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Eilenburg Junger Nepalese ist acht Wochen in Eilenburg zu Gast
Region Eilenburg Junger Nepalese ist acht Wochen in Eilenburg zu Gast
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14:28 19.05.2015
Bei Katrin Walter hat Sujan Kunwar für acht Wochen ein Heim auf Zeit gefunden. Die Friseurmeisterin unterstützt die Finanzierung seiner Ausbildung. Quelle: Karin Rieck

"Hier ist alles so flach, aber auch schön ruhig", sagt der 21-jährige Nepalese in perfektem Englisch. Er ist vorübergehend auf dem Eilenburger Berg zu Gast. Immerhin. Aber auf die Umgebung, die Leipziger Tieflandsbucht, in der man bekanntlich morgens schon von weitem sehen kann, wer zum Mittagessen kommt, passt die Beschreibung schon.

Weite Täler gebe es zwar auch in seinem Heimatland, ergänzt der junge Mann. Aber obwohl die Hauptstadt Nepals in einem 1300 Meter hoch gelegenen Talkessel von etwa 30 Kilometern Durchmesser liegt, vermisst der Abiturient hier doch etwas den Anblick der bis zu 2500 Meter hohen Berge am Horizont. Mit Freunden sei er schon auf 4300 Meter Höhe geklettert, um auf dem Dach der Welt, dem berühmten Himalaya, an einem in seiner Heimat bekannten See Fotos zu machen. "Doch in dieser Höhe bekam ich Kopfschmerzen und mir wurde übel", beschreibt er Symptome der Höhenkrankheit, mit der er bei diesem Ausflug Bekanntschaft machte.

Noch bis Mitte Juli lernt der Älteste von drei Brüdern, nunmehr von zu Hause so weit entfernt wie noch nie, erstmals ein Stück Europa und Sachsen kennen. Elf Stunden Flug sind von Kathmandu bis Deutschland zu absolvieren. Sujan ist zu Gast bei Familie Walter, hat in Katrin Walter eine liebevolle Gastgeberin auf Zeit gefunden, die ihn schon zuvor sieben Jahre lang über ein privates Hilfsprojekt finanziell bei der Ausbildung in einer Privatschule unterstützte. "Den Kontakt bekam ich über Stefan, dessen Heilpraktiker-Kurse ich regelmäßig besuche, der aus Bonn stammt und sich vor neun Jahren in Nepal eine neue Existenz aufgebaut hat", erklärt die Friseurmeisterin von Katis Salon. Und dann schwärmt die Endvierzigerin von dem, was sie vor fünf Jahren bei ihrem Besuch in Nepal und bei Sujans Familie erlebte. "Wir sind hier ja, was andere Religionen und Sichten auf die Welt angeht, etwas unterbelichtet", so die Eilenburgerin, Nepal und Kathmandu würden mit einer Vielfalt an Tempeln und Klöstern beeindruckende spirituelle Orte bieten. "In deren Umfeld kann man erleben, wie viel Demut uns noch vor dem Leben fehlt und vor dem, was größer ist als wir. Denn auch wir sind nur ein Teil der Natur."

Auch Sujan sorgt sich wegen des Klimawandels, hat von der Gletscherschmelze in den Bergen seiner Heimat schon einiges für ein Filmprojekt dokumentiert. Filme zu machen, das ist sein großer Traum, erzählt er weiter. Und so hofft der junge Nepalese, dank seiner Kontakte nach Deutschland, hier auch einmal studieren zu können. Die Universität in Leipzig gefällt ihm sehr gut. Beeindruckend fand er die vielen Fahrräder, die dort parken. "Bei uns sieht man viele Mopeds", vergleicht er. Berlin will er noch besuchen sowie gemeinsam mit Stefan demnächst ein Yoga-Festival in Schweden. "Auch unsere Schule soll er noch kennenlernen", kündigt die Rinckart-Gymnasiastin Ronja Fischer an, die wie ihre Freundin Julia schon so manches gemeinsam mit Sujon unternommen hat. Und für die die englische Konversation kein Problem ist.

"Erst einmal will ich die deutsche Sprache sprechen lernen", nimmt sich der Nepalese vor. "Verstehen kann ich einiges schon ganz gut." Auch den Besuch im Eilenburger Museum fand er interessant. Er war dort der Besucher mit dem am weitesten entfernten Heimatort, welcher sich bislang an der nach wie vor aktuellen Namenssuche für die Steinzeit-Frau aus Hohenprießnitz beteiligt hat. Sein Vorschlag: Sita.

Eine Menge neuer Eindrücke stürmen zurzeit auf den jungen Mann ein: So fotografierte er jüngst an der Eilenburger Schanze zwei ihm unbekannte Tiere: Waschbären. Und noch eins fällt ihm auf: "Es gibt viel weniger junge Menschen und Kinder hier als bei uns."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 31.05.2014

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