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Kinder machen Papier

Kinder machen Papier

Was ist beim Anblick eines weiß-grauen glitschigen Klumpens zu sagen? „Bäh“, kommt es aus den Reihen der Zweitklässler der Jesewitzer Grundschule. Dafür gebe es keinen Grund, erklärt ihnen Micha Koßmann, der besagtes Objekt in den Händen hält.

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Drei Sekunden, dann muss die Maschine wieder ausgestellt werden, verrät Savios Finger (rechts). Gespannt verfolgen die Kinder, wie das Wasser aus dem Papier gesogen wird.

Quelle: Heike Liesaus

Jesewitz. Es handle sich um reinste Natur. Alles Holzfasern. „Zellulose sagen die Erwachsenen dazu, Papiermatsch nennen es die Kinder“, bemerkt er, während er das Sieb zur Hand nimmt und zeigt, wie die Fasern damit aufzufangen sind. Auf den Maschen sammelt sich eine graue Schicht. Die Geburt eines Papierbogens. Da zieht gewisse Andacht über die kleinen Gesichter. Nur zehn Minuten sollten die Mädchen und Jungen zuhören müssen – das war vorher versprochen – nun dürfen sie gleich ran, um alles selbst zu machen. Immer zwei einen Bogen. Schnell bildet sich eine Schlange vor der kleinen Papierwerkstatt, die Koßmann vor der Tafel aufgebaut hat. Das Joe-Clever-Projektteam, eine Inititiave von Tetra Pak und Vogtlandmilch, reist mit dieser Aktion seit zehn Jahren von Schule zu Schule. Die jungen Jesewitzer lernen diese gestern im Rahmen ihrer Schulmilchaktion kennen.Den Kindern demonstriert Koßmann auch, wie ihre Tetra-Paks, aus denen sie eben noch Milch getrunken haben, erst eingeweicht und dann geschnitzelt werden, so dass die silbrige Folie und die Plasteschicht plötzlich allein daliegen. Und was bleibt übrig? „Wasser“, antwortet ein Junge. „Und da ist das Papier drin“, ergänzt ein anderer. Die Einweich-Prozedur hatte der bärtige Mann aber schon vorbereitet, sie würde für eine Schulstunde viel zu lang dauern.„Wiederverwendung nennt Ihr das“, spricht Koßmann. „Recycling nennen es die Erwachsenen.“ Nachdem die Papierfasern mit dem Sieb aufgefangen sind, muss das nur auf eine Maschine gesetzt werden, die ruckzuck eine Menge Wasser herauszieht. Anschalten. Bis drei zählen. Ausschalten. Fertig. Dann wird der feuchte Bogen von den Drahtmaschen getrommelt. Aber damit er sich richtig löst, muss er kräftig abgeschlagen werden. Das macht Koßmann doch lieber allein. Zarte Kinderfinger könnten sonst Schaden nehmen. Der Papierbogen aber darf nach all diesen Strapazen zwischen Zeitungsseiten trocknen. 24 Stunden lang. Das Sieb muss natürlich gleich an die vorherige Station zurück. Warum? „Weil es die anderen brauchen“, meldet sich eines der Mädchen. Das gibt ein großes Lob vom Joe-Clever-Experten. „Denn in den Städten wie Dresden und Berlin beobachte ich bei den Kindern oft das schlimme Ich-Virus.“ Diese Art sei hier offenbar nicht verbreitet. Damit macht er die Landkinder nochmal richtig stolz.

Heike Liesaus

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