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Landgericht Leipzig: Eilenburger sieht sich von seiner Umwelt bedroht

Prozess Landgericht Leipzig: Eilenburger sieht sich von seiner Umwelt bedroht

Über Jahre hinweg soll ein heute 26-Jähriger Passanten in Eilenburg bespuckt, beleidigt, geschlagen, mit Flaschen beworfen oder mit Tritten traktiert haben. Der Mann ist derzeit in der Klinik für Psychiatrie Altscherbitz untergebracht, das Landgericht Leipzig verhandelt seine Zukunft. Dort äußerte sich nun der psychiatrische Gutachter.

Am Landgericht Leipzig sitzt derzeit ein gewalttätiger, psychisch kranker Eilenburger auf der Anklagebank.

Quelle: André Kempner

Leipzig/Eilenburg. Im Prozess gegen einen geisteskranken, gewalttätigen Eilenburger hat sich diese Woche der psychiatrische Gutachter geäußert. Mehrere Male traf sich der Leitende Oberarzt aus dem Klinikum St. Georg mit Martin K., um sich ein Bild zu machen von der Gedankenwelt des jungen Mannes. Was geht vor in diesem 26-Jährigen, der jahrelang Passanten in Eilenburg-Ost terrorisierte?

„Was genau Sie umtreibt, das wissen nur Sie selbst. Ich versuche lediglich, mich Ihnen anzunähern“, wandte sich Gutachter Dr. Christof Hieronymus im Gerichtssaal an den Angeklagten. Martin K. wird beschuldigt, diverse Personen – vor allem Ausländer und Frauen – bespuckt, beleidigt, geschlagen, mit Flaschen beworfen oder gar mit Tritten traktiert zu haben (wir berichteten). Tatorte waren unter anderem die Windmühlen-, die Puschkin- und die Wurzener Straße in Eilenburg. Oft begannen die Übergriffe wortlos und ohne Vorwarnung, ohne erkennbaren Anlass. Die Opfer trugen zum Teil Schürf- oder Platzwunden davon, in einem Fall war eine Frau vier Monate lang dienstunfähig.

Gutachter beschreibt Seelenqualen

Der Gutachter erkennt bei Martin K. eine Schizophrenie mit Denkstörungen und Realitätsverlust. Allein im Juni und Juli vergangenen Jahres meldete sich der junge Mann fünfmal im Krankenhaus – wegen angeblicher körperlicher Beschwerden. „Doch die Ärzte konnten ihm nicht helfen, denn was ihn quält, kommt von der Seele“, erklärte Hieronymus. „Er wurde folglich weggeschickt, fühlte sich unverstanden und in seiner Annahme bestätigt, dass alle sich gegen ihn verbündet haben.“ Mit gravierenden Folgen: Immer wieder ging er in der Nähe seiner Wohnung auf Mitmenschen los, die er persönlich nicht kannte. Unter anderem auf einen Abwasserkanal-Arbeiter, von dem er glaubte, er verseuche das Trinkwasser. Er zerstörte eine Sat-Empfangsanlage aus Angst vor Strahlung, übergoss Menschen mit Wasser, um sie aus der Masse des Bösen herauszulösen. In einem Rucksack, den er oft bei sich hatte, trug er ein etwa 30 Zentimeter langes Messer mit sich herum. Es kam nie zum Einsatz – „ich wollte mich nur schützen“, erklärte der 26-Jährige. Ist er ein politisch motivierter Ausländerfeind? Der Gutachter hält das für unwahrscheinlich. Betroffene von Psychosen rückten oft Nebensächlichkeiten in den Fokus, wie etwa eine bestimmte Haar- oder Hautfarbe – und damit eine Personengruppe.

Denkstörungen bestehen weiterhin

Unklar ist, seit wann die Schizophrenie bei Martin K. besteht. Als Kind sei er nicht sonderlich auffällig gewesen – er verließ die Schule nach der achten Klasse. Allerdings konsumierte er bereits mit 13, 14 Jahren Cannabis, Extasy, Crystal Meth. Mit 24 schaffte er aus eigenem Antrieb den abrupten Entzug, wurde auf Medikamente eingestellt, die er jedoch im Frühjahr 2015 absetzte. Wenig später, so beschrieb es seine Mutter, kam die Psychose zurück, „wie ein Sturm, der sich langsam aufbaut“ – diesmal ohne die Einwirkung von Drogen. „Die Denkstörungen bestehen weiterhin“, diagnostizierte der Gutachter. Martin K., seit Oktober in der Klinik für Psychiatrie Altscherbitz untergebracht, sei noch lange nicht so stabil, dass er außerhalb des geschützten Raumes leben könne. Der Eilenburger soll, so der Antrag der Staatsanwaltschaft, auf längere Sicht in den Maßregelvollzug. Das Urteil wird Mitte April erwartet.

Von Kay Würker

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