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Eilenburg Jugendband Gelegenheitsrebellen gewinnen Eilenburger Contest im Haus VI
Region Eilenburg Jugendband Gelegenheitsrebellen gewinnen Eilenburger Contest im Haus VI
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15:05 28.02.2010
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Eilenburg

Bass-Gitarrist Kevin Drohula war perplex, als er gestern Vormittag vom Sieg seiner Band hörte. Der 17-Jährige aus Eilenburg war nicht bis zum Schluss geblieben. „Dass wir gewonnen haben, ist spitze. Damit hätten wir überhaupt nicht gerechnet. Unser Ziel war unter die besten drei zu kommen“, konnte es Kevin kaum fassen. Auf die Plätze spielten sich zwei weitere Gruppen aus der Region. Die Doberschützer Musiker von Fehlfunktion erreichten Platz zwei und Launch into Porridge aus Eilenburg Platz drei.

Eilenburg. Neun Jugendbands zeigten am Sonnabend ihr Können in Eilenburg und stellten sich einem Wettbewerb. Aufs Siegertreppchen kletterte am Ende die Gruppe Gelegenheitsrebellen aus der Muldestadt, die jetzt zum Landesfinale nach Dresden fährt.

Es war der ganz normale Wahnsinn Sonnabendnacht im Keller von Haus VI. Und der hieß „Local Vision Band Contest – Music against Racism“. Das Berliner Veranstaltungsteam von der Initiative zur Förderung deutscher Musikkultur um Doreen Sperl hatte zum regionalen Ausscheid gerufen. Neun Bands aus dem Umkreis Eilenburgs stellten sich dem Wettstreit. „Eilenburg ist die achte und letzte Station des Vorausscheides. Die Bands werden ihren Heimatort mit Herzblut vertreten“, kündigte Sperl zu Beginn der Party an. Immer mehr Besucher kamen im Laufe des Abends in das verrauchte Kellergewölbe. Von Otto-Normalverbraucher im biederen Oberhemd bis hin zum bekennenden Punk mit hochgeklebter Frisur und stylischem Szeneoutfit.

Den Anfang machte die jüngste Band des Abends: die Gelegenheitsrebellen mit einem Durchschnittsalter um die 15 Lenzen. „Uns gibt es seit einem Jahr. Ich habe damals mit Schlagzeug begonnen. Über die Musikszene lernte ich meine jetzigen Kumpels Fabi, Rocco und Kevin kennen. Wir spielen ausschließlich Punkrock. Und das hier ist erst unser zweites Konzert überhaupt“, sagte Sänger Nico Schulz. Die Teenager legten los wie die Feuerwehr, präsentierten sechs Songs. Textsicher schrie Nico ins silberne Mikro. „Normalerweise bin ich in der Schule nicht die glänzende Sängerperle. Hab so mit Musik meine Schwierigkeiten, weil Punklieder in der Schule nicht gefragt sind. Sonst wäre ich in diesem Fach der Beste.“

Jede Band hatte eine halbe Stunde Zeit, ihre Songs zu präsentieren. Mit Kippe hinterm Ohr und Bierflasche in der Hand röhrte Nico, was die Technik hergab. Nur schwer war der Text zu verstehen. Zu laut war der Bass aus den Boxen. Den Jungen und Mädchen vor der Bühne störte das Gedröhne wenig. Sie schubsten sich im wummernden Takt der harten Bässe hin und her und grölten lautstark mit. Den Wettbewerb, der speziell auf junge, aufstrebende Bands aus den kleineren Orten Deutschlands zugeschnitten ist, gibt es seit 2006. Damit soll den Talenten mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. „Unser Anliegen ist es, jungen Künstlern eine Plattform zu bieten. Wir wollen sie unterstützen, ihr musikalisches Selbstbewusstsein zu stärken und an sich zu glauben. Mit dem Einbinden von Initiativen gegen Rassismus, die sich bei den Veranstaltungen präsentieren und mit uns kooperieren, setzen wir ein eindeutiges Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus“, sagte Sperl. Im halbstündigen Takt wechselten die Gruppen. So folgten der Auftaktband Fehlfunktion aus Doberschütz, die Eilenburger Gruppe Launch into Porridge, Derailment aus Leipzig, Schlaechter Umgang, Fuel Gas Stallions (beide Eilenburg), Verarscht! (Jesewitz), Blindgänge und die Kaputtnix (beide Leipzig). „Das ist doch geil hier. Lauter Wahnsinnsgruppen. Morgen werde ich vom Gegröle wohl Ohrenschmerzen haben. Aber das nehme ich gern in Kauf“, sagte Fipps, der mit Freunden aus Leipzig angerückt war und die Show von der ersten Reihe aus verfolgte. „Ich drücke natürlich den Bands aus Leipzig die Daumen. Aber egal, wer gewinnt, alle haben gute Musik gemacht“, sagte der Leipziger Punkfan nach Mitternacht. Kurz nach ein Uhr war es schließlich soweit. Alle Bands hatten gespielt und die Zuschauer durften die Kreuze auf ihren Stimmzetteln machen. Und die meisten standen schließlich bei den jungen Gelegenheitsrebellen aus Eilenburg. Punkten sie noch beim Landesfinale, warten Tonstudioaufenthalt, Workshops und die Teilnahme bei Musikfestivals.

Steffen Brost

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