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Lehrermangel und die Folgen: In Eilenburg sollen 16 Abc-Schützen pendeln

Eltern sind empört Lehrermangel und die Folgen: In Eilenburg sollen 16 Abc-Schützen pendeln

Ärger bei Eltern künftiger Belian-Grundschüler. Im Stadtteil Eilenburg Mitte soll es in diesem Jahr nur eine erste Klasse geben. Deshalb werden nun zwölf Kinder in den Stadtteil Ost und vier auf den Berg geschickt. „Ein Unding“, sagt der Elternratsvorsitzende Jan Werner.

Der Hortneubau an der Grundschule Ost wächst, aber fertig wird er erst 2018.

Quelle: Stadtverwaltung Eilenburg

Eilenburg. War nicht schon alles geklärt für die künftigen Abc-Schützen an der Eilenburger Belian-Grundschule? Für zwei Klassen standen zwei Lehrer zur Verfügung. Die Kinder kannten sie bereits, denn sie hatten die Schule schon zum Schnupperunterricht besucht. Für die meisten war bereits der Hortbetreuungsvertrag geschlossen. Doch nun soll für 16 von ihnen alles anders werden: Denn an der Schule im Stadtteil Mitte wird in diesem Jahr nur eine erste Klasse gebildet. Und die kann nicht alle Kinder aufnehmen. Zwölf müssten deshalb in die Grundschule Ost, vier in den Stadtteil Berg pendeln. Hauptgrund: Es werden nicht, wie erwartet, insgesamt sechs neue erste Klassen in den drei Eilenburger Grundschulen gebildet, sondern nur fünf. Das hat die Bildungsagentur so entschieden. Es gibt insgesamt zu wenig Lehrer in Sachsen. Und auch mit fünf Klassen liegt die Zahl der Schüler jeweils noch im Bereich des Klassenteilers, der im Freistaat bei 28 Schülern festgelegt ist.

Einheitlicher Schulbezirk

Außerdem hat die Stadt im vorigen Jahr den einheitlichen Grundschulbezirk, statt der bisher geltenden drei ausgewiesen. Damit wollte sie aber vor allem die Möglichkeit bekommen, die Schüler entsprechend der freien Hortplätze zu verteilen. Und bisher waren zugunsten kleinerer Klassenstärken bei den vorliegenden Schülerzahlen immer noch sechs erste Klassen in der Stadt von der Bildungsagentur zugelassen worden.

„Im Gespräch zwischen der Bildungsagentur und der Schulleitung war aber schon geklärt, dass an der Belian-Grundschule zwei Klassen gebildet werden. Einen Tag später wurde es dann von der Stadt anders entschieden“, beschreibt Jan Werner, Vorsitzender des Elternrates der Belian-Grundschule, das Geschehen. Mit der Verteilung der Schüler müssen die 16 betroffenen Kinder weitere Schulwege bewältigen: Neun von ihnen haben nun einen über zwei Kilometer langen Weg, der geringste Abstand zur Schule beträgt nun 1,6 Kilometer, kann Werner mit Zahlen aufwarten.

Appell an Landespolitik

„Dass die Pläne schon soweit fertig waren, entzieht sich meiner Kenntnis“, erklärt Annett Krause, Leiterin des Bereichs Bürgerservice in der Stadtverwaltung. „Wir hatten uns Gedanken gemacht und die Entscheidung in der Kürze der Zeit so getroffen. Mit der Aufteilung wollten wir die Belian-Grundschule entlasten, weil dort die meisten Grundschüler lernen.“

Mit der geplanten Verteilung würden von den 543 Grundschülern insgesamt knapp 30 Prozent in Eilenburg Ost, 34 in Mitte und 36 Prozent im Stadtteil Berg unterrichtet. Die Kritik aus der Stadtverwaltung richtet sich an die Bildungspolitik des Freistaates. Oberbürgermeister Ralf Scheler (parteilos) appellierte in einer Pressemitteilung an die Landesregierung, „das pädagogische Niveau in Sachsen durch eine bessere Ausstattung mit Lehrkräften und einem sichtbar geringeren Klassenteiler zu verbessern“.

Würden zwei Klassen in Stadt-Mitte, und nur eine Klasse in Eilenburg Ost gebildet, müssten nur sechs Schüler umgelenkt werden, ist von Jan Werner zu erfahren. Müssten dann aber einige bis in den Stadtteil Berg, also quer durch die ganze Stadt fahren?

Wohnortnähe als wichtiges Kriterium

Als der Einheits-Grundschulbezirk festgelegt wurde, hieß es zu den Entscheidungsleitlinien für die Schulaufnahme: Wichtigstes Kriterium soll die Wohnortnähe bleiben. Ausnahmen gibt es unter anderem, wenn Barrierefreiheit nötig ist, die nur die Grundschule Berg bietet, oder wenn bereits Geschwisterkinder in der Schule sind. Aber auch soziale Gründe wie alleinerziehende Eltern, Arbeitsweg oder Betreuung durch Großeltern sollten betrachtet werden. In den jeweiligen Hort sollten wiederum bevorzugt die Kinder aufgenommen werden, die die entsprechende Grundschule besuchen.

„Für mich ist das noch ein schwebendes Verfahren“, sagt Annett Krause. Sie erarbeitete vor dem Himmelfahrts-Feiertag noch an einem Brief mit neuen Informationen für die Eltern. Und der Elternratsvorsitzende Jan Werner versuchte, einen Gesprächstermin mit der Bildungsagentur zu vereinbaren.

Von Heike Liesaus

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