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Eilenburg Landgerichts-Urteil: Eilenburger Intensivtäter muss in Psychiatrie
Region Eilenburg Landgerichts-Urteil: Eilenburger Intensivtäter muss in Psychiatrie
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16:45 11.04.2016
Das Landgericht Leipzig verurteilte den 26-jährigen Eilenburger. Quelle: André Kempner
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Leipzig/Eilenburg

Martin K., der über Jahre hinweg Passanten im Eilenburger Osten terrorisierte, bleibt auf unbestimmte Zeit hinter Schloss und Riegel. Das Landgericht Leipzig entschied am Montag auf Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus – so lange, bis definitiv keine Gefahr mehr von dem 26-Jährigen ausgeht. Die Strafkammer folgte damit den Anträgen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung. „Man kann Sie nicht bestrafen für das, was Sie getan haben, denn Sie sind krank und steuerungsunfähig“, erklärte der Vorsitzende Richter Berthold Pfuhl. „Aber wir stellen fest, dass Sie gefährlich sind und Ihre Medikamente nicht nehmen, wenn Sie auf freiem Fuß sind.“

Martin K. hatte vor allem zwischen Juni und Oktober 2015 in Eilenburg für Aufsehen gesorgt, als er in rascher Folge in der Nähe seiner Wohnung Menschen auf der Straße angriff. Personen, die er vorher nicht kannte, wurden geschlagen, getreten, bespuckt, beleidigt – ohne erkennbaren Anlass. Schauplätze waren unter anderem die Mozart-, die Windmühlen- und die Puschkinstraße. Bei einer Wohnungsdurchsuchung wurde bei dem etwa 1,85 Meter großen Mann zudem ein großes Küchenmesser beschlagnahmt, das er nach Angaben seiner Mutter oft mit nach draußen nahm. In einem Fall ging er damit auf einen Asylbewerber los.

Vor Gericht eingeräumt hat Martin K. nur wenige dieser Taten. Doch die Beweislast war erdrückend: Zahlreiche Zeugen erkannten ihn als ihren Peiniger wieder, darunter auch Sportler des Tischtennis-Leistungszentrums. Und immerhin kam dem Eilenburger kurz vor dem Urteil doch noch eine Entschuldigung über die Lippen.

Laut psychiatrischem Gutachter ist es eine paranoid-halluzinatorische Schizophrenie, an der Martin K. leidet. Dass er seit seinem 14. Lebensjahr Drogen nahm, dürfte die Krankheit beeinflusst oder gar ausgelöst haben – seine inzwischen zweijährige Abstinenz trägt jedoch nicht zur Linderung bei. Der 26-Jährige ist auf neuroleptische Medikamente angewiesen, die ihn beruhigen. „Nimmt er sie nicht, fühlt er sich permanent bedroht“, schilderte sein Strafverteidiger. „Die Unterbringung im Maßregelvollzug ist auch zu seinem Schutz.“

Dass er dort eines Tages wieder rauskommt, hält Gutachter Dr. Christof Hieronymus nicht für unwahrscheinlich. Im Fachkrankenhaus Altscherbitz werde K. einem umfangreichen psychosozialen Programm unterzogen, das weit über die bloße Medikamentengabe hinausgehe. „Wenn die Krankheitseinsicht da ist und die Bereitschaft, der Psychose rechtzeitig gegenzusteuern, hat er eine Chance. Aber das braucht noch einige Zeit.“

Von Kay Würker

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