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Kinderpornos im Internet getauscht – 38-Jähriger zu Bewährung verurteilt

Amtsgericht Eilenburg Kinderpornos im Internet getauscht – 38-Jähriger zu Bewährung verurteilt

Dass er eine abartige sexuelle Neigung hat, wusste der Angeklagte und zeigte auch Reue in der Verhandlung vor Eilenburger Amtsgericht. Der 38-Jährige besorgte sich Dateien mit kinder- und jugendpornografischen Inhalten und tauschte sie teils im Internet. Das ist strafbar.

Amtsgereicht Eilenburg.

Quelle: Wolfgang Sens

Eilenburg. Karl S. (Name geändert) fühlt sich sexuell zu Kindern und Jugendlichen hingezogen. Er weiß das auch. Etwas dagegen unternommen hat er bislang nicht. Selbst nach seiner mittlerweile 18 Jahre zurückliegenden Verurteilung wegen zweifachen sexuellen Missbrauchs hat er sich nicht in eine Therapie begeben.

Um seinen Trieben, die mal da sind und mal nicht, wie er sagt, nachzugeben, besorgte er sich in den Jahren 2012 bis 2014 über das Internet entsprechende Fotos und Filme und speicherte sie auf seinem Rechner. Doch nicht nur das. Er brauchte die Dateien nicht nur zum Eigenbedarf. Er tauschte sich auch mit anderen, offenbar ebenso veranlagten Männern über Skype, einem Internetdienst, aus, empfing und verschickte Dateien mit eben diesen pornografischen Inhalten. Das ist strafbar. Dafür musste sich der 38-jährige Schkeuditzer jetzt vor dem Amtsgericht Eilenburg verantworten.

Ermittlungen in Nordrhein-Westfalen

Auf die Spur war ihm die hiesige Strafverfolgungsbehörde gekommen, weil die Polizei im Landkreis Siegen-Wittgenstein (Nordrhein-Westfalen) in einem anderen Fall ermittelte und dabei auch auf den Nordsachsen Karl S. stieß. Mit Beschluss des Amtsgerichts Leipzig kam es Mitte April vergangenen Jahres zu einer Hausdurchsuchung, bei der zahlreiche Datenträger beschlagnahmt wurden. Auch das Auto von Karl S. wurde durchsucht. Alle Daten wurden von einem Gutachter untersucht.

Staatsanwalt Ronny Duckstein brauchte zu Beginn der Hauptverhandlung, die im Amtsgericht Eilenburg angesetzt war, 20 Minuten, um alle Anklagepunkte zu verlesen. Insgesamt waren es 19. Es ging ihm dabei nicht gut, wenn er beschrieb, wie sich zum Teil zehnjährige Mädchen mit entblößtem Geschlechtsteil auf den Bildern zeigten, wie sich Männer an unter 14-jährigen Mädchen vergingen und mit welchem Wortlaut auszugsweise die Chats im Internet abliefen.

Laptop eingezogen

Einblicke in die Beweismittelakte wurden allen Beteiligten erspart, weil der Angeklagte gleich zu Beginn einräumte, all das getan zu haben, was ihm die Staatsanwaltschaft vorwarf. „Ich gebe alles zu. Ich weiß nicht, was in mich gefahren ist. Es tut mir leid“, sagte er Richterin Carmen Grell. Die allerdings hakte nach. „Es ist doch aber nicht nur einmal gewesen. Es war doch schon ein längerer Zeitraum.“ Rechtsanwalt Steffen Tänzer half seinem Mandanten, der, wie er sagte, „in dem Bereich tatsächlich ein Problem hat“. Zu einem Termin mit einem Spezialisten auf dem Gebiet ist es bislang noch nicht gekommen. Es habe zwar Termine gegeben, die nahm Karl S. aus Krankheitsgründen aber nicht wahr.

Karl S. hat keine eigenen Kinder, ist aber seit 2015 verheiratet. Seine Frau, so erzählte er, habe bis zur Hausdurchsuchung nichts von seinen abartigen Neigungen gewusst. Er räumte zudem ein, dass er diese Neigung seit seiner Heirat nicht wieder ausgelebt habe. „Seitdem auch mein Laptop eingezogen ist, habe ich auch kein Verlangen mehr nach diesen Bildern und Filmen“, beteuerte der Angeklagte. Das Notebook ist das Einzige, was bisher noch nicht wieder zurückgegeben wurde. „Meinetwegen können sie es vernichten“, schlug Karl S. vor. Seinen Skype-Anschluss hat er nicht mehr, besitzt nur noch ein Smartphone und einen Tablet-Computer, auf denen er nach eigenen Angaben zumeist nur spielt.

Therapie als Auflage

Leider wisse man nicht genau, ob tatsächlich Schluss ist, betonte Ronny Duckstein in seinem Plädoyer. Man könne lediglich eine Prognose abgegeben und die sei schon schwierig. Für die einzelnen Taten beantragte der Staatsanwalt Freiheitsstrafen im unteren Monatsbereich. Als Gesamtstrafe kam dann ein Jahr zusammen. Die Strafe könnte zur Bewährung ausgesetzt werden. Allerdings sollte Karl S. zur Auflage gemacht werden, eine Therapie zu beginnen und diese nicht abzubrechen.

Rechtsanwalt Tänzer schloss sich faktisch dem Staatsanwalt an, weil „alles sehr nachvollziehbar begründet“ worden sei. Deshalb bat er lediglich um eine milde Strafe für seinen Mandaten.

Richterin Grell bemerkte so etwas wie Reue beim Angeklagten und wertete das zu seinen Gunsten. Auch, dass er etwas gegen seine Veranlagung tun will. Sie verurteilte ihn zu einem Jahr Freiheitsstrafe, ausgesetzt zur Bewährung, Bewährungszeit drei Jahre. Die Richterin begründete die Bewährung mit dem gesicherten sozialen Umfeld, in dem der Angeklagte lebt. Er ist verheiratet, hat einen Job, verdient ordentlich. Zur Auflage wurde Karl S. zudem gemacht, binnen sechs Monate 1500 Euro an den Verein Opferhilfe zu zahlen und binnen drei Monate eine Therapie zu beginnen. „Mit diesem Urteil bekommen Sie schneller als üblich einen Termin“, bemerkte die Richterin. Das Urteil ist rechtskräftig.

Von Ditmar Wohlgemuth

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