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LVZ-Leser spenden fast 6000 Euro für 16-jährigen Eilenburger

Ein Tandem für mehr Freiheit LVZ-Leser spenden fast 6000 Euro für 16-jährigen Eilenburger

Seit fünf Jahren kämpft die Eilenburgerin Jeannette Schabehorn vergeblich um ein Therapie-Rad für ihren behinderten Sohn Julian. Jetzt haben es die Spenden der LVZ-Leser möglich gemacht. Rund 6000 Euro kamen bei der Aktion „Ein Licht im Advent zusammen“

Im niederländischen Vaarsseveld fuhren Mutter und Sohn solch ein Tandem schon mal zur Probe,

Quelle: Wolfgang Sens

Eilenburg. Die LVZ-Leser haben es mit ihren Spenden möglich gemacht: Julian bekommt endlich sein Therapie-Rad. Dank der 5882 Euro, die bei der LVZ-Spendenaktion „Ein Licht im Advent“ zusammengekommen sind, ist nun zuzüglich eigener Mittel sogar der Kauf eines Tandems möglich. Die 44-Jährige kann es noch immer nicht so richtig fassen: „Uns vollkommen fremde Menschen haben es ermöglicht, dass dieser Wunsch wahr wird. Ich kann allen nur von ganzem Herzen danken.“ Für den 16-jährigen Eilenburger, der seit seiner Geburt am Marfan-Syndrom und einer geistigen Behinderung leidet, und dessen Mutter Jeannette Schabehorn ist dies wahrlich das schönste Geschenk in der Weihnachtszeit.

Als Redaktionsleiter Frank Pfütze den Schabehorns im Beisein von Thomas Rauer und Torsten Pötzsch vom Diakonischen Werk Delitzsch-Eilenburg, das die Spendenaktion unterstützend begleitete, sowie Fahrradhändler Christian Paul symbolisch das Geld überbrachte, strahlten Mutter und Sohn. „Fahren ist cool. Mutti muss aber lenken“, sprudelte es aus dem Jungen heraus. Von den ersten Fahrversuchen auf dem neuen Gefährt gibt es bereits ein Foto. Vor ein paar Tagen waren die beiden im niederländischen Varsseveld, wo die speziellen Räder hergestellt werden. „Wir haben in den vergangenen Wochen viel recherchiert, Christian Paul hat uns da sehr geholfen. Schließlich gibt es verschiedene Modelle, da muss man das geeignete finden.“ Der Händler legte zudem noch 250 Euro mit in den Spendentopf und baut das 44 Kilogramm schwere Therapie-Rad, das in sechs bis acht Wochen erwartet wird, zusammen. Das werde sicher einige Stunden in Anspruch nehmen, sagt er, weil dieses Gefährt in keinen Montageständer passe. Für die Schabehorns ist diese Lösung wegen der Nähe zum Wohnort eine sehr gute.

Das Therapie-Rad wird das Leben der beiden entscheidend bereichern. Julian, der in Leipzig die Werner-Vogel-Schule, eine Förderschule der Diakonie, besucht, ist aufgrund seiner Erkrankung in seiner Bewegung, Motorik und Koordinationsfähigkeit eingeschränkt. Herz, Muskeln und Wirbelsäule sind in Gefahr. Schon 2011 verordnete die behandelnde Ärztin Julian ein Therapie-Dreirad. Mit einem handelsüblichen Rad kann der Junge nicht fahren, würde umkippen, weil er Lenken, Treten und Gleichgewicht nicht koordinieren kann. Mehrere Gutachten und Empfehlungen bestätigten die Aussage der Ärztin. Die Krankenkasse aber lehnte die Kostenübernahme ab. Jeannette Schabehorn hat sich damit nie abfinden wollen und kämpft seit fünf Jahren: „So, wie man um so vieles kämpfen muss, wenn man in solch einer Situation ist.“

Als sie vor einigen Wochen einen Anruf von der LVZ bekam und von dem Projekt erfuhr, hatte sie nicht geglaubt, dass die Resonanz so überwältigend sein sollte. Sie habe selbst mit vielen Menschen gesprochen, sei baff, wie viele an ihrem Schicksal teilhaben und ihr helfen. „Wir wussten nicht, mit wie viel Geld wir rechnen können. Rund 6000 Euro von unseren Lesern, das ist ein fantastisches Ergebnis“, zeigte sich auch Frank Pfütze erfreut. Diakonie-Geschäftsführer Thomas Rauer war ebenso überrascht. Es sei ein schönes Projekt und gut zu sehen, „dass Menschen etwas Positives wollen. Es macht Mut, dass die Welt auch gut sein kann“, sagte Rauer mit Blick auf die schlimmen Ereignisse in Berlin.

Dass jetzt sogar ein Tandem möglich ist, freut Jeannette Schabehorn umso mehr: „Das gibt uns beim Fahren zusätzliche Sicherheit.“ Das Rad sei für sie wahrlich kein Luxus, sondern ermögliche ihrem Sohn, aktiver am normalen Leben teilzunehmen. Auf die ersten Testfahrten freuen sich Mutter und Sohn schon. „Vielleicht in die Kollauer oder Thallwitzer Gegend. Ich habe meinem Sohn von meinen Orten der Kindheit erzählt. Das hat ihn sehr interessiert.“ Künftig seien auch Besuche des Mühlentages oder eine Familien-Tour zum Herrentag per pedes möglich.

Positiver Nebeneffekt: Jeannette Schabehorn hat durch die Spendenaktion viele Verbindungen knüpfen können. So zum Beispiel zur Kinder- und Jugendarche. Das Team um Yvonne Henselin hält viele Freizeitangebote bereit und Julian will das eine oder andere nutzen.

Von Kathrin Kabelitz

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