Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Eilenburg Landgericht Leipzig: Eilenburger sieht sich von seiner Umwelt bedroht
Region Eilenburg Landgericht Leipzig: Eilenburger sieht sich von seiner Umwelt bedroht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:13 24.03.2016
Am Landgericht Leipzig sitzt derzeit ein gewalttätiger, psychisch kranker Eilenburger auf der Anklagebank. Quelle: André Kempner
Anzeige
Leipzig/Eilenburg

Im Prozess gegen einen geisteskranken, gewalttätigen Eilenburger hat sich diese Woche der psychiatrische Gutachter geäußert. Mehrere Male traf sich der Leitende Oberarzt aus dem Klinikum St. Georg mit Martin K., um sich ein Bild zu machen von der Gedankenwelt des jungen Mannes. Was geht vor in diesem 26-Jährigen, der jahrelang Passanten in Eilenburg-Ost terrorisierte?

„Was genau Sie umtreibt, das wissen nur Sie selbst. Ich versuche lediglich, mich Ihnen anzunähern“, wandte sich Gutachter Dr. Christof Hieronymus im Gerichtssaal an den Angeklagten. Martin K. wird beschuldigt, diverse Personen – vor allem Ausländer und Frauen – bespuckt, beleidigt, geschlagen, mit Flaschen beworfen oder gar mit Tritten traktiert zu haben (wir berichteten). Tatorte waren unter anderem die Windmühlen-, die Puschkin- und die Wurzener Straße in Eilenburg. Oft begannen die Übergriffe wortlos und ohne Vorwarnung, ohne erkennbaren Anlass. Die Opfer trugen zum Teil Schürf- oder Platzwunden davon, in einem Fall war eine Frau vier Monate lang dienstunfähig.

Gutachter beschreibt Seelenqualen

Der Gutachter erkennt bei Martin K. eine Schizophrenie mit Denkstörungen und Realitätsverlust. Allein im Juni und Juli vergangenen Jahres meldete sich der junge Mann fünfmal im Krankenhaus – wegen angeblicher körperlicher Beschwerden. „Doch die Ärzte konnten ihm nicht helfen, denn was ihn quält, kommt von der Seele“, erklärte Hieronymus. „Er wurde folglich weggeschickt, fühlte sich unverstanden und in seiner Annahme bestätigt, dass alle sich gegen ihn verbündet haben.“ Mit gravierenden Folgen: Immer wieder ging er in der Nähe seiner Wohnung auf Mitmenschen los, die er persönlich nicht kannte. Unter anderem auf einen Abwasserkanal-Arbeiter, von dem er glaubte, er verseuche das Trinkwasser. Er zerstörte eine Sat-Empfangsanlage aus Angst vor Strahlung, übergoss Menschen mit Wasser, um sie aus der Masse des Bösen herauszulösen. In einem Rucksack, den er oft bei sich hatte, trug er ein etwa 30 Zentimeter langes Messer mit sich herum. Es kam nie zum Einsatz – „ich wollte mich nur schützen“, erklärte der 26-Jährige. Ist er ein politisch motivierter Ausländerfeind? Der Gutachter hält das für unwahrscheinlich. Betroffene von Psychosen rückten oft Nebensächlichkeiten in den Fokus, wie etwa eine bestimmte Haar- oder Hautfarbe – und damit eine Personengruppe.

Denkstörungen bestehen weiterhin

Unklar ist, seit wann die Schizophrenie bei Martin K. besteht. Als Kind sei er nicht sonderlich auffällig gewesen – er verließ die Schule nach der achten Klasse. Allerdings konsumierte er bereits mit 13, 14 Jahren Cannabis, Extasy, Crystal Meth. Mit 24 schaffte er aus eigenem Antrieb den abrupten Entzug, wurde auf Medikamente eingestellt, die er jedoch im Frühjahr 2015 absetzte. Wenig später, so beschrieb es seine Mutter, kam die Psychose zurück, „wie ein Sturm, der sich langsam aufbaut“ – diesmal ohne die Einwirkung von Drogen. „Die Denkstörungen bestehen weiterhin“, diagnostizierte der Gutachter. Martin K., seit Oktober in der Klinik für Psychiatrie Altscherbitz untergebracht, sei noch lange nicht so stabil, dass er außerhalb des geschützten Raumes leben könne. Der Eilenburger soll, so der Antrag der Staatsanwaltschaft, auf längere Sicht in den Maßregelvollzug. Das Urteil wird Mitte April erwartet.

Von Kay Würker

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Gewonnen! Die Wöllnauer Jugendfeuerwehr kann sich bald ihren eigenen Tragkraftspritzenanhänger leisten. Der kostet 5267 Euro. Und 4000 Euro gab’s jetzt aus der Aktion Angestupst, die Sparkasse Leipzig und LVZ seit drei Jahren gemeinsam anschieben.

26.08.2016

Vorsicht, wachsamer Nachbar! In Eilenburg sind am Dienstagmorgen gegen 8.30 Uhr einem 78-jährigen Kleingärtner aus der Sparte „Grüner Fink“ zwei Männer merkwürdig vorgekommen, die mit einem Pizza-Auto Halt machten.

23.03.2016

Der Umzug der Rettungsleitstelle Delitzsch nach Leipzig verschiebt sich. Für die Bürger ändert sich nichts. Sehr wohl jedoch für die Feuerwehren im Landkreis, für die Rettungsdienstler und die Mitarbeiter der nordsächsischen Rettungsleitstelle. Denn die hatten sich für nächste Woche auf einen Umzug eingestellt.

23.03.2016
Anzeige