Ab und an hörte er den Andrea-Berg-Hit, daraus wurde immer öfter. Und irgendwann in den Jahren hat ihn die Sängerin aus dem baden-württembergischen Kleinaspach voll in ihren Bann gezogen. 2010 oder 2011 muss das gewesen sein. „15 Studio-Alben hat sie rausgebracht. Die habe ich nicht alle auf CD, aber auf dem PC schon“, sagt Jonas. 90 Prozent der Lieder kennt er in- und auswendig. Banner, Poster, über 60 Autogramm-Karten, Tour-Maskottchen, Basecaps, Schals und Fan-Artikel bewahrt er auf. Vieles ist von der Künstlerin handsigniert. „In Sachen Andrea Berg macht mir keiner was vor“, kann Jonas selbstbewusst von sich behaupten.

Die großen Konzerte sind die besten

Natürlich gehören die Konzerte dazu. „Allein 2016 waren es sechs, dieses Jahr schon zwei.“ Das Geld für die Tickets spart er sich zusammen. Manchmal gibt es auch eines von den Eltern geschenkt. So wie für das Köln-Konzert vor zwei Wochen. Da war seine Mutter, die ihn sehr unterstütze, sogar dabei. Fan sei sie mittlerweile auch, „aber nicht so verrückt wie ich.“ Ein Muss ist das Heimspiel. Zweimal gibt es das Open-Air jeden Sommer im Fußballstadion der SG Sonnenhof/Großaspach. Dieses Jahr sind die Tage im Juli schon fest gebongt.

 Langweilig wird es nie. Die Show ist gleich, aber jeder Auftritt ist anders, sagt Jonas. Gut in Erinnerung geblieben sind das Atlantis-Konzert in Leipzig, die Heimspiele 2015 und 2016 und zuletzt der Abend in Köln: „Da geht es richtig ab.“ Solch ein Konzert-Tag ist für Jonas immer was besonderes.„Eigentlich bin ich ab früh schon nicht mehr zu gebrauchen.“ Möglichst schnell möchte er zum Veranstaltungsort, so nah wie möglich an die Bühne ran. „In Riesa gab es vorn zwei Steh-Blöcke. Ich steh immer in der ersten Reihe, meistens rechts, das ist ihre Lieblingsseite.“ Wichtig ist – Blickkontakt zu Andrea. „Sie kennt mich schon gut.“ So gut, dass sie dem jungen Mann zu Auftritten verhalf.

Das erste Mal beim Konzert auf ihrer Hacienda, die zum Erlebnishotel gehört. Vor rund 700 Menschen sangen Andrea und Jonas „Drachenreiter“ und „Ich sterbe nicht noch mal“. Auftritt Nummer zwei gab es Ende Januar in Riesa. „Andrea holt immer zu einem bestimmten Lied jemanden aus dem Publikum. In Riesa hatte sie mich schon entdeckt. Dann ging sie auf ein kleines Kind zu und ich dachte, ach, das nimmt sie jetzt.“

„Wenn Du mich willst, dann küss mich doch“

Plötzlich stand sie vor Jonas und dessen guter Freundin Caro und schneller als gedacht waren es die beiden Eilenburger Teenager, auf die die Spotlights gerichtet waren und die vor Tausenden in der Erdgas-Arena „Wenn Du mich willst, dann küss mich doch“ sangen. Am Anfang habe es ganz schön schief geklungen, aber dann hätten sich die beiden eingesungen. „Da habe ich meinen Körper kennengelernt, weiß jetzt, wie es ist, wenn einem die Beine vor Aufregung wackeln.“ Und wer weiß, wenn es im Sommer zum Heimspiel geht – vielleicht gibt es den nächsten Auftritt?

Dann gäbe es sicher das nächste Video, ähnlich dem, wie es in Riesa entstand. Viele, viele Fotos mit seinem Star hat er schon. Andrea Berg mache es den Fans leicht, sagt Jonas. Sie sei trotz ihres Mega-Erfolges auf dem Boden geblieben, sympathisch und sehr volksnah. Nach jedem Konzert schreibe sie Autogramme, „selbst wenn Hunderte da stehen und es bis tief in die Nacht dauert.“ Unzählige Male hat der Fan seinen Star getroffen. Der nimmt sich immer Zeit für ein kurzes Hallo. Das beeindruckt ihn ebenso wie die Tatsache, dass sich ­Andrea Berg nicht zu schade ist, im Hotel die Gäste selbst zu bedienen. Er schätze ihren Einsatz für das Stups-Kinderzentrum in Krefeld, in dem kranke und behinderte Kinder betreut werden, kenne zudem die Familie: „Alle sind sehr nett.“

