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Lossa-Wehr zerstört: HistorischeSägemühle sitzt auf dem Trockenen

Lossa-Wehr zerstört: HistorischeSägemühle sitzt auf dem Trockenen

Tha llwitz. In Thallwitz macht sich die Lossa dünn. Ein Defekt am Sägemühlen-Wehr hat das Flüsschen trockengelegt. Mit verheerenden Auswirkungen für die über 200 Jahre alte Sägemühle.

Normalerweise bietet die Lossa all ihre Kraft auf, um das Sägegatter zu bewegen. Das Wasser strömt in den Mühlgraben, über einen hölzernen Zufluss ergießt es sich dann mit großem Getöse in die Schaufeln des riesigen Wasserrades. Doch seit Wochenanfang streikt das Wehr.

"In der Nacht zum Montag ist es passiert", berichtet Uta Hillscher, die Thallwitzer Sägemüllerin. "Gehört haben wir nichts - nur die Bescherung am Morgen gesehen." Einen riesigen Eichenbalken hat das Wasser einfach weggedrückt, er ragt einige Meter flussabwärts Richtung Mulde aus dem Schlamm. Mit dem Balken ist auch noch eine der maroden Holzklappen abgekippt, die das Wasser sonst anstauen hilft. Regulieren lässt sich hier nichts mehr. "Es wurde immer mal was ausgebessert, aber sonst ist das alles noch Baujahr 1911", meint Thomas Pöge, Thallwitzer Bürgermeister. "Bei der August-Flut 2013 ist schon ein Balken weggeflogen. Doch die zuständigen Behörden tun sich schwer, den Flutschaden anzuerkennen." Nun hat die Lossa der alterschwachen Konstruktion den Rest gegeben.

Üble Folge: Aus dem Flüsschen, das sonst oberhalb der Sägemühle die stattliche Breite von 15 Metern erreicht, ist ein klägliches Rinnsal geworden. "Hier ist es sonst idyllisch, Seerosen wachsen - einfach eine Augenweide", beschreibt Pöge den Normalzustand. Jetzt ist das Flussbett nahezu ausgetrocknet - nur noch wenig Wasser tröpfelt durch den Ort. Die unverhoffte Ebbe gibt den Blick auf Müll, unter anderem einen alten Autoreifen, frei. Das Boot eines Anwohners ist unfreiwillig gestrandet. Am meisten aber bereitet der Wehrbruch der Sägemühle Probleme. "Der Mühlgraben bekommt kein Wasser mehr, weil nichts angestaut wird. Eine Katastrophe für die denkmalgeschützte Anlage", meint Uta Hillscher. Wo das Nass sonst bis zu 1,50 Meter hoch steht, herrscht Ebbe. Die Wasserrinne ist zur Fisch-Falle geworden. Schlingpflanzen gibt es zwar zuhauf. Aber die Flossentiere in der flachen Pfütze schnappen sichtlich nach Luft. Pöge will sofort den Angelverein alarmieren. Dabei dürfte es noch das kleinste Problem sein, die Schuppentiere vor ihrem sicheren Ende zu bewahren. Schwieriger wird die Wiederinstandsetzung des Wehres.

Dass das repariert werden muss, daran lässt der Ortschef keinen Zweifel. "Die historische Sägemühle steht sonst vor dem Aus. Undenkbar, dass sich das Mühlrad nie mehr drehen soll." Heimatverein, Sägemüllerin und Gemeinde engagieren sich seit Jahren, um das technische Denkmal zu erhalten. Die Sägemühle ist die einzige ihrer Art in Sachsen. Seit Generationen in Familienbesitz, begeistert das Kleinod nicht nur Technik-Fans, sondern auch Ausflügler und Schulklassen. "Es wäre ein herber Schlag für alle, wenn wir diese Tradition nicht bewahren würden", meint Pöge. Da auch das Wehr unter Denkmalschutz steht, alarmierte der Ortschef das zuständige Landesamt. "Dort hat man mir erklärt, dass ich erst mal einen Antrag stellen soll und im kommenden Jahr vielleicht Hilfe möglich ist. Hier muss aber noch diese Woche was passieren", macht der Ortschef Druck. Schließlich erkennen die Thallwitzer derzeit ihren Ort kaum wieder. "Wenn die Lossa nicht friedlich in ihrem Bett vor sich hin plätschert, fehlt einfach etwas", meint ein Anwohner. Auch der betagten Bruchsteinmauer, die das Gewässer säumt, tut das trockene Flussbett nicht gut. "So eine Mauer fällt dann auch schnell mal zusammen", will sich Pöge mögliche Folgen gar nicht ausmalen.

Der Heimatverein Thallwitz hat bei der VR-Bank Muldental unter "Spende Sägemühle" ein Konto eingerichtet (IBAN DE13 8609 5484 0350 8002 20) und bittet um finanzielle Unterstützung für die Reparatur des Wehres.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 22.07.2015
Simone Prenzel

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