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Kirchenmusiker aus Nordsachsen unterstützen afrikanisches Posaunen-Projekt

Tansania Kirchenmusiker aus Nordsachsen unterstützen afrikanisches Posaunen-Projekt

Mit vielen interessanten Impressionen sind Kirchenmusiker des Landkreises, darunter vom Kirchspiel Sprotta, aus Tansania zurückgekehrt. Mit Instrumenten und Workshops unterstützten sie die Gemeinden in der Nord-Zentral-Diözese der Lutherischen Kirche in dem ostafrikanischen Land.

Vor einer Kirche im Norden Tansanias führen ein heimischer Chor und Musiker vom mitteldeutschen Posaunenwerk Händels Halleluja spontan gemeinsam auf.

Quelle: privat

Sprotta.. In Tansania waren Bläserinnen und Bläser der Landeskirche sowie des Kirchenkreises Torgau-Delitzsch im April Gäste der Nord-Zentral-Diözese der Lutherischen Kirche. Dabei entwickelte sich das Halleluja von Händel gar zum Soundtrack einer besonderen Visite, die darauf ausgerichtet war, dem kirchenmusikalischen Leben in dem ostafrikanischen Land ein Stück weit mit Blechblasinstrumenten neue Töne einzuhauchen. „Schon seit etwa 40 Jahren verbindet die mitteldeutsche Landeskirche mit der evangelisch-lutherischen Kirche in Tansania und sieben Diözesen eine Partnerschaft“, erklärt Pfarrerin Edelgard Richter, die wie ihr Amtskollege aus Schkeuditz, ein Bläser aus Beilrode-Arzberg sowie Annegret Arnold, die Leiterin des Kreiskirchenamtes in Eilenburg, mit auf Reisen ging. Dabei sei die Region Thüringen mit der tansanischen Nord-Zentral-Diözese besonders verbunden und hatte nunmehr die Einladung zu einem Gegenbesuch vorliegen, nachdem vor drei Jahren Kirchenchöre aus Tansania in Thüringen weilten.

Hezron träumt von einem Bläsertreffen

Nun sollten es also Mitglieder aus Posaunenchören sowie Akteure des hiesigen Posauenwerkes sein, die neben ihrem organisatorischen Erfahrungsschatz auch dringend benötigte Instrumente zu den afrikanischen Partnern transportieren würden. Dank der Förderung durch das Missionswerk Leipzig, von Landeskirche und Kirchenkreis sowie privater Ersparnisse konnten auch die beiden Musikerinnen aus dem Kirchspiel Sprotta, Richter und Arnold, die Einladung vom Sommer 2015 nunmehr in die Tat umsetzen.

In der Region um Arusha, die 1,2 Millionen-Einwohner-Stadt im Norden von Tansania, hießen der für diesen Bereich zuständige Kirchenmusiker Hezron Abel Mashauri und seine Mitstreiter die acht Gäste aus Mitteldeutschland willkommen. „Hezron möchte die Chorarbeit in diesem Bereich besser strukturieren, benötigt dafür professionelle Anleitung und auch die Blechblasinstrumente fehlen oder sind schon sehr veraltet“, so Edelgard Richter. Und so gab es am Ende ereignisreicher zwölf Tage mit kaum Zeit für ausreichend nächtlichen Schlaf nicht nur große Freude darüber, dass die mitgebrachten Instrumente da blieben, dazu Notenständer, Notenmaterial. Die Gäste hatten auch Reinigungs- und Hilfsmittel für Reparaturen im Gepäck, um das wieder besser in Gang zu bringen, was für den Aufbau eines Posaunenchores bereits vorhanden war. „Hezron träumt davon, in fünf Jahren im Norden Tansanias ebenfalls ein Bläsertreffen auf die Beine zu stellen“, erzählt die Sprottaer Posaunistin und Pfarrerin. Dabei helfen soll ein nächster Schritt dieser Partnerschaft: Vier afrikanische Bläser sollen im Sommer nächsten Jahres für zwei bis drei Wochen bei einem Workshop des Posaunenwerkes der Landeskirche fit gemacht werden, um dann ihrerseits in der tansanischen Diözese neue Gruppen aufzubauen zu können.

