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Eilenburg Jury auf Stippvisite in Nordsachsen: Welches Dorf ist das schönste?
Region Eilenburg Jury auf Stippvisite in Nordsachsen: Welches Dorf ist das schönste?
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11:31 06.05.2018
Gemeindevertreter und die Landesjury bei der Rundfahrt durch Langenreichenbach. Im Vordergrund: Kathrin Hasenbein, stv. Ortschaftsratsvorsitzende, Bürgermeister Peter Klepel, und der Landtagsabgeordnete Jörg Kiesewetter (v.l.). Quelle: Bärbel Schumann
Nordsachsen

Beim 10. Sächsischen Landeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ wollen 13 Orte die Siegeskrone in der Endrunde erringen. Zuvor hatten sie sich in ihren Heimatkreisen durchsetzen und für die Endrunde qualifizieren können. Mit den meisten Dörfern je Landkreis geht dabei Nordsachsen in den Wettstreit, der alle zwei Jahre unter der Schirmherrschaft des Sächsischen Landwirtschaftsministeriums ausgetragen wird.

In dieser Woche besuchte die Landesjury Arzberg in Ostelbien, das geschichtsträchtige Süptitz und das bereits wettbewerbserfahrene Langenreichenbach. „Das sind drei ganz starke Dörfer. Das wird spannend“, meinte der Vorsitzende der Landeskommission Markus Thieme nach den Besuchen vor Ort verbunden mit jeweils einer Präsentation, Rundgängen und natürlich vielen Fragen an die in dem jeweiligen Ort lebenden Menschen.

Bei den Wettbewerbsprofis

Thieme muss es wissen, denn seit Jahren gehört er der Landesjury an. Zum sechsten Mal hat er so Langenreichenbach besucht und ist auch diesmal wieder überrascht, was er mit den anderen Juroren entdecken darf, welche neuen Facetten er in dem über 700 Einwohner zählenden Ort der Gemeinde Mockrehna aufspürt.

Kathrin Hasenbein, stellvertretende Ortsvorsteherin, übernahm diesmal die Präsentation des Ortes im Heidebachsaal und vertrat den im Kuba-Urlaub weilenden Detlef Bölke. Sie tat es souverän und stolz schwang in den Worten, als sie aufzählte, was Langenreichenbach alles vorzuweisen hat: In den elf örtlichen Vereinen sind 478 Mitglieder eingeschrieben. Zukunftsängste bei der Feuerwehr gibt es nicht. Sie ist mit 104 Mitgliedern der stärkste „Verein“ im Ort. In Landwirtschaft, Handwerk und Gewerbe stehen in dem Straßendorf 127 Frauen und Männer in Lohn und Brot. Zwei Drittel der Einwohner sanierte in den vergangenen Jahren ihre Höfe und Grundstücke. 43 neue Eigenheime entstanden, ein neues Baugebiet musste ausgewiesen werden, wo inzwischen die ersten Häuser stehen.

Dorit Müller (rechts), Vorsitzende des Landfrauenvereins Langenreichenbach, und Renate Prähler-Kollmann, Mitglied der Landesjury Landeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“. Quelle: Bärbel Schumann

Was sind die Gründe, für diese Bilanz? Natürlich eine intakte Dorfgemeinschaft mit vielen Höhepunkten von Frauentagsfeier, Nachbarschaftsbier bis hin zum Weihnachtsmarkt, Straßenfesten und Pflanzaktionen für einen blühenden Ort in dem sogar die Grundversorgung mit eigenen Geschäften und einer Großbatterieanlage gewährleistet werden könnte. Die Aufzählung schien nicht enden zu wollen und manches davon wurde bei der Tour auf Drahteseln durch den Ort – das ist auch bei der 6. Teilnahme Tradition – in seinen Ausmaßen erst so richtig deutlich: Aus dem einstigen Schandfleck des maroden Dorfgasthofes nahe der Kirche wurde eine blühende grüne Oase, die zum Verweilen einlädt und mit einem Gedenkstein Geschichte ins Bewusstsein rückt. Das alte Gutshaus sich anschickt, dank Denkmaldoktor Frank Pastille zu alter Schönheit zurückzufinden. Welche Pläne es für das alte Pfarrhaus gibt und wie die Einwohner dafür sogar wieder Geld- und Sachspenden geben wollen, beeindruckte. Das Langenreichenbacher Wettbewerbsmosaik hatte noch viele Steine aufzuweisen, ob sie zum Strahlen kommen, wird sich zeigen. Originell fanden Jurymitglieder die von Kathrin Hasenbein – sie ist Porzellanmalerin in Meißen - gestaltete und gemalte Tourkarte für den Besuch.

Unterwegs auch in Arzberg

Als ersten Wettbewerbsort hatte die Jury bereits am Tag zuvor Arzberg besucht. Dass sich hier Fuchs und Hase nicht Gute Nacht sagen, wie von ostelbischen Dörfern oft behauptet wird, konnte Bürgermeister Holger Reinboth mit vielen Unterstützern eindrucksvoll belegen. Bürgerinitiative scheint in Arzberg ein Zauberwort zu sein, was viel verändert und bewegt. Und das wörtlich genommen, wie der geschaffene Bürgerbus belegt. Der fährt beispielsweise Einwohner zu Terminen ins entfernte Torgau. Punkten konnte der Ort aber auch mit anderen Dingen: Die Unterstützung der Betriebe wie durch die Agrargenossenschaft für Kita, Schule und Vereine. Einem regen Dorfleben vom Sportverein angefangen bis hin zu Kinderfeuerwehr und Jugendclub. Projekte wie die Streuobstwiese mit dem Landschaftspflegeverband wurden vorgestellt. Und nicht nur Jurymitglied Renate Brähler-Kollmann, die für die Landfrauen in der Jury mitarbeitet und in der Nachbarkommune daheim ist, war erstaunt, welche pfiffigen Ideen die Arzberger umgesetzt haben und wie sie es verstehen, das geschaffene zu erhalten. Der Sportverein sei das beste Beispiel dafür, der fast wie ein kleines Wirtschaftsunternehmen funktioniere.

Streifzug durch Süptitz

Mit Süptitz ist ein weiterer nordsächsischer Ort dabei. Hier informiert sich die Jury auf einer Busfahrt. Zuvor war sie Gast im historischen Zietenhof, der wunderschön ausgebaut wurde und wo es eine Premiere für alle gleich zur Begrüßung gab. Erstmals wurde vom Kirchenchor und Sportfrauen das neue Süptitzer Heimatlied gesungen. Eine zweite folgte mit dem neuen Imagefilm über Süptitz. In dem wurde alles aufgezeigt, was immer mehr Familien in den Ort lockt. Doch noch beeindruckender war hier die Tatsache, dass die Zahl der Einwohner von 1990 mit 791 auf 1108 zu Jahresbeginn anwuchs. Warum das so ist, was hier so liebens- und lebenswert ist, das wurde auf der Fahrt an vielen Haltepunkten verdeutlicht.

Am 22. Juni werden in Stangengrün die Erstplatzierten im Wettbewerb 2018 ausgezeichnet. Die Chancen, dass dabei Nordsachsen vertreten ist, sind berechtigt, wie die Besuche zeigten. Nun hat die Jury die Qual der Wahl.

Von Bärbel Schumann

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