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Lebensgefährtin mit Messer bedroht: Amtsgericht Eilenburg fällt Urteil

Junger Mann vor Gericht Lebensgefährtin mit Messer bedroht: Amtsgericht Eilenburg fällt Urteil

Er hatte seine Lebensgefährtin mit dem Messer bedroht und dafür einen Strafbefehl erhalten – dagegen ging der 23-Jährige in Einspruch. In der Hauptverhandlung vor dem Eilenburger Amtsgericht zog der Angeklagte nun nach kurzer Diskussion den Einspruch zurück, muss jetzt allerdings noch die Verhandlungskosten aufbringen.

Das Amtsgericht Eilenburg.

Quelle: Wolfgang Sens

Eilenburg. Als der Angeklagte im Eilenburger Amtsgericht Angaben zur Person machen sollte, verwirrte das nicht nur den Staatsanwalt, weshalb er nochmals dezidiert nachfragte: „Sie sind im Iran geboren, jetzt aber afghanischer Staatsbürger?“ Der 23-jährige Angeklagte bestätigte dies über die Dolmetscherin. Einen Beruf habe er weder im Iran noch in Deutschland erlernt. Er ist verheiratet, lebt aber von seiner Frau getrennt. Zur Verhandlung erschien er mit seiner Lebensgefährtin, die auch als Zeuge geladen wurde. Zur Zeit ist er in einem Heim im Westen des Landkreises Nordsachsen untergebracht.

Schlüssel und Telefon einbehalten

Der Angeklagte soll seine Lebensgefährtin Anfang dieses Jahres mit einem 20 Zentimeter langen Küchenmesser bedroht und dabei gesagt haben, dass er sie umbringen würde. Zudem wurde ihm vorgeworfen, die Schlüssel zur Eilenburger Wohnung seiner Lebensgefährtin sowie ein Mobiltelefon einbehalten zu haben. Er habe beides auch nach mehrfacher Aufforderung nicht herausgegeben. Die Staatsanwaltschaft beantragte daraufhin beim Amtsgericht Eilenburg für beide Taten – Bedrohung und Diebstahl – einen Strafbefehl in Höhe von 30 Tagessätzen zu je zehn Euro. „In dieser Höhe war er angemessen“, bestätigte Richterin Carmen Grell. Sie erklärte, dass es eine äußerst geringe Strafe sei, weil berücksichtigt wurde, dass der junge Mann in Deutschland noch nicht vorbestraft war. Zudem gab sie ihm auch den Hinweis, dass er die Geldstrafe in Raten zahlen könnte. Es bedürfe nur einer Vereinbarung mit der Staatsanwaltschaft.

Doch offenbar redete dem Angeklagten irgendjemand ein, er müsse unbedingt gegen den Strafbefehl in Einspruch gehen, Rechtsmittel einlegen. Das tat er dann auch mit Hilfe eines Anwalts. In der Hauptverhandlung machte der Verteidiger aber jetzt deutlich, dass die Gesprächsführung im Vorfeld des Gerichtstermins schwierig gewesen sei. Er konnte nicht auf eine Dolmetscherin zurückgreifen, nur der Bruder seines Mandanten war anwesend. Auch der Rechtsanwalt hatte dem jungen Mann geraten, den Einspruch zurückzunehmen.

Strafbefehl behält Gültigkeit

Letztlich tat es der Angeklagte jetzt während der Hauptverhandlung und akzeptierte seine Strafe, der Strafbefehl behielt damit seine Gültigkeit. Die Zeugin musste daraufhin auch nicht mehr gehört werden.

Allerdings wollte sich der Angeklagte mit einigen Worten auch der Richterin erklären. Warum rastete er an jenem Tag aus? Die Erklärung überraschte ein weiteres Mal: Die Lebensgefährtin des Angeklagten lebt bereits seit einigen Jahren in Deutschland. Die Beziehung scheint soweit intakt. Doch jedes Mal, wenn die Frau Kontakt zu ihrer Mutter hat, kommt es zum großen Krach. „Sie mischt sich immer bei uns ein“, berichtete der Mann fast unter Tränen. Der Verteidiger bemerkte dazu nur: „Auf die Eltern der Frau haben wir hier leider keinen Einfluss.“

Der Angeklagte werde in Kürze ein Praktikum in einem Unternehmen antreten, wie er selbst mitteilte. „Mit dem Strafbefehl gelten sie weiterhin als nicht vorbestraft“, gab die Richterin dem Angeklagten noch mit auf den Weg. Er wird allerdings jetzt noch mehr bezahlen müssen, denn neben der Strafe an sich, muss er auch die Kosten des Verfahrens tragen. Ohne Einspruch wäre es deutlich kostengünstiger geworden.

Von Ditmar Wohlgemuth

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