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Kaninchen-Streit in Eilenburg: Gartenverein macht Pächter Angebot

Weinberg-Sparte Kaninchen-Streit in Eilenburg: Gartenverein macht Pächter Angebot

Der Vorstand des Weinberg-Gartenvereins in Eilenburg unterbreitet einem seiner Pächter jetzt einen Vorschlag, wie ein Streit vor Gericht abgewendet werden könnte. Familie Röhniß, die sich gegen den Abriss sämtlicher Anbauten, außer der erlaubten 24-Quadratmeter-Laube, wehrt, sucht noch einmal das Gespräch.

Tobias Röhniß hofft beim nächsten Zusammentreffen mit dem Gartenvorstand ebenfalls auf eine Einigung.

Quelle: Wolfgang Sens LVZ

Eilenburg. Beide Parteien wollen jetzt eine gemeinsame Basis finden. Damit landen die Differenzen zwischen dem Vorstand der Eilenburger Kleingartenanlage Weinberg und den Pächtern Tobias und Joachim Röhniß vielleicht doch nicht vor Gericht. Michael Götzke, Vorsitzender des Kreisverbandes Eilenburg der Kleingärtner sowie des Weinberg-Vereins, und Günter Bernstädt, Kreisverbands-Geschäftsführer, unterbreiten Familie Röhniß einen Vorschlag, der die Kaninchenhaltung für den Eigenbedarf ermöglicht. Der nicht genehmigte, überdachte Freisitz – eigentlicher Grund der Differenzen – könne mit der Laube einen Baukörper bilden.

Verband will nicht vor Gericht

„Joachim Röhniß hat bei uns vor einigen Jahren ordnungsgemäß den Bau einer Laube beantragt und ausgeführt. Wir haben dem Sohn die Zucht von Kaninchen erlaubt, weil es gut ist, wenn sich ein junger Mann mit solch einem Hobby beschäftigt und weil wir die Haltung von Kleintieren in unserer Vereinssatzung festgeschrieben haben“, äußerte Michael Götzke Verständnis für das Steckenpferd des 26-jährigen Sohnes von Joachim Röhniß. Dennoch sei dem in den kleinen Gärten, wie bei den knapp 50 Weinberg-Parzellen, Grenzen gesetzt und Tierhaltung nur für den Eigenbedarf erlaubt. Nachbarn hätten sich über Belästigungen durch die Kaninchenhaltung beschwert. Der zusätzliche Aufbau einer massiven hölzernen Überdachung für den Freisitz im Frühjahr, was nicht beantragt worden war, veranlasste den Vorstand schließlich, schriftlich den Abbau zu verlangen. „Familie Röhniß hat sich dagegen mit anwaltlicher Hilfe zur Wehr setzen wollen anstatt den Weg zum Vorstand zu finden. Deshalb haben wir unsere Vertragsanwältin eingeschaltet“, so Götzke. Dass damit außerdem einher ging, auch den Abbruch sämtlicher Zusatzanlagen, außer der im Gesetz erlaubten 24 Quadratmeter für eine Laube, zu fordern, habe vor allem „zum Nachdenken anregen sollen“, ergänzte Günter Bernstädt. Der Kleingärtner-Verband wolle keinen Rechtsstreit, pflichtete Götzke bei. Denn so etwas habe es in seiner über 20-jährigen Praxis als Gartenvorstand noch nicht gegeben. Die Ehrenamtler hätten sich immer um Kompromisse bemüht, auch Einsicht erfahren. Ausnahmen, so Bernstädt, wären beispielsweise Pachtschulden, die durchaus auch juristisch eingefordert werden. Familie Röhniß hätte – was diese, wie berichtet, nicht abstreitet – Fehler gemacht und in ihrem Pachtvertrag die Bedingungen akzeptiert. „Wir wollen jetzt nicht als Prügelknaben dastehen“, so die beiden Kreisvorstandsmitglieder. „In diesem Amt gehen wir immer wieder Kompromisse ein, müssen von den Pächtern aber auch Einsicht für bestehendes Recht einfordern, weil davon schließlich der Status der Gemeinnützigkeit der Gartenvereine, der viele Vorteile für die Pächter mit sich bringt, abhängt.“

Gartennachbarn verunsichert

Dennoch hatte die stringente Forderung des Rückbaus nicht nur Familie Röhniß im Weinberg, sondern auch Gartennachbarn stark verunsichert. Denn auch auf anderen Parzellen werden Anbauten über die vorgeschriebene 24-Quadratmeter-Laubengröße hinaus geduldet. Und nicht alle seien über die Bestandsschutzklausel abgesichert, so Dagmar Vogler, die eine Unterschriftensammlung angeschoben hat, um dem Kaninchenzüchter und seinem Vater beizustehen. Selbst Eilenburgs Oberbürgermeister Ralf Scheler (parteilos) empfing Vater und Sohn Röhniß in seiner Sprechstunde, um sich die Probleme anzuhören und zwischen der Familie und dem Gartenvorstand zu vermitteln. In einem ausführlichen Interview erläuterte Peter Paschke, Präsident des Landes- und Bundeskleingartenverbandes, in dieser Woche in dieser Zeitung nicht nur die Rechtslage, sondern empfahl zusätzlich, sich zu einigen.

„Wir warten jetzt darauf, dass sich Herr Röhniß bei uns meldet, damit wir noch einmal in Ruhe über alles reden können“, bot Michael Götzke an. Die Vorschläge, die der Kreisverband zur Güte zu machen hat, sind Tobias Röhniß inzwischen bekannt. Beide Parteien wollen sich vorerst intern verständigen und anschließend über das Ergebnis informieren.

Von Karin Rieck

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