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Leipziger Buchmesse: Delitzsch und Oschatz tauchen in Büchern auf

Literarischer Landkreis Leipziger Buchmesse: Delitzsch und Oschatz tauchen in Büchern auf

Leipzig ist ab Donnerstag im Buchmessefieber. Auch Bibliothekare, Buchhändler und die Literaturfans aus Nordsachsen sind dabei. Und ahnen vielleicht nicht, dass so zwischen manchem Buchdeckel schon älterer Werke jede Menge Landkreis steckt und vielleicht auch in den Neuerscheinungen zu erkennen ist.

Bücher mit Delitzscher Eilenburger und Bad Dübener Anklängen

Quelle: Wolfgang Sens

Delitzsch. Wer weiß schon, was einen Autoren treibt, ihn inspiriert? Etliche selbst ernannte Autoren lassen im Selbstverlag schon etliche Anklänge auf ihre Heimat erkennen. Hinzu kommen die Profi-Schreiber, die Delitzsch &. Co. zwischen die Zeilen bringen. Manchmal glimmt so zwischen Buchdeckeln etwas auf, das Leser denken lässt „Das ist doch wie ...“ Und tatsächlich, so mancher Ort, so mancher Mensch der Vergangenheit und Gegenwart und mancher Begriff der Welt direkt um einen herum taucht – bewusst oder unbewusst gemacht – zwischen den Buchdeckeln der Weltliteratur auf. Städte und kleinere oder größere Berühmtheiten der Region tauchen so deutlich und weniger deutlich erkennbar auf.

Prominentestes Beispiel – wobei bei der Fülle an literarischem Material kein Anspruch auf Vollständigkeit besteht – ist der Delitzscher Naturforscher Christian Gottfried Ehrenberg, der Daniel Kehlmann in seinem 2005 erschienenen und später auch verfilmten Roman „Die Vermessung der Welt“ mehr als 20 namentliche Erwähnungen wert ist. Wobei der berühmte Stadtsohn nicht unbedingt immer gut dabei wegkommt, sehr wohl aber originalgetreu: „Ehrenberg war klein, dick und spitzbärtig“, heißt es im Buch, das mehr als 30 Wochen die Spiegel-Bestsellerliste anführte und sogar Schulstoff wurde.

Bad Düben – ein erbärmliches Provinznest?

Der in Bad Düben aufgewachsene und zum Ehrenbürger ernannte Schriftsteller Christoph Hein zeigt in seinem Roman „Landnahme“ die Kurstadt. Sein fiktives Bad Guldenberg nennt er darin allerdings auch ein „erbärmliches Provinznest“. Hein selbst stellt zwar gern klar, sein Guldenberg sei nicht mit Bad Düben identisch. Leugnen lassen sich die Parallelen zu einer kleinen Stadt ganz und gar im Stile Dübens aber nicht. Zu einem weiteren Roman Heins, „Horns Ende“ (1985), hat „Landnahme“ die denkbar größte Nähe. Nicht nur, dass er ebenfalls in Guldenberg spielt, sondern es suchen wiederum fünf Figuren (eine davon im früheren Roman schon dabei) eine schweigsame sechste aus unterschiedlichster Perspektive zu porträtieren.

Der Autor Karl Neumann, Kinderbuchautor und Namensgeber der Eilenburger Förderschule für geistig Behinderte, siedelte den Ort der Handlung seines Erstlingswerkes „Frank“ in seinem Heimatort Eilenburg und dessen Umgebung an. Eilenburg heißt darin allerdings „Eulenburg“.

Ziemlich offensichtlich agieren die Krimis der Reihe „Mords-Sachsen“ mit den kleinen und großen Städten. In Band 3 zum Beispiel findet sich – auch mit Delitzsch als Handlungsort gekennzeichnet – eine nur minimalst verfremdete Ansicht der Altstadtkneipe No.2 in Delitzsch.

Jürgen Petry betrachtet eine Buchhandlung in Delitzsch

Ein Delitzsch-Roman wurde erst 2012 in der Loberstadt gefeiert: Der Autor und Ex-Löbnitzer Jürgen Petry betrachtet in seinem Roman „Subordination“ den Mikrokosmos einer traditionsreichen Buchhandlung in Delitzsch und die deutsche Nachkriegsgeschichte.