Jonas steht zu seinem Musik-Geschmack

Dass andere seinen Musik-Geschmack nicht verstehen, juckt ihn nicht. „Jeder sollte hören, was er für richtig empfindet.“ Er wisse, dass die meisten Jugendlichen in seinem Alter nichts von Schlagern halten. Da gibt es auch schon mal den oder anderen Kommentar, das kann Jonas aber ab. „Ich mag keine englische Musik, sondern deutsche Künstler“, sagt er. Dass ihn die Kumpels deshalb meiden, sei keinesfalls so. Schließlich hat er immer viel zu erzählen. Naja, manchmal müssten sie ja auch leiden, frühmorgens im Schulbus: „Da hab ich immer Kopfhörer auf und hör die Musik. Vielleicht auch mal etwas laut ...“, grinst er.

Der selbstbewusste junge Mann, der in Bad Düben die 8. Klasse der Oberschule besucht, hat keine Scheu, auf bekannte Menschen zuzugehen. Ob Sachsens Minister-Präsident Stanislaw Tillich, Linke-Politiker Gregor Gysi, Schauspieler Dieter Bellmann, die Schlager-Ikonen Roland Kaiser, Vanessa Mai und Stefanie Hertel oder Star-Moderator Florian Silbereisen – getroffen hat er viele. Auch Deutschlands ersten linken Ministerpräsidenten Bodo Ramelow. „Das ist ein guter Rhetoriker. Er hat eine Stunde lang frei geredet“, ist er von dessen Auftritt auf der Haus-Garten-Freizeit-Messe vor zwei Jahren tief beeindruckt.

Dass er so viele Promis gesprochen hat, hat auch mit den Hobbys zu tun. Beim Dübener Heide-Rundfunk war er aktiv, einem Projekt der Zukunftswerkstatt Dübener Heide. „Da hab ich einige Interviews gemacht.“ Mit der Gruppe De Randfichten zum Beispiel oder den Linken-Politikerinnen Barbara Höll, Susanna Karawanskij und Katja Kipping.„Ich habe aber auch schon Holger Zastrow von der FDP und Marian Wendt von der CDU getroffen.“ Oder Bundeskanzlerin Angela Merkel, 2013 beim Wahlkampf in Oschatz. Auch selbst wird er gern politisch aktiv. Vor dem sächsischen Landtag gesprochen hat er schon, im Rahmen der 10. Jugendgeschichtstage. In Bad Düben wollte er das Jugendparlament mit gründen: „Zum Schluss waren wir nur noch zu zweit. Das sind einfach zu wenig.“ Weil er Bühnenauftritte jeglicher Art mag, war er am Heiligen Abend beim Krippenspiel in der Eilenburger Nikolaikirche als Joseph zu erleben. Oder als Mitglied der Schulband. Mit angepackt hat er beim Technischen Hilfswerk, jetzt ist er beim Katastrophenschutz und beim Jugendrotkreuz aktiv.

Sein Fanclub heißt Seelenbeben

Ständig präsent trotz alledem ist Andrea Berg. Vor einem Jahr hat Jonas den Fanclub (FC) Seelenbeben gegründet – passend zum aktuellen Album. „Das ist das beste, was sie bisher gemacht hat“, sagt der Fachmann. Über 50 FC gibt es in Deutschland. Erst war er im Fanclub Ost, „aber ich wollte meinen eigenen haben.“ Mit 14 Jahren ist er der Jüngste unter seinen Leiter-Kollegen, die sich kürzlich im Sonnenhof trafen. 34 Mitglieder gibt es in seinem Club, Tendenz steigend. Über Facebook und Mails tauschen sie Neuigkeiten aus. Ab und an trifft man sich, fährt zu Konzerten.

Das Tempo, das Jonas vorlegt, ist hoch. Da müssen die Eltern schon ein Auge drauf haben, vor allem dann, wenn die Schule drunter leidet. Innerfamiliär werden die Prioritäten dann neu bestimmt, auch in der festen Hoffnung, dass das nächste Konzert als Motivation wirken kann. In der Musikbranche tätig werden möchte Jonas übrigens nicht. Rettungssanitäter – das steht in der Berufe-Hitliste ganz oben. Rein beruflich wäre er dann Andrea Berg übrigens, die vor ihrer Musik-Karriere als Arzthelferin gearbeitet hat, ganz nah.

 
Kontakt über ab-fc-seelenbeben.de.tl

Von Kathrin Kabelitz

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