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Landgericht Leipzig verhandelt Eilenburger Nikotin-Krimi

Zigarettenhandel Landgericht Leipzig verhandelt Eilenburger Nikotin-Krimi

Dresdner Zollfahnder sind überzeugt, dass im Raum Eilenburg im großen Stil Tabakwaren gehandelt wurden, die weder verzollt noch versteuert waren. Zwei Drahtziehern wurde bereits der Prozess gemacht, ein weiterer Beschuldigter muss sich jetzt vor dem Landgericht Leipzig verantworten.

Eilenburg/Leipzig. Ging es um kiloweise Zigaretten oder doch nur um Gemüse, Spielzeug und Süßigkeiten? Dresdner Zollfahnder jedenfalls sind überzeugt, dass im Raum Eilenburg über Jahre hinweg im großen Stil Tabakwaren gehandelt wurden, die weder verzollt noch versteuert waren. Die Ermittler zeichnen dabei ein detailliertes Bild einer organisierten Szene, die vor allem über verklausulierte Telefonate und Hinterhof-Garagen ihr Geschäft betrieben haben soll. Zwei Drahtziehern wurde bereits der Prozess gemacht, ein weiterer Beschuldigter musste sich am Dienstag vor dem Landgericht Leipzig verantworten. Er verweigerte aber im Wesentlichen die Aussage. Nur so viel: „Es ging nicht um Zigaretten.“

Immerhin: Der lange Arm des Gesetzes hat den 31-jährigen Monteur bislang nicht in den Schwitzkasten genommen. Zwar erhielt Christian R. im März vergangenen Jahres einen Strafbefehl – das Amtsgericht Leipzig hatte elf Monate Haft wegen gewerbsmäßiger Steuerhehlerei verhängt, ausgesetzt zur Bewährung. Doch R. legte dagegen Einspruch ein. Das Amtsgericht setzte daraufhin im August eine Verhandlung an. Ergebnis: Freispruch. Offenkundig konnte dem Eilenburger nicht nachgewiesen werden, was ihm die Staatsanwaltschaft anlastet. Die Anklagebehörde legte gegen den Richterspruch Berufung ein – der Fall landete vorm Landgericht.

46.000 Zigaretten unters Volk gebracht

46.000 illegale Zigaretten soll Christian R. binnen fünf Monaten unters Volk gebracht haben. Gemessen an Zollwert und Tabaksteuer sei dem Staat dadurch ein Schaden in Höhe von mindestens 7800 Euro entstanden, erklärte die Staatsanwaltschaft. Hinzu kommt entgangene Einfuhr- und Umsatzsteuer.

Es brauchte viele Monate, bis die Ermittler vom Zollfahndungsamt Dresden auf den Eilenburger aufmerksam wurden und so viele Anhaltspunkte gesammelt hatten, dass sie ihn greifen konnten. Verglichen mit anderen Akteuren in der Szene gilt R. für die Fahnder aber eher als kleiner Fisch, als letzter Zwischenhändler in einer langen Schmugglerkette. Wie der maßgeblich mit den Ermittlungen befasste Beamte am Dienstag aussagte, unterhielt der Beschuldigte im Eilenburger Raum ein Netzwerk von Zigarettenkonsumenten, die er regelmäßig versorgte. R. wiederum soll von zwei anderen Männern aus der Region beliefert worden sein, die ihre Ware von polnischen Zwischenhändlern erhielten.

„Bring mal 20 Möhren mit.“

Die Treffen mit den Polen sollen in Herzberg stattgefunden haben, von dort wurden die Fluppen in Richtung Wittenberg und Eilenburg verteilt. 2012 und 2014 ließen die Fahnder die mutmaßlichen Lieferanten von Christian R. hochgehen – die Hehler sitzen derzeit hinter Gittern. Einer von ihnen berichtete, er habe bei den Polen pro Stange Zigaretten 19,50 Euro bezahlt und dann für durchschnittlich 22,50 Euro an Händler wie Christian R. weiterverkauft. Zum Vergleich: Im offiziellen Tabakwarenhandel kostet eine Stange – rund 200 Zigaretten – zwischen 50 und 60 Euro.

Entsprechend groß war die Gewinnspanne und die Verlockung bei den Konsumenten. Die Fahnder führten in der Szene umfangreiche Telefonüberwachungen durch. „Doch alle Beteiligten verhielten sich äußerst vorsichtig, sprachen nie über Zigaretten“, schilderte der Ermittler. Stattdessen ging es um Gemüse: „Bring mal 20 Möhren mit.“ Oder: „Kannst du mir Süßigkeiten wie letztes Mal besorgen? Hast du weiße Luftballons?“ Fragen, die mal verbal am Telefon, mal per SMS gestellt wurden. Oft verbunden mit konkreten Anfragen nach einem Treffen.

Beweisführung schwierig

„Diese Hinweisformulierungen lassen sich erst nach längerer Zeit in größerem Zusammenhang verstehen“, erklärte der Ermittler. Und schilderte beispielhaft einen Apriltag 2014. Da habe R. zunächst diverse Treffwünsche mit dem Hinweis abgelehnt, dass sein Computer noch kaputt sei. Wenig später, nachdem Christian R. eine größere Lieferung bekommen haben soll, teilte er rund einem Dutzend Leuten gleichzeitig mit, dass sein Internet jetzt wieder funktioniere. Und erntete freudige Resonanz.

„Ermittlungen und Beweisführung in diesem Umfeld sind sehr schwierig“, konstatierte der Zollfahnder. Zumal sich vieles auch in Garagen abspiele. Und in einer verr(a)uchten Eilenburger Bar, die in der organisierten Kleinstadt-Szene „Das Büro“ genannt werde. Vor dem Amtsgericht reichte all das jedenfalls nicht für eine Verurteilung. Und auch die Vorsitzende Richterin am Landgericht sieht noch Klärungsbedarf. Zur Prozessfortsetzung am 29. Februar sollen sieben Eilenburger als Zeugen geladen werden, die von Christian R. mutmaßlich beliefert wurden. Mit Tabakwaren. Oder Gemüse.

Von Kay Würker

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