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Eilenburg Liemehnaer Werk entwickelt Kompost-Dünger aus Hühnermist und Grünschnitt
Region Eilenburg Liemehnaer Werk entwickelt Kompost-Dünger aus Hühnermist und Grünschnitt
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00:22 18.09.2017
Regina Beege, Betriebsleiterin bei Rösl, und Falko Schneider vom Landgut Zschettgau begutachten Kompost, der auf dem Feld ausgebracht wird. Quelle: privat
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Liemehna/Eilenburg

Humus entscheidet über Sein oder Nichtsein. Ein Absinken des Gehalts im Boden um bis zu zwei Prozent kann bewirken, dass dort nichts mehr wächst. Mit Humus hat die Firma Rösl in Liemehna schon lange zu tun. Dort ist eine Kompostieranlage in Betrieb. Inhaber Franz Rösl, obwohl von Haus aus Bauingenieur, ist fasziniert vom Thema Bodenfruchtbarkeit. So werden in Liemehna organische Abfälle nicht einfach zu Kompost gemacht und verkauft. Der Prozess wird wissenschaftlich begleitet und das Know-how an Landwirte weitergegeben. Gerade starteten Freilandversuche, bei denen der hochwertige Kompost auf Feldern der Agrargenossenschaft Jesewitz und des Bio-Obstbaus Baderitz bei Grimma ausgebracht wurde. Nicht allein Grünschnitt wurde bei dessen Herstellung verwertet, sondern auch Hühnerkot aus der Mastanlage auf dem Liemehnaer Gelände. 30 Hektar Feld des Landgutes Zschettgau, das gleich im Nachbarort ansässig ist, sind nun mit Kompost gedüngt. Geschäftsführer Reiner Dietrich: „Jetzt sind wir gespannt auf Resultate in den nächsten Jahren.“

Kompostierung als Vorverdauung

Die Firma Rösl arbeitet dafür mit der Uni Halle, mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Dresden und mit der Uni Regensburg zusammen. Es gibt eine abgeschlossene Bachelor-Arbeit zum Thema, eine Masterarbeit ist geplant. „Wir versuchen, Kompost als Dauerhumusdünger zu sehen und klimaschonend zu kompostieren“, umreißt Franz Rösl Ziele. Klimaschonend bedeute, dass Nährstoffe nicht in Luft und Boden abwandern, sondern für Pflanzen verwertbar zur Verfügung stehen. Selbst Gründüngung, bei der Pflanzen auf den Feldern angebaut werden, um dann untergepflügt werden, sei nicht optimal. „Denn ist es natürlich, dass eine grüne Pflanze in den Boden kommt?“, gibt Rösl zu bedenken. Generell komme es weniger darauf an, dass Nährstoffe in großen Mengen zugeführt werden, sondern dass sie vom Boden, von den Lebewesen darin „verarbeitet“ werden können. Das Kompostieren funktioniert als Vorverdauung. Kleinere und größere Bodenlebewesen produzieren die Huminstoffe, die dem Boden und Kompost die typische dunkle Farbe geben, und die dann für die Fähigkeit des Bodens Wasser und Nährstoffe zu speichern, sorgen. Und sie verleihen ihm Pufferkapazität, die gerade im Hinblick auf den Klimawandel wichtig ist. Diese Mechanismen zu beachten, sei auch deshalb wichtig, weil intensive Landwirtschaft gerade zu Lasten der obersten Humusschicht geht. Können Böden Wasser schlecht speichern, dürfte das auch Auswirkungen auf Erosionserscheinungen haben.

Kompost mit Spitzenwerten

Die Liemehnaer Kompostwerker pflegen die nötigen Mikroorganismen offenbar besonders gut: „Unser Kompost hat 30 bis 35 Prozent Huminstoffe. Das ist europaweit Spitze. Die Universität für Bodenkultur in Wien hatte insgesamt 200 Komposte untersucht“, erklärt Rösl. Solche Werte seien mit dem Komposthaufen im Garten nicht hinzubekommen. Aber wie machen es die Fachleute? „Wir können das Gut zum Beispiel öfter mit speziellen Maschinen wenden.“ Ebenfalls ausschlaggebend beim Kompostieren: die Hygienisierung. Heißt: Das, was auf Feldern und Beeten landet, darf keine keimfähigen Samen enthalten und keine Mikroorganismen, wie Pilze oder Bakterien, die für Mensch, Tier oder Pflanze schädlich sind. „All das erledigen die natürlichen Gegenspieler, die in so einer Rotte vorkommen“, erläutert Franz Rösl. Landwirtschaftsbetriebe könnten selbst solche Anlagen einrichten. Denn Kompostieranlagen wie die in Liemehna würden den Bedarf gar nicht für alle Flächen abdecken.

Boden hat Einfluss auf Nahrungsmittel, die dort wachsen

Denkansätze der von Rösl initiierten IG Bodenfruchtbarkeit gehen sogar noch weiter: Der Einfluss des Bodens auf die dort wachsenden Nahrungsmittel sei nicht zu unterschätzen. „Es ist zum Beispiel nachgewiesen, dass Tiere gesundheitliche Probleme bekommen, wenn sie ständig Futter erhalten, dass auf Böden geerntet wurde, die bestimmte Stoffe nicht hergeben.“ Viele Landwirte hätten sich jedoch noch gar nicht mit diesen Themen, stellt Rösl fest. Aber das Interesse wächst. Der Bodentag in Regensburg, dem Stammsitz der Firma Rösl, zählte im vorigen Jahr 280 Teilnehmer. Der nächste soll nun am 21. November stattfinden.

Von Heike Liesaus

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