Weniger deutlich, weil nicht namentlich genannt, kommt der ehemalige Zwochauer Pfarrer Oliver Behre, der den Landkreis 2015 verließ, literarisch zu Ehren. Hans-Ulrich Treichel fühlte sich durch ihn offenbar für eine Figur in seinem Roman „Menschenflug“ inspiriert, lässt den Pfarrer von der Kanzel aus für die Hauptfigur wichtige Erkenntnisse transportieren.

Auch eher was für Kenner ist Georg Gunskes „Dialog am Nachmittag“. Die Geschichte um Eberhard, Pelle, den Daseinseroberer und Brigadier Liwocha, der ein Leben zwischen zwei Frauen führte, spielt phasenweise im einstigen Betonwerk Laußig.

Aus dem Bereich der Jugendliteratur stammt Klaus W. Hoffmanns Werk „Die Geigerin“. Der freiberufliche Autor nimmt den Leser mit in die Zeit im Oktober 1813, als Napoleon sowie die Heerführer der preußischen und verbündeten Armeen zur Völkerschlacht rüsten und plündernd durch die Dörfer an der Mulde zogen. Christian und Friederike erleben diese Zeit in Laußig und Gruna. Auch Sabine Ebert widmete sich in einem großen Werk der Völkerschlacht bei Leipzig. „1813 – Kriegsfeuer“ streift dabei unter anderem die Burg Düben, wo Napoleon zeitweise sein Hauptquartier bezogen hatte.

Erinnerungen an Ostdeutschland

Hannelore Nawratil wurde in den 1920er-Jahren in Eilenburg geboren. Sie brachte in „Doch mit des Geschickes Mächten“ die Erinnerungen einer in Ostdeutschland Aufgewachsenen zu Papier und zeichnet den harten und entbehrungsreichen Weg in eine wirtschaftlich gesunde Zukunft nach dem Zweiten Weltkrieg nach.

Wer war der Mann, der als literarische Gestalt Weltruf erlangt hat, doch als geschichtliche Figur weithin unbekannt geblieben ist? Fragen wie diesen ist Kurt Neheimer in seinem historischen Report „Der Mann, der Michael Kohlhaas wurde“ nachgegangen. Er beschreibt, wie der Lebensmittelkrämer Hans Kohlhase, dem hinterrücks auf der Straße von Wittenberg nach Leipzig bei Wellaune die Pferde gestohlen werden, zum Rebellen wird.

Der 1893 in Gruna geborene Jurist und Politiker Günther Gereke prägte entscheidend mit seinem Wirken die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung in Pressel (Gemeinde Laußig). Der einstige Torgauer Landrat, der das Schloss Pressel als Herrensitz erbaute, hat seine Erinnerungen in dem Band „Ich war königlich-preußischer Landrat“ aufgeschrieben.

Kriegsgebiet Oschatz

Eilenburg in Sachsen an der Mulde und Speyer in der Pfalz am Rhein sind die territorialen Markierungen von „Nimmerda – Eine Kindheit in zwei Teilen“. Autor ist der 1946 in Eilenburg geborene Peter Frömmig, der von zwei Stationen einer deutschen Lebensgeschichte erzählt.

Der französische Manager Christian Streiff hat seine Erfahrungen und Reflexionen mit der deutschen Wiedervereinigung zu einem Roman mit dem Titel „Kriegsspiel“ verdichtet. Der darin gewählte Ortsname Osbach soll eine Mischung aus Oschatz (VEB Glasseidenwerk Oschatz) und dem Namen eines Mitarbeiters sein.

Auch Autoren aus dem Landkreis schreiben über ihre Lebenswege. So wird beispielsweise die Mügelner Autorin und Lehrerin im Ruhestand, Liselotte Pottetz, mit einem Stand auf der Buchmesse vertreten sein. Neu ist ihr Buch „Welcher Heimat gehört unser Herz“, das über ihr Leben und ihre Flucht aus Bessarabien erzählt.

Von Christine Jacob, Kathrin Kabelitz und Bärbel Schumann

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