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Leben außerhalb Eilenburgs? – Möglich, aber sinnlos

Neujahrsempfang Leben außerhalb Eilenburgs? – Möglich, aber sinnlos

Eilenburg geht in den Kampf. Nicht dagegen, sondern dafür: Es will sich als Wohnstandort in der Region Leipzig der Konkurrenz der Nachbarstädte stellen. Und das war auch Thema beim Neujahrsempfang des Oberbürgermeisters.

Die kabarettistischen Einlagen der Academixer-Abordnung erfreuen die Gäste beim Neujahrs-Empfang.

Quelle: Wolfgang Sens LVZ

Eilenburg. Eilenburg zieht in den Kampf. Nicht dagegen, sondern dafür: Es will sich als Wohnstandort in der Region Leipzig der Konkurrenz der Nachbarstädte stellen. Entsprechend das Thema beim Neujahrsempfang des Oberbürgermeisters am Donnerstagabend im Bürgerhaus: „Wohnen um Leipzig – Eilenburg zieht an“. Der war eine Premiere für Ralf Scheler (parteilos), der seit knapp einem halben Jahr als Stadtoberhaupt im Amt ist. Dabei ist aber jeder Eilenburger Neujahrsempfang Premiere, denn jeder läuft unter einer Überschrift ab. So waren nicht allein Politiker und Vertreter der Stadt eingeladen, sondern auch viele, die mit Wohnungen zu tun haben: Vertreter von Immobilienfirmen, Verwaltungen und Finanzierern.

Die Rollenverteilung war gelungen: Da würzte die kabarettistische Abordnung aus der hype-verwöhnten Pleißestadt, Carolin Fischer und Ralf Bärwolff, die Ausschnitte aus ihrem Programm „Wiesahwie“ schon mal mit kleinen lokalbezogenen Seitenhieben: Ein „schön“ dünnes Heftchen wurde als Eilenburger Kulturprogramm identifiziert und sich gefreut, an diesem Abend schon mal die „Hälfte der Eilenburger Bevölkerung“ vor sich zu haben.

Festredner Michael Rücker von der W&R Immocom dagegen zeigte auf, warum gerade Eilenburg von der Nähe zu der Großstadt profitieren kann, die aus 67 Prozent der kreisfreien Städte Deutschlands vornehmlich junge Einwohner anzieht: Von denen gehen viele mit Anfang 30 auf die Suche nach einem bezahlbaren Wohnplatz für ein Leben in Familie. Den zu finden, wird in der Metropole immer schwieriger. Attraktiv seien die Kommunen, die eine kompakte Innenstadt und gute Lebens und Bauplätze bieten können. Eilenburg bewege sich dabei natürlich in Konkurrenz zu Delitzsch und Wurzen. Deshalb will Eilenburg mit einer Kampagne in die Offensive gehen. Die W&R Immocom, die sich selbst als führenden Kommunikationsdienstleister für Immobilienwirtschaft in Mitteldeutschland bezeichnet, ist vertraglich dafür gebunden. Am 26. Februar soll es eine Informationsveranstaltung geben. Die Einladungen lagen auf den Tischen. Denn: „Ein Leben außerhalb von Eilenburg ist zwar möglich, aber vollkommen sinnlos“, so der Grundtenor und einer der ersten Sätze in Schelers Ansprache. Bei der brauchte er langen Atem, um Veranstaltungen, Verdienste, vergangene und künftige Projekte der Muldestadt unterzubringen. Von der Freude über die ersten Babys 2016 in der Klinik Eilenburg, die verfolgreiche Vermarktung der Heinzelberge, über den Kreisverkehr auf dem Berg bis hin natürlich zum Aufruf, sich an der Wohnort-Kampagne zu beteiligen. Kritik ging vor allem an die „große Politik“, die der Entwicklung des Mittelstands mit kalter Progression und Bürokratie Hemmnisse in den Weg lege und auch bei der Bewältigung der Flüchtlingssituation nicht überzeugen könne.

Einen Nachtrag gab es vom Neujahrsempfang 2015. Der hatte unter dem Thema Integration gestanden. Dort war eine von der Behindertenwerkstatt gefertigte Vase von den Gästen bemalt worden. Sie kam nun zur Versteigerung. Kabarettist Bärwolff versuchte, die Aktionsstimmung anzuheizen. Am Ende lieferten sich die Geschwister Ellen Häußler und Reiner Dietrich ein kleines Kopf-an-Kopf-Rennen: Der Zuschlag ging bei 205 Euro an Ellen Häußler. Dafür legten die Freien Wähler gestern noch mal 100 Euro drauf und Uwe Giersdorff weitere 50. Alles zusammen kommt der Eilenburger Flüchtlingsarbeit zugute. Das bunte Objekt, so Ellen Häußler, soll später an einem Ort mit gewissem Publikumsverkehr stehen.

„Gelungen“, bilanzierte Heiko Leihe, Leiter des Bereichs Öffentlichkeitsarbeit, von Seiten der Empfangs-Organisatoren. Die Idee, den Gästen den kleinen Imbiss gleich auf die Tische zu stellen und kein Buffet aufzubauen, die eigentlich wegen der Termine der Kabarettisten entstanden war, kam gut an. Die letzten blieben bis kurz vor Mitternacht miteinander im Gespräch.

Von Heike Liesaus

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