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Eilenburg Junge Amerikaner geben ein Konzert für Eilenburg
Region Eilenburg Junge Amerikaner geben ein Konzert für Eilenburg
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15:06 29.03.2018
Erwartungsvolle Stimmung: In den Räumen hinter der Bühne spielen sich die jungen Musikerinnen ein. Quelle: Wolfgang Sens
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Eilenburg

High noon im Bürgerhaus Eilenburg: Genau zur Mittagszeit bestimmten festliches Schwarz-Weiß und volle Orchesterbesetzung das Ambiente auf der Bühne. In den Zuschauerreihen herrschte vor, was auch bei den jungen Musikern sonst Alltagskleidung ist: Jeans und T-Shirts. Und während die Protagonisten über den Atlantik reisen mussten, war der Weg für das Publikum ein Katzensprung. Die Jugendlichen hatten für das Konzert ihren Unterricht in der Tschanter-Oberschule und im Rinckart-Gymnasium unterbrochen.

Die 43 Musiker des Homewood Flossmoor High School Viking Orchestra mussten auf der Bühne schon etwas zusammenrücken. Das Ensemble kann volle Symphonie-Besetzung vorweisen.

Konzentriert aufs gemeinsame Projekt

Eben empfingen die Eilenburger noch das Melodien-Wirrwarr der Einstimmphase. Dann hob Dirigent Bernie J. Engav den Taktstock für die Toccatina des aus Chicago stammenden Komponisten William Hofeldt, konzentriere sich alles auf das gemeinsame Projekt, die gemeinsame Melodie. Die Gäste brachten zum Auftakt ein Musik-Stück direkt aus der Heimat mit. Denn im Umfeld der drittgrößten Stadt der Vereinigten Staaten sind die beiden Kleinstädte Homewood und Flossmoor zu finden.

„3000 Schüler besuchen die Homewood Flossmoor Highschool. Die Ausbildung ist mit dem Gymnasium zu vergleichen“, hatte der Holländer Johan van Tulder, der quasi als Reiseleiter des Orchesters fungiert, vorher erklärt, als sich die Gäste noch in den Räumen hinter der Bühne auf den Auftritt vorbereiteten. Das „Viking“ stehe im Namen, weil ein Teil der Stifter skandinavischen Ursprungs sei. Allerdings ist sie ebenso stolz auf ihre Vielfalt und ebenso auf das Niveau, das bei der künstlerischen Ausbildung geboten wird. Es gibt mehrere klassische Musik-Ensemble, aber natürlich ebenso Angebote für Film, Theater, darstellende Künste und für Sport von Athletik bis Wrestling.

Akribisch vorbereitet

Die Vorbereitungen für die Tour des Viking Orchestra waren umfangreich und akribisch. Bereits lange im Vorfeld hatten die Mitwirkenden mit verschiedenen Aktionen Geld für ihre Konzertreise gesammelt, außerdem wird die Aktion von Homewood-Flossmoor Fine and Performing Arts Council gefördert, einer Organisation in Illinois, die aus drei Elternmusikorganisationen besteht. Sie machen es möglich, dass die Kinder und Jugendlichen auf ihrer Europa-Reise Konzerterfahrungen sammeln. Die diesjährige Tour ist bereits die 48. Musikreise, die so zustande kam. Die verschiedenen Gruppen der Schule gastierten bereits in über 80 Städten, 28 Ländern und 5 Kontinenten. „Es ist eine gute Erfahrung“, erklärte Benn Wooton, der im Orchester Bratsche spielt. Trotzdem will der 18-Jährige später etwas in den Bereichen Kommunikation oder internationale Politik studieren. Violinistin Allie Mangel dagegen sieht in der Musik auch ihre berufliche Zukunft. Sie faszinieren Sound und Persönlichkeit der Instrumente, so die 17-Jährige. Orchesterleiter Engav fand es sehr aufregend, mit seinen Schülern die Wurzeln der Musikgeschichte aufzusuchen. Am Tag zuvor hatten alle gemeinsam Leipzig, die Thomaskirche und das Bachdenkmal besucht.

Komposition aus Chicago

Auf ihrer Reise geben die 14- bis 18-jährigen Amerikaner jeweils Benefizkonzerte. In Eilenburg kommen die Einnahmen des Konzertes der Kinder- und Jugendarbeit des Mehrgenerationenhauses Arche zugute. Dafür nahmen die Gäste das Publikum mit auf eine Reise durch die Zeit und die Kontinente nach Hoffeldt stand mit dem „Old Settlers‘ Picnic“ von Eric Ewazen ebenfalls eine zeitgenössische Komposition auf dem Programm. Aber auch Bach, Brahms, Tschaikowsky folgten ebenso wie Bernstein und schließlich der fürs Orchester arrangierte Ryan-Tedder-Hit Counting Stars. Ihr Programm spielten sie vor einigen Tagen im Dom der Stadt Brandenburg und im Kurhaus in Bad Schmiedeberg. Eine weitere Station der Reise, die sie in ihren einwöchigen Frühlingsferien antraten, führte die Schüler dieser Tage nach Groitzsch bei Pegau. Im dortigen Wiprecht-Gymnasium gibt es ebenfalls ein Orchester, mit dem die Amerikaner gemeinsam musizieren konnten.

Geteilte Aufmerksamkeit und Zukunftspläne

Nach der Station im Brandenburger Dom, wo eisige Temperaturen herrschten, war’s angenehm warm im Bürgerhaus. Allerdings hatten viele der jungen Zuhörer weniger Andacht und vor allem zu viel Redebedarf. Wenn auch nicht alle: „Das Konzert war wirklich schön“, sagte Zoe Kamrath (13) am Ende. Für den ein Jahr älteren Joel Werner, der selbst E-Gitarre spielt und sich gerade aufs Frühlingskonzert der Musikschule vorbereitet, war es ähnlich: „Echt schade, dass so viel dazwischengeredet wurde. Das stört doch.“ Regina Schneider, Leiterin der Tschanter-Oberschule war begeistert von den Leistungen des Orchesters: „Das war einfach hoch professionell.“ Yvonne Pötzsch von der Kinder- und Jugendarche würde gern die Tradition der Gastspiele der auswärtigen Schülerorchester, die es früher bereits öfter gab, wiederbeleben. „Vielleicht werden wir sie dann aber besser nicht mehr zur Mittagszeit stattfinden lassen.“

Von Heike Liesaus

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