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Eilenburg Konsum-Marken zum Schmunzeln
Region Eilenburg Konsum-Marken zum Schmunzeln
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21:11 16.05.2010
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Eilenburg

Die Gemeinschaftsausstellung zeigt die Entwicklung der Konsumgenossenschaft in Nordsachsen, die in diesem Jahr ihr 160. Jubiläum begeht. Für Eilenburg ist das besonders bedeutsam, weil in der Muldestadt quasi  die Wiege der Genossenschaft stand. 1850 gründeten Handwerker und Arbeiter die örtliche „Lebensmittel-Association“ und somit die erste Verbrauchergenossenschaft in Deutschland. In seiner Eröffnungsrede machte Museumsleiter Andreas Flegel deutlich, warum Eilenburg zur Geburtsstätte des Konsum werden konnte. Er spannte einen weiten Bogen in zurückliegende Jahrhunderte und beschrieb die rasante Entwicklung der Stadt, nachdem erste Mühlen und Manufakturen entstanden waren. Bald ging die erste Dampfmaschine in Betrieb und mit fortschreitender Industrialisierung wuchs die Bevölkerung stetig. Lebten um 1800 etwas mehr als 2000 Menschen hier, waren es 50 Jahre später über 10 000. Die Stadt platzte seinerzeit förmlich aus allen Nähten.

[gallery:700-NR_LVZ_GALLERY_1991]Die Konsumgenossenschaft überlebte zunächst drei Jahre, wurde am 5. März 1898 jedoch wiedergegründet. Ende des 19. Jahrhunderts erlebte das Konsumgenossenschaftswesen, nicht zuletzt durch das Erstarken der Arbeiterbewegung, einen enormen Aufschwung und entwickelte sich zur mitgliedsstärksten Vereinigung Deutschlands. In Eilenburg zählte der Verein  im Jahr 1930 2380 Mitglieder. Neben Verkaufsstellen gab es eine Bäckerei, Schlachterei und Versicherungsabteilung.

In der Nachkriegszeit war der Konsum ein wichtiger Bestandteil zur Versorgung der Bevölkerung. Die hiesige Genossenschaft entwickelte sich in den 50er- und 60er-Jahren zum stärksten Einzelhandelsunternehmen im damaligen Gebiet des Altkreises Eilenburg. 1961 gab es 76 Lebensmittel-, 37 Industriewarenverkaufsstellen und 24 Gaststätten. 1991 schlossen sich die Konsumgenossenschaften Eilenburg, Torgau und Wurzen zur Konsumgenossenschaft Sachsen-Nord eG zusammen. Heute beschäftigt das traditionsreiche Unternehmen 250 Mitarbeiter. Wie berichtet, war es im April gezwungen, Insolvenz anzumelden. Vorstandssprecherin Gabriele Grismajer versicherte jedoch, die Lage sei nicht hoffnungslos sei und es würden alle Anstrengungen unternommen, um den Konsum wieder auf Gewinnkurs zu bringen.

Sichtlich berührt von der Ausstellung und den Worten Grismajers zeigte sich Wolfgang Richter. „Ich bin mit dem Konsum fest verwurzelt“, erklärte der Eilenburger, der als Vorstandschef 28 Jahre die Geschicke des Unternehmens führte. „Ein wenig Wehmut klingt durch, wenn man die heutige bedauerliche Situation betrachtet“, fuhr er fort. „Die Ausstellung ist sehr gut aufgearbeitet“, fand er lobende Worte für das Museumsteam. Flegel habe die Bedeutung der Konsumgründung in Eilenburg und die geschichtlichen Hintergründe dazu gut recherchiert. Leonhard Rudloff interessiert sich sehr für Eilenburger Geschichte. „Die Ausstellung ist bemerkenswert und weckt Erinnerungen.“ Auch er und seine Frau Brigitte klebten viele Jahre Konsum-Marken. Nicht nur diese Heftchen regen zum Schmunzeln an, auch ehemalige DDR-Produkte, Arbeitsutensilien und Werbeplakate sind zu sehen. Karin Heinrich beispielsweise, die 22 Jahre als Schreibwarenverkäuferin arbeitete, stellte leihweise alte Brigadebücher zur Verfügung. Besonders gefiel die Dia-Schau mit Bildern aus den 50er- bis 80er-Jahren. Diese stammen vorwiegend aus dem Archiv der Konsum Sachsen Nord eG.

Heike Nyari

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