Ein Hit vor der Kirche

11,5 Nächte in sieben, fast ausschließlich privaten Quartieren, drei davon auch gemeinsam in einer Lodge – „besser kann man Land und Leute nicht kennenlernen“, schwärmt Edelgard Richter von einem Aufenthalt, der von vielen herzlichen Begegnungen, Workshops und natürlich dem für Tansania obligatorischen Safari-Tagesausflug zu den Tieren in den Arusha- Nationalpark sowie Impressionen aus dem Ngorongoro-Krater geprägt war. „Nur der Kilimandscharo hat sich in der beginnenden Regenzeit in den Wolken versteckt“, bedauert Richter. Dafür konnten die Gäste ihre Englischkenntnisse ordentlich aufpolieren und haben erlebt, dass auf Suaheli „pole, pole“ (ganz langsam) nicht nur ein geflügeltes Wort ist, sondern auch ganz wörtlich genommen wird. Denn in Afrika gilt es durchaus nicht als unhöflich, wenn Verabredungen nicht so pünktlich eingehalten werden, wie es Deutsche in der Regel erwarten. Bei einer solchen Episode kam aber dafür Händels Halleluja ins Spiel, als die deutschen Gäste bei einer Verabredung einen Chor gesucht haben, der schließlich dank seines Gesangs – Händel auf Suaheli und ohne Noten – ausfindig gemacht wurde. Gemeinsam wurde das populäre Stück mit den Blechbläsern anschließend vor der Kirche ein Hit. Ein Schauspiel, das sich bei diversen gemeinsamen Gottesdiensten und Terminen wiederholte und einmal mehr für zu langes Warten - so Sonntagmorgen ab 6 Uhr – tröstete. „Sieben Mal haben wir das Halleluja mit heimischen Chören, die sehr gut sind, gespielt. Händel ist dort sehr beliebt.

Überwältigt von Gastfreundschaft

Und weil die Region vor über 100 Jahren von Leipzig aus missioniert wurde, sind historische Wurzeln noch überall im Norden Tansanias präsent, was bedeutete, dass es auch mit dem Verständnis von Literatur der Kirchenmusik kaum Probleme gab“, so die Sprottaerin. „Auch ein Massai-Kirchenchor hat uns sehr beeindruckt. Die Gruppe agiert mit einem Vorsänger und erzählt mit ihrem Gesang eine Geschichte“, erfuhr die Pfarrerin, die außerdem Gelegenheit hatte, ein Massai-Dorf zu besuchen.

„Wir waren überwältigt von der Gastfreundlichkeit der Menschen, haben erlebt, wie selbstverständlich auch im privaten Bereich des Abendgebet ist, wobei uns zu Ehren auch deutsche Worte gesprochen wurden“, blickt Edelgard Richter gern zurück. Auch wenn dort die Taschenlampe ein unverzichtbares Instrument war, Quartiere und Essen einfach. „Den Komfort zu Hause nimmt man nun viel bewusster wahr.“ Eingeprägt hat sich schließlich die Morgenandacht eines Pastors der sagte, dass weißer wie dunkler Haut das gleiche Blut entströmt, wenn sie verletzt wird. Und wie sich die großen, kräftigen Guides, die die Gäste die ganze Zeit so fröhlich und unterhaltsam durch die Tage steuerten, beim Abschied am Flughafen schnell wegdrehten, um die Tränen zu verbergen.

Treffen beim Posaunentag

Von vielen Seiten sei sie angesprochen worden, nach dem Bericht jüngst beim Turmfest im Sprottaer Pfarrgarten noch mehr über die Tage in Tansania zu erzählen. Ein Abend nach den Ferien im Sommer lasse sich dafür bestimmt noch finden, so die Pfarrerin, die mit einigen ihrer auf wenige hundert mühsam geschrumpften Bilderauswahl von 3300 Fotos auch ein Bilderbuch für die Enkel gestalten will.

Dass es beim Posaunentag in Dresden ein Wiedersehen mit Bläsern aus Tansania gab, war schließlich reiner Zufall. Edelgard Richter hatte die Gäste eines Partner-Chores aus Bautzen angesprochen und erfahren, dass sie aus der Region Arusha stammen und vom Besuch der mitteldeutschen Delegation gehört hatten. Manchmal ist die Welt wirklich ein Dorf.

Von Karin Rieck

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