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Kossener kämpfen um zügigen Bau des Flügeldeiches

Kossener kämpfen um zügigen Bau des Flügeldeiches

Nasse Mauern, Sperrmüll, Renovierung. Schon wieder. - Für die vom Hochwasser betroffenen Familien im Jesewitzer Ortsteil Kossen ist besonders bitter: Ein schützender Deich hätte bereits stehen können.

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Landrat Michael Czupalla diskutiert mit Bürgermeister Ralf Tauchnitz und Kossener Anwohnern.

Quelle: Heike Liesaus

Kossen. EU-Gesetze aber schützen die Brutzeit des Seeadlers. Die Landesdirektion verordnete mehrere Monate Bauruhe. Aber nun soll es trotz Seeadler keinen Verzug mehr geben. "Der Punkt hat jetzt absolut Vorrang", will sich Landrat Michael Czupalla (CDU) für den Weiterbau ohne Unterbrechung einsetzen.

Der neue Ringdeich vor Kossen hat dem Juni-Hochwasser Stand gehalten, allerdings war er nur zur Hälfte fertig . Auch jetzt darf nur mit Ausnahmegenehmigung an der Deichscharte, der Durchfahrt die im Hochwasserfall geschlossen wird, gebaut werden. Erst ab 15. Juli dürfen die Erdarbeiten, bei denen die schwere Baugeräte dann auch auf der Flussseite des Dammes eingesetzt werden müssen, wieder aufgenommen werden. "Effektiv kann nur sechseinhalb Monate im Jahr gebaut werden", erklärte der Jesewitzer Bürgermeister Ralf Tauchnitz (WV) Landrat Michael Czupalla bei einem Treffen mit Anwohnern im Ort, bei dem es neben Hilfe bei der Schadensbeseitigung auch um den Stand des Deichbaus ging. - "Was soll das? Da fliegen jede Nacht 90 Flugzeuge drüber, die B 107 ist dem Nest näher als unser Dorf", argumentierte Anwohner Siegfried Knappe. Früher habe der Adler auch weiter weg vom Dorf gebrütet, er sei trotz des Krachs etwas näher herangezogen. Eine Familie hatte gerade vor wenigen Wochen ihr Haus nach einer Sanierung wieder bezogen, nun beseitigt sie erneut Hochwasserschäden.

"Hier ist die Geduld zu Ende", schätzte Czupalla ein. Da könne weder sein, dass die Arbeiten, falls noch nicht fertig, im Oktober schon wieder unterbrochen würden, noch sollten sie erst wieder am 15. des Monats aufgenommen werden: "Die müssen früher anfangen", wollte er sich einsetzen. Worte, die den Anliegern natürlich aus dem Herzen sprachen. Auch die Gemeinde habe schon ein Schreiben an die Landesdirektion und an den sächsischen Umweltminister Kupfer aufgesetzt, das "hier durchgemacht wird, bis zum Ende", berichtete Tauchnitz. Die Baufirma habe zwar gesagt, dass sie gute Chancen sieht, das Projekt bis Oktober zu vollenden, "aber was, wenn es mal vier Wochen regnet und die nicht bauen können?".

Nein, hier denke keiner daran, sein Haus aufzugeben, erklärten die Nachbarn auf Nachfrage Czupallas. Allerdings: Ein Anwohner will sein zum zweiten Mal geflutetes Haus abreißen. Aber wieder neu aufbauen. Urban Trültzsch vom Ortschaftsrat erkundigte sich, ob sich hier etwas mit möglichst schnellen Genehmigungen machen ließe. Auch um die Belange eines alleinstehenden Anwohners, der die Geschehnisse nicht verkraftete und ins Krankenhaus musste, soll sich gekümmert werden.

"Wir werden auch organisieren, dass die Sächsische Aufbaubank zu einem Termin kommt, hier vor Ort, wenn nötig auch ein zweites Mal", versprach Uta Schladitz, verantwortlich für Wirtschaftsförderung im Landkreis. Mittlerweile belaufe sich die Summe der Schäden im Landkreis auf 110 Millionen Euro. Diesmal habe es größere Schäden auf landwirtschaftlichen Flächen gegeben, etwa 10 000 bis 11 000 Hektar waren betroffen, die im Gegensatz zum August 2002 noch nicht abgeerntet waren. Schaden: rund elf Millionen Euro. "Wir hoffen, dass die Förderrichtlinien für Bürger, Unternehmen und Kommunen in den nächsten Tagen herausgegeben werden", berichtete Schladitz. Ab 15. Juli soll ein Beratungsbüro für Hochwasserbetroffene in der Landratsamt-Außenstelle Delitzsch eröffnet werden.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 09.07.2013

lis

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