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Eilenburg Kreishandwerkerschaft Nordsachsen denkt über Fusion mit Leipzig-Land nach
Region Eilenburg Kreishandwerkerschaft Nordsachsen denkt über Fusion mit Leipzig-Land nach
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00:17 29.01.2016
Sieht fürs Handwerk optimistisch in die Zukunft. Quelle: Heike Liesaus
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Eilenburg

Die Kreishandwerkerschaft Nordsachsen hat ihren Sitz in Eilenburg. Dort lebt auch Kreishandwerksmeister Matthias Vogt. Im Gespräch mit der LVZ erklärt der 43-jährige Malermeister, der auch als berufener Bürger für die CDU-Fraktion im Eilenburger Stadtausschuss engagiert ist, warum die Organisation wichtig ist, weshalb über eine Fusion nachgedacht wird und warum er Handwerker ist.

Wozu ist die Institution Kreishandwerkerschaft heute noch gut?

Wir vertreten die Interessen aller Handwerker. Auch wenn nur die Innungsbetriebe hier organisiert sind, in denen die Mitgliedschaft ja keine Pflicht ist. Darüber hinaus werden auch Aufgaben für die Handwerker übernommen, zum Beispiel die Ausgabe der Umweltplaketten für Kfz-Betriebe. Wir halten gegenüber der Politik die Stellung. Gerade weil bereits viel entschieden wurde, was dem Handwerk letztlich schadete: Mit der Novellierung des Handwerks-Gesetzes ist zum Beispiel der Meisterzwang für Fliesenlegerbetriebe gefallen. Das Resultat: Gute Betriebe sind zerfallen. Einzelne Mitarbeiter haben sich in Ich-AGs selbstständig gemacht. Aber gute Ausbildung schaffen nur Handwerksbetriebe.

Ein anderer Kritikpunkt war die Bürokratie.

Die Stundennachweise mit Unterschriften oder die Vorfälligkeit für Sozialversicherungen. Da müssen wir erst einen festgesetzten Betrag überweisen, dann wird der reale Betrag ermittelt und wieder gegengerechnet. Das wird alles komplizierter, hemmt die Betriebe und ist ein Kostenaufwand. Die Kreishandwerkerschaft hat auf solche Missstände an passender Stelle hinzuweisen.

Was haben Sie als Kreishandwerksmeister zu tun? Sicher häuften sich in den letzten Tagen die Neujahrsempfänge.

Das gehört sicher dazu. Oder Öffentlichkeitsarbeit, wie jetzt. Aber ich setze mich auch ein, wenn andere Probleme haben. Wenn zum Beispiel ein Geschäft den Parkplatz vor der Tür wiederbekam, der weggefallen war, weil ein Verkehrsschild versetzt wurde. Positiv ist, dass die Eilenburger Verwaltung offen reagiert, wenn jemand Probleme anspricht.

Nun ist Eilenburg gleich vor der Haustür. Doch auch Delitzscher, Oschatzer und Torgauer haben Probleme.

In den größeren Orten wollen wir Ansprechpartner für die Mitglieder haben. So sind wir schon länger in Torgau und Oschatz präsent. Um das zu verbessern, sind wir auch im Gespräch mit der Kreishandwerkerschaft Leipzig-Land, um zu fusionieren. Das würde uns helfen, die Qualität zu erhöhen, die Reaktionsgeschwindigkeit auf Anfragen zu verbessern. Das wird allein schwierig. Wenn vielleicht die Buchführung gemeinsam erfolgt, könnte sich unsere Geschäftsführerin zum Beispiel wiederum besser der Öffentlichkeitsarbeit widmen, um den einen oder anderen Betrieb von den Vorteilen einer Mitgliedschaft zu überzeugen.

Welche Argumente lassen sich da anführen?

Es geht ja nicht allein darum, nur Geld zu bezahlen. Bei gerichtlichen Auseinandersetzungen gibt es auch Rechtsbeistand und kostenlose Rechtsberatung, was sehr oft schon mehr als den Beitrag aufwiegt. Es geht aber auch um Gemeinschaft. Es gibt sogar Innungsausfahrten.

Sind denn alle so gern mit der Konkurrenz unterwegs?

Wir wollen uns nicht als Konkurrenz sehen, sondern durchaus gemeinschaftlich. Wenn zum Beispiel ein Auftrag zu groß ist, ist es besser, einen Kollegen einzubeziehen, als Leiharbeiter einzusetzen.

Das funktioniert?

Ich teile da gerne. Aber es kann schon sein, dass der andere auch gerade viel zu tun hat und seinen Mitarbeiter nur 14 Tage entbehren kann. Denn generell scheinen mir die Betriebe in der Innung eher gut aufgestellt.

Wie ist das gemeint?

Sie sind organisierter. Mein Vater war ja schon Innungsobermeister. Damals waren die Betriebe generell größer. Nach der Novellierung gab es die Zersplitterung, aber mittlerweile melden sich viele, die in die Selbstständigkeit gegangen sind, wieder zurück, um ins Angestelltenverhältnis zu gehen.

Das Eilenburger Bürgermeisterhaus, das die Kreishandwerkerschaft in Erbpacht nutzte und Anfang der 90er sanierte, soll nun veräußert werden, die KHW will zur Miete bleiben, aber die genutzte Fläche verkleinern. Ein Grund dafür ist ja, dass die Zahl der Mitglieder ist in den vergangenen Jahren zurückging.

Das ist eine Entwicklung der vergangenen zehn Jahre. Aktuell stagnieren die Zahlen. Denn es gibt Abmeldungen, die sich mit den Anmeldungen von jungen Leuten in etwa die Waage halten. Wir müssen den Wandel vollziehen, aber auch das Konstrukt erhalten.

Sie scheinen da noch andere Gründe zu haben als Organisation und Rechtsbeistand.

Früher war es eine Ehre und eine Pflicht in der Innung zu sein. Es gab strenge Regeln. Da wurde selbst gemeinsam entschieden, ob ein Stuhl von Eilenburg nach draußen geht, ob er die richtige Qualität hat. Diese Art ist ein bissel verloren gegangen. Aber es war damals wie heute eine Informationsplattform.

Ein Handwerker mit Leib und Seele also?

Ich habe schon als Kind in der Schule gesagt, dass ich Malermeister werden will. Mir hat es gefallen, dass mein Vater wenn er mit dem PGH-Transporter unterwegs war, ständig Leute auf der Straße grüßte und gegrüßt wurde. Das ist nur so, wenn man gute Arbeit macht. Das geht leider vielen, die sich derzeit nach einer Ausbildung umsehen, verloren, das Gefühl, wie toll das ist, ein Produkt herzustellen, über das sich der Kunde freut.

Wie sehen Sie die Zukunft des Handwerks?

Optimistisch. Das ist meine Grundhaltung. Mir ist ja auch noch nie etwas Schlimmes passiert. Und vieles ist mir nur gelungen, weil ich positiv bin. So sind auch Sachen mit dem Stadtrat und dem Kreishandwerksmeister auf mich zugekommen. Ich wurde gefragt und ich kann schwer nein sagen. Auf irgendwelchen Podien sitzen, will ich eher nicht.

Interview: Heike Liesaus

Von Heike Liesaus

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