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Konfliktgebiet Schwarzbach bei Wöllnau: Agrarchef fürchtet weiteren Flächenverlust

Presseler Heidewald- und Moorgebiet Konfliktgebiet Schwarzbach bei Wöllnau: Agrarchef fürchtet weiteren Flächenverlust

Das Presseler Heidewald- und Moorgebiet hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zum Naturrefugium entwickelt. Doch Landwirte und Anlieger sagen: Bis hierher und nicht weiter. Denn sie bekommen nasse Füße. Dabei soll die Kernzone um das Naturschutzgebiet Schwarzbachniederung erweitert werden.

Idyllische Landschaft entwickelt sich am Schwarzbach. Doch nasse Keller und Landwirtschaftsflächen führen zu Konflikten.

Quelle: Heike Liesaus

Doberschütz. Gerade sind zwei große Vögel aufgeflogen. Kraniche? Das Presseler Heidewald- und Moorgebiet entfaltet gleich hinter Wöllnau seine Reize. Doch die idyllische Landschaft ist Konfliktgebiet. „Wir wollen kommenden Generationen zeigen, was so eine ursprüngliche Landschaft ausmacht. Doch bis hierher und nicht weiter. Der Schwarzbach soll die Grenze sein“, zeigt Bürgermeister Roland Märtz (CDU) die Fläche, die seit zirka 25 Jahren zur Kernzone des Presseler Heidewald- und Moorgebietes gehört.

Morastige Wasserpfützen

Morastige Wasserpfützen.

Quelle: Heike Liesaus

Der Doberschützer Bürgermeister und Karsten Ittner, Vorsitzender der Agrargenossenschaft Heideglück, der angrenzende Flächen gehören, hatten sich zum Vorort-Termin mit Landrat Kai Emmanuel (parteilos) und Uta Schladitz von der Wirtschaftsförderung des Landkreises getroffen. Die Vernässung der Flächen und somit der Konflikt, der sich zwischen der Entwicklung eines Naturrefugiums und der vom Menschen besiedelten und genutzten Landschaft auftut, sollten vorgeführt werden. Das ist gerade besonders anschaulich, weil das Wasser im Schwarzbach hoch steht. Auf der dem Wald zugewandten Fläche, die zum Kerngebiet gehört, ist zu erleben, was der Grundwasseranstieg bewirkt: Bei jedem Schritt zwischen den wintergrauen Grasbüscheln bilden sich morastige Wasserpfützen rund um die Gummistiefel. Gut fürs Moor. Weniger gut für Anlieger im Einzugsgebiet.

Rad zurückgedreht

In den 70er-Jahren wurde die Landschaft mit Melorationskanälen durchzogen, somit entwässert und als Ackerfläche nutzbar. Seit 1992 wurde das Rad zurückgedreht. „Und das war richtig. Denn auf dem Kies im Untergrund liegt nur die Moorschicht. Der Boden wäre nicht fruchtbar geblieben. Doch mit dem Grundwasseranstieg kann die Ortskanalisation nicht mehr richtig entwässern“, verdeutlicht Märtz. „Keller werden nass. Landwirtschaftsflächen unbrauchbar, die außerhalb des Presseler Heidewalds liegen. Da können Entschädigungen fällig werden.“ Das Miteinander gestaltet sich nicht einfach, deutet Ittner an: „Da wird die Drainage gekappt, die Fläche vernässt und dann wird gesagt: Na, verkauft sie uns mal.“ Nicht allein seinem Betrieb werden über den Naturschutz Produktionsgrundlagen entzogen.

Anlieger gegen Erweiterung

Als nun das Kerngebiet des Presseler Heidewald- und Moorgebietes, in das Bund und Land bereits Millionen Euro investierten, mit dem Naturschutzprojekt Schwarzbachniederung um 1600 Hektar erweitert werden sollte, hatte es voriges Jahr 400 Einwände gehagelt. Nicht allein aus Wöllnau, sondern auch aus Battaune sowie Görschlitz, das zur Nachbargemeinde Laußig gehört. Das Verfahren liegt vorerst auf Eis. Im Auftrag des Landratsamtes läuft eine hydrologische Untersuchung.

Kommunikation und Kompromissbereitschaft zwischen den Beteiligten sei gefragt, mahnte Emmanuel an. Das gilt selbst innerhalb seines Hauses zwischen Naturschutz und Wasserbehörde. Landwirt Ittner sieht wenig Spielraum: „Die Landwirtschaft hat, denke ich, bereits viel Kompromissbereitschaft gezeigt. Mit einer Gebietserweiterung würden die Wasserprobleme noch zunehmen.“

Abfluss-Forderungen

Nicht allein die Grenze am Schwarzbach, auch die des Grundwasseranstiegs sieht Märtz erreicht. „Das Wasser muss wegkönnen. Und der Schwarzbach sollte wieder als Vorflutersystem nutzbar sein.“ Wegen der zirka einen Meter hohen Sedimentschicht sei der Querschnitt eingeschränkt. Der 20 Kilometer lange Graben müsste grundlegend entschlammt werden. Die Kosten werden auf 400 000 Euro geschätzt. „Wenn jedes Jahr ein Kilometer dran ist, dann sind das 20 000 Euro jährlich. Und dann ist man in 20 Jahren auch durch.“ Außerdem sei das Bachbett zu hoch angelegt worden, wo Straßenbrücken gebaut wurden. Auch das wäre eigentlich zu nivellieren.

Von Heike Liesaus

wöllnau dorfstraße 51.542796572567 12.700515631738
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