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Kunstschmied aus Hohenprießnitz setzt auf Leipzigs schwarze Gestalten

Handwerk Kunstschmied aus Hohenprießnitz setzt auf Leipzigs schwarze Gestalten

Bei Schmied Roger Widdermann in Hohenprießnitz hängen viele Hämmer in der Werkstatt. Mit rund 800 Kilogramm wiegt einer sogar etwas mehr. Mit dem nicht zu übersehenden Schmuckstück an der Fassade will er Aufmerksamkeit erregen. Dabei setzt der Familienbetrieb vor allem auf Märkte und Veranstaltungen wie dem Wave-Gotik-Treffen in Leipzig.

Claus Gröhn (links ) und Vertreter der Handwerkskammer im Gespräch mit Karin und Roger Widdermann (rechts).

Quelle: Ilka Fischer

Hohenprießnitz. Da hängt der Hammer. Schmiede sollen einst mit diesem Spruch ihre neuen Lehrlinge begrüßt haben. In der Schmiede der Familie Widdermann finden sich etliche Exemplare, doch einer hängt, oder korrekter fliegt übermanngroß an der Fassade ihres Wohn- und Arbeitshauses in Hohenprießnitz. So mancher Autofahrer auf der Bundesstraße 107 wird sich schon darüber gewundert haben. Und auch die Delegation der Handwerkskammer zu Leipzig kam bei ihrem Besuch an diesem rund 800 Kilogramm schweren Koloss nicht herum.

Warum er hier seit etwa zwei Jahren die Fassade ziert, ist einfach erklärt. „Dabei handelt es sich um Thors Hammer“, erklärt Roger Widdermann. Für ihn passt dieser doppelt, denn zum einen gehört der Hammer nun mal zur Schmiede, zum anderen interessiert er sich sehr für die alte germanische Mythologie. „Wenn der auch als Donnergott bezeichnete Thor seinen Hammer warf“, so erzählt der Schmied, der eigentlich gelernter Schlosser und studierter Maschinenbauingenieur ist, „blitzte es am Himmel. Der von Ziegen gezogenen Streitwagen Thors ließ zudem den Himmel donnern.“

Bürokratiewahn braucht reinigendes Gewitter

Gegen ein reinigendes Gewitter, das den ganzen Bürokratiewahn niederzwingt, hätte man in der Schmiede Widdermann, die nach der Wende auch mal bis zu vier Gesellen zählte, inzwischen aber als reines Familienunternehmen mit Frau und Tochter fungiert, absolut nichts. „Es geht nicht darum, keine Steuern zu zahlen“, so Roger Widdermann, „aber ohne meine Frau, die das Büro macht, käme ich überhaupt nicht zum eigentlichen Arbeiten.“ Und diese liebt der 58-Jährige noch immer.

Nach der Wende, als er arbeitslos wurde, fasste er sich ein Herz. „Ich machte dann mit dem Kunstschmieden das, was ich schon immer wollte.“ In die Doppelgarage der Schwiegereltern zogen der Trabi aus, Amboss, Feuerschüssel und auch ein transportables historisches Schmiedefeuer dafür ein. Mit Letzterem ist die Schmiede der Hingucker auf den zehn bis zwölf Märkten, die die Widdermanns immer noch jedes Jahr besuchen. „Das Wave-Gotik-Treffen in Leipzig hat sich dabei für uns zum Hauptabsatzmarkt entwickelt“, hat Karin Widdermann ausgemacht. Öfter sei es zudem so, dass auf den Märkten erst einmal nur geschaut und später dann gekauft werde. Seit dem Frühjahr gebe es auch deshalb den Online-Shop.

Hoffest zur Wintersonnenwende

Inwieweit die sehr aufwendigen Marktbesuche durchzuhalten sind, bleibt abzuwarten. Doch das Heimspiel beim Weihnachtsmarkt im Schloss Hohenprießnitz ist gesetzt. Die Tradition, am 21. Dezember, den Tag der Wintersonnenwende, ab 13 Uhr zum Hoffest einzuladen, soll möglichst lange fortgeführt werden. Anders sieht das bei der Ausbildung aus. „Davon habe ich mich schweren Herzens verabschiedet“, erklärt Roger Widdermann. „Neben dem zeitlichen Aufwand lässt es sich auch finanziell einfach nicht stemmen.“ Der Lehrling müsse bezahlt werden, auch wenn er das Schmieden erst noch lernen muss. Und dann koste auch noch die Theorie samt Prüfungen viel Geld. Claus Gröhn, Präsident der Handwerkskammer zu Leipzig, kennt diese Nöte. „Auch deshalb kämpfen wir als Handwerkskammer für eine Gleichbehandlung.“ Es könne nicht sein, dass die akademische Ausbildung vom Staat finanziert wird, die berufliche aber von den Handwerkern bezahlt werden soll.

Von Ilka Fischer

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