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Eilenburg Knackig, süß und saftig: In Wöllmen geht’s um alte Apfelsorten
Region Eilenburg Knackig, süß und saftig: In Wöllmen geht’s um alte Apfelsorten
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00:19 04.10.2017
Julia Pöschel erklärt Ruth und Ralf Börner die alten Apfelsorten. Quelle: Heike Liesaus
Wöllmen

Das hat sich gelohnt. Ingrid und Jürgen Schmidt wissen nun mehr über ihren eigenen Garten. Das Paar aus Borsdorf war am Freitag zur Obstbörse nach Wöllmen gekommen. Die veranstaltete der in Eilenburg ansässige Landschaftspflegeverband Nordwestsachsen (LPV) nun schon zum 8. Mal auf dem Hof Dottermusch. Aber die beiden Borsdorfer hatten wie viele andere extra ein Kistchen Äpfel mitgebracht, obwohl es dort schon jede Menge gibt. Denn Pomologe Ralph Frankenstein, sozusagen Stargast der Börse, bestimmte Sorten. So wurden auch Exemplare aus dem Schmidtschen Garten vor sein sachkundiges Auge gebracht. Frankenstein besichtigte sie jeweils sorgsam von außen, bevor er sie mit Bedacht aufschnitt, mal mehr oder weniger zufrieden im Kerngehäuse stocherte, ein Stück kostete, im Bestimmungsbuch blätterte, um dann das Urteil zu verkünden. Im Falle eines grünen Exemplars war es für ihn relativ einfach: Grany Smith. „Leider ein eher für die Industrie verwendeter Apfel“, erklärte der Fachmann.

Er hatte Tipps parat, wie dem Treiben der Apfelwickler-Maden, die sich jeweils im Kerngehäuse einnisten, Einhalt geboten werden kann: Leimringe, die aber relativ teuer sind, um den Stamm legen, oder dicke Streifen Wellpappe drumherum binden. In deren Röhren setzen sich die Apfelwickler-Weibchen, die den Baum hinaufkrabbeln, fest. Die Pappe kann dann verbrannt werden.

Pomologe Ralph Frankenstein bestimmt Apfelsorten. Quelle: Heike Liesaus

Melodie und Roter Hauptmann

Nebenan standen zig Körbchen mit vielen verschiedenen alten Apfelsorten, an denen Schildchen mit den Namen angebracht waren: Melodie hieß da ein zart rosa angehauchtes Exemplar, rustikalere Sorten sind Roter Hauptmann oder der Prinz Albrecht von Preußen. „Die sehen ja toll aus“, staunte Ruth Börner gemeinsam mit Ehemann Ralf über die „Gold Juwel“. „Die alten Sorten interessieren uns sehr, weil wir selbst einen Garten haben.“ Vor allem wollten die beiden Portitzer Rat in Sachen Baumschnitt suchen. Sie hoffen, die eigenen Erträge noch ein wenig zu steigern. Hinweise gab es auch in Sachen Baum-Auswahl: „Besser in einheimischen Baumschulen nachfragen, dann sind die Unterlagen auf die regionalen Verhältnisse eingestellt“, erklärte Heike Weidt vom LPV.

Börsen-Idee

Erfunden wurde die Börse vor allem, um diejenigen, die in ihrem Garten viel Obst ernten, aber es nicht verwerten können, mit denjenigen zusammenzubringen, die sich mit Garten-Äpfeln eindecken wollen. Doch so richtig wird diese Idee noch nicht wahrgenommen. Es hatten sich kaum Anbieter gemeldet. Trotzdem war der Hof gut besucht. Immer freitags bauen hier Direktvermarkter ihre Stände auf. Und auch die Obstbörse soll es weitergeben: „Wir bleiben dran. Es muss sich jeweils herumsprechen“, sagte Veronika Leißner vom LPV. Äpfel gibt es in diesem Jahr generell weniger als sonst. „Auch Zwetschgen sind bei uns immer sofort alle“, so Dieter Dottermusch, auf dessen Plantage der Frost zur Blühzeit ebenfalls Ausfälle verursachte. Wenn auch unterschiedlich je nach Apfelsorte. 15 wachsen bei ihm. „Von manchen nur wenige Bäume. Aber man muss auch immer etwas ausprobieren.“

Die Tauchaer Tausendfüßler-Kinder sind hoch auf dem Erntewagen durch die Obstplantage unterwegs. Quelle: Heike Liesaus

Dottermusch investiert viel Zeit, um fürs einheimische Obst zu begeistern. Noch am Obstbörsenvormittag machte er den Traktor mit dem Anhänger klar, auf dem eine ganze Kindergartengruppe Platz nahm. „Wir sind die Tausendfüßer aus Taucha“, winkten sie noch und schon tuckerte das Gefährt mit ihnen durch die Baumreihen mit den roten Äpfeln davon.

Von Heike Liesaus